irgendwelche Uferschutzmaßnahmen zur
Verfügung gestellt wird, ist es nur noch
eine Frage der Zeit, wann die ersten Häuser
am Strand ein Opfer der Wellen werden.
Auch muss ein erneuter Durchbruch
zum Haff in Betracht gezogen werden.
Wird es in absehbarer Zeit wieder ein
Cranzer- bzw. Brokist-Gatt geben? Wird
Selenogradsk/Cranz in Zukunft auf einer
reinen Halbinsel stehen und nur in
Richtung Rosehnen mit dem Festland
verbunden sein? Hier rächt sich die Natur,
dass man in den letzten Jahrzehnten
so gut wie nichts für den Küstenschutz
und auch nichts zur Erhaltung der Graben-
und Drainagesysteme im Wald und
den Feldern getan hat! Das alles so zu
sehen, tut schon sehr weh!
Zwar gibt es immer wieder große Pläne
und manchmal sogar den Beginn der
„Planausführung“, doch leider bleibt es
meist schon dabei. Es gibt jetzt sogar in
Königsberg eine Gebietsbeauftragte, die
sich mit der Restaurierung eines Teils von
Selenogradsk befasst und das alte
„Cranzer Ortsbild“ wiederherstellen soll.
Dazu benötigt sie natürlich alte Unterlagen
und Angaben. Wir haben anlässlich
eines weiteren Lichtbildervortrages über
Cranz im Museum mit ihr gesprochen und
sie bat uns um Unterstützung. Deshalb
bitte ich zunächst einmal um Angaben,
möglichst Fotos mit einer Beschreibung
der Farben (falls vorhanden Farbbilder)
der Häuser an der Königsberger Straße.
Wer kann etwas über die Kanalisation aussagen,
auch wenn es nur über Teilstücke
ist?
Wer kann mir außerdem etwas zu folgenden
Dingen sagen:
- eine runde Blechmarke mit der Prägeschrift:
„Ernst Braun 1 Cranz“
(Schlüsselanhänger oder Garderobenanhänger?)
- eine runde Blechmarke mit Prägeschrift:
„50“ (war das eine Pfand- oder
Wertmarke?)
- wer kennt/kannte einen Tischler/Stellmacher/Drechsler
mit den Initialen:
F.Z. ?
- wer kann mir sagen, zu welcher Zeit
und wo die Mineralwasserfabrik Hans
Yodies gestanden hat? War das ein Vorgänger
der Fabrik Emil Krause und
stand an der Chaussee nach Königsberg
in der Nähe Schlachthof? War der Besitzer
identisch mit dem Inhaber der
Pension Königsberger Str. 459?
ln der Zeitung „Wolna“ (Welle) in
Selenogradsk wurde übrigens berichtet,
dass im „Dendro-Park“ (Schlosspark)
Bledau viele der dort von dem ehemaligen
Schlossherrn von Batocki angepflanzten
Bäume und Pflanzen aus 80
Ländern nach und nach unerlaubt abgeholzt
wurden und werden, so gehen sehr
seltene Arten für immer verloren. Bisher
kamen hin und wieder Biologen, um
Samen für die Fortpflanzung zu holen.
Allerdings gehen auch viele Bäume, u.a.
die letzten Rotbuchen sowie Sträucher
durch den versumpfenden Boden ein,
weil die Wurzeln abfaulen.
In der Zeitung sind neuerdings auch
schon einige zarte „Kritikansätze“ über
den Zustand des Strandes und der Promenade
sowie die Sauberkeit der Stadt
zu lesen. Obwohl als Entschuldigung
immer das fehlende Geld angeführt wird,
erwecken diese Berichte in mir doch
wieder ein ganz klein wenig Hoffnung.
Vielleicht wird irgendwann doch die Einsicht
obsiegen, dass ein See-Kurort ohne
Strand keine Kurgäste anlocken wird.
Vielleicht kann so ein Sterben unserer
20
ehemaligen „Perle aller Ostseebäder“
doch noch verhindert werden!
Ich hoffe doch, dass mein nächster
Report aus Cranz/Selenogradsk wieder
etwas zuversichtlicher ausfallen wird und
ich schon über kleine „Teilerfolge“ berichten
kann.
In diesem Sinne grüße ich Sie mit
herzlichen Flunder Grüßen
Ihr Klaus A. Lunau
Bahnhofstr. 14
30853 Langenhagen
Tel. 0511 - 773407
Qrabräuber im Samland
Jedem
halbwegs gebildeten Menschen
ist bekannt, dass durch die Aussagekraft
von Grabstellen aus der Frühzeit
Erkenntnisse über das Leben unserer
Vorfahren zu gewinnen sind, die durch
keine schriftlichen oder sonstigen Aufzeichnungen
überliefert wurden. Nicht
nur für uns ehemalige Bewohner haben
die großen Gräberfelder an der „Bernsteinküste“
des Samlands westlich und
südwestlich von Cranz große geschichtliche
Bedeutung. Hier liegen so viele
bisher noch nicht ausgewertete vorgeschichtliche
„Totengrüfte“ - Hügelgräber,
die als Nachahmung eines Gottesgeschenks4,
den Sanddünen - errichtet wurden.
Nirgends in Europa liegen so viele
„archäologische Denkmäler“ auf so engem
Raum wie hier in der Küstenregion
des Samlandes. Zwar wurde bereits zur
deutschen Zeit mit Ausgrabungen und
Registrierung begonnen, doch stand man
erst am Anfang und hatte nicht genug Personal
und Geld für eine umfassende Ausgrabungstätigkeit.
(Siehe hierzu auch den
Leserbrief auf S. 78) Auch wurde den
Anfängen in dieser Disziplin noch nicht
die Bedeutung beigemessen, wie es heute
der Fall ist. In Kriegszeiten wurden
die Arbeiten schließlich ganz eingestellt.
Die Ausgrabungsergebnisse konnte man
seinerzeit im Pruzzia-Museum in Königsberg
betrachten.
Zwar gab es auch damals schon „Grabräuber“,
die auf der Suche nach Wertgegenständen
die alten Grabanlagen zerstörten,
doch hielt sich der von ihnen
verursachte Schaden in Grenzen. Bedeutend
größer waren die Zerstörungen, die
- oft unwissentlich - durch Ackerbau und
vor allem durch das Anlegen von Sandgruben
z.B. durch ein Bauunternehmen
in Neukuhren angerichtet wurden. Hier
gingen unersetzbare Zeugen der Geschichte
für die Nachwelt verloren.
Leider wurde nach dem Kriege von
den neuen Bewohnern unseres Heimatgebietes
die Tradition der Zerstörung
nicht nur fortgesetzt, sondern sogar noch
intensiviert. Die uralten Grabhügel wurden
z.T. zu „Datscha-Grundstücken“ umfunktioniert.
So sind z.B. im gesamten
Gebiet zwischen Garbseiden und dem
Westrand von Neukuhren, das zu Urzeiten
als „verbotene bzw. heilige Erde“
galt, fast alle alten Kulturdenkmäler zerstört.
Auch wurden neue Sandgruben wie
z.B. am „Berg der Riesen“ (Vormals 21