eine vernünftige Renovierung erforderlichen
Kosten aber privat aufzubringen,
wird sicher nicht möglich sein, .... Ich
bin recht betrübt, Ihnen so etwas schreiben
zu müssen. Es würde mich jedoch freuen,
wenn Sie mich durch einen Erfolg
Ihrer Bemühungen eines Besseren belehren
könnten. Es grüßt sie als Heimatloser
Ihr
Erst beim zweiten Lesen wurde mir
klar, wie viel Bitternis und Enttäuschung
über den Verlust unserer Heimat im Osten
unseres Vaterlandes hier fast anklagend
in diesem Brief enthalten sind. Das
nötigt mir hohe Anerkennung ab. Ich war
im Juli 1999 auch der Meinung: „Was
soll’s? Die Sache Kumehnen kannst du
abhaken. Geschichte, basta!“ Doch immer
mehr kam in mir das Gefühl und dann
auch die Einsicht hoch, hier trotz allem,
was geschehen war, tätig zu werden. Dort
in Kumehnen liegen meine Wurzeln, dort
ist meine Heimat. Dort ist viele Jahrhunderte
deutsche Geschichte erlebt und erlitten
worden. Wir Ostpreußen haben die
schlimmste Last des 2. Weltkrieges tragen
müssen. Wir haben die Wut der
Kriegsgegner mit geballter Faust und
ohne fürsorgliche Evakuierungsbefehle
unserer sogenannten Führer erleiden
müssen. Keiner von uns kam mit einem
Wagen im Westen an. Wir Kinder mit
unseren Müttern besaßen nur noch das,
was wir am Leibe trugen.
Somit komme ich zum Kern der Ziele
unseres Fördervereins: Ist unsere Kirche
in Kumehnen nicht ein Symbol für die
Schrecken jeden Krieges und auch ein
Symbol der Hoffnung zur Versöhnung
und des Friedens für unsere Enkel - hier
in Deutschland und dort im Samland. Die
jungen Russen wollen wissen, was vor
ihrer Geburt in Kumehnen (Kumatschjowo)
war. Welch eine historische Chance
ist es, durch unsere Kirche zu dokumentieren,
dass Deutsche und Russen
bekennen, dass das Samland und Kumehnen
Zeugen des Lebens unserer Vorväter
und von uns sind, die wir nicht freiwillig
hergegeben haben. Wenn diejenigen
unter uns, die jahrzehntelang vor 1990
geradezu fanatisch danach gerufen haben,
Nordostpreußen sollte endlich für uns
geöffnet werden und die Russen sollten
mit uns sprechen und handeln, sich jetzt
zurückziehen, leisten sie nur der Meinung
Vorschub, dass wir immer noch revanchistische
Gedanken haben. Lassen Sie
uns gemeinsam versuchen, unsere Kirche
und unseren Friedhof in Kumehnen
wieder zu einer für unsere Toten, für uns
und für unsere Nachfahren würdigen
Ehrenanlage zu gestalten.
Das werden wir nicht mit Privatmitteln
schaffen. Wenn wir aber mit unseren kleinen
finanziellen Mitteln und einer stattlichen
Zahl von Mitgliedern zeigen, dass
wir Mitglieder der Kumehner Kirchengemeinde
die Restaurierung unserer Kirche
wollen, dann werden wir auch gutwillige
Gönner finden, die uns die großen
Finanzmittel dazugeben. Wenn wir
abseits stehen, sagen diese zu Recht, wir
hätten ja selbst kein Interesse an unserer
alten Heimat.
Deshalb möchte ich - im Aufträge unseres
Vorstandes - nochmals eindringlich
darum bitten, unsere Arbeit zu unterstützen.
Es kommt nicht auf die Höhe des
Beitrages an, sondern auf unseren Willen
für Frieden und Versöhnung über den
Gräbern unserer geschundenen Heimat.
Geben Sie Ihrem Herzen einen Schubs.
Falls Sie Fragen haben, rufen Sie mich
kurz an. Sonntags würde ich zurückrufen,
da dann die Telefonate für mich
nichts kosten. Prospekte und Beitrittserklärungen
sende ich Ihnen gerne zu.
Noch ein Tip für die Internet-Surfer:
Gehen Sie bitte auf die Website
www.ostsicht.de. Da finden Sie Bilder
und Informationen zu Kumehnen und
unserer Kirche.
Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen
Ein Qrab in Bulitten
Meiner
inneren Stimme folgend, trat
ich im September 1999 erneut eine
Reise nach Königsberg und Umgebung
an. Die allgemeine Nervosität war bei mir
nicht so stark wie im vorherigen Jahr,
als ich das erste Mal seit 1945 an meines
Vaters Grab in unserem ehemaligen Obstgarten
stand. Dafür drängten sich andere
Zweifel auf: Würde die mitgebrachte,
kleine Grabplatte mit Vaters Lebensdaten
von den neuen Bewohnern angenommen
werden? Es gab ja keine offizielle Absprache.
Man führte uns, meinen Reisebegleiter
- einen früheren Nachbarn - und
mich, in die besagte Gartenecke und siehe
da: Vaters Grab hatte inzwischen eine
Ziegelstein-Einfassung erhalten. Welch
eine freudige Überraschung für mich! Ich
konnte meine Tränen der Rührung nicht
verbergen. Außerdem war die Wildnis
dort etwas ausgelichtet. Die jetzigen Bewohner
rieten mir sogar, die Platte nicht
einfach lose abzulegen, sondern festzumauern.
Ich nahm diesen Vorschlag gerne
an und war dankbar der russischen Familie
gegenüber (eine Witwe, Sohn und
Enkel).
Zur besseren Verständigung hatten wir
wieder den vorjährigen Taxifahrer und
Dolmetscher Anatol dabei. Aber auch
mein früherer Nachbar Willy Rähse lernte
in den zehn Jahren Workuta-Aufenthalt
die russische Sprache perfekt.
Zwei Mal waren wir danach noch kurz
Ihr Lothar Dufke
Wilhelmstraße 55
25774 Lunden
(Tel./Fax: 04882 -1055 / 63015
eMail: Lothar.Dufke@t-online.de)
an Vaters Grab und ich freute mich über
die bescheidene Grabgestaltung. Zum
kargen Lohn oder Rente waren den guten
Helfern die zusätzlichen Rubel sehr
willkommen. Die neuen Bewohner im
Schulhaus des Nachbarortes überreichten
mir einen Dalienstrauß. Diesen konnte
ich nun zum Abschied meinem Vater
für dessen Grab weiterreichen. Nun habe
ich endlich meinen Seelenfrieden gefunden.
Denn ich habe meinem mich beschützenden
Vater - besonders für die Zeit
vom Januar 45 bis zu seinem gewaltsamen
Tode im Juli 45 - sehr, sehr viel zu
danken. Dieser Dank geht weit über sein
Grab hinaus!
Gertrud Schulz
Falkenbergerstr. 49
79110 Freiburg im Breisgau
Tel.: 0761 - 81719 49