Full text : Unser Schönes Samland

Zufluchtsstätte. Das Haus lag etwas
außerhalb von Rudau am Fußweg nach
Maldeiten und gehörte früher einer Familie
 Karlsen oder Carlson. Es wird berichtet,
 dass sich Borowski zeitweise ein
Zubrot im Gemeindebüro von Rudau
verdiente.

Ortspfarrer Hans Tolkiehn berichtet
über einen Besuch beim „roten
Borowski“
„Ich machte, gemeinsam mit meiner Frau
Gemeindebesuche, nicht nur bei den
Großagrariern, sondern auch bei dem sogenannten
 kleinen Mann. So kamen wir
auch zu dem „roten Borowski“, einem
alten Königsberger Stadtrat (Sozialdemokrat),
 der ein Hausgrundstück am
Nordufer des Mühlenteiches hatte, wo der
Landweg nach Maldaiten abzweigte. Die
Nazis hatten ihn 1933 abgesetzt und er
lebte nun ganz zurückgezogen, um nicht
zu sagen gemieden, mit seiner Frau auf
diesem kleinen Grundbesitz in einem netten
 Hause am Seeufer. Einst hatte er es
wohl als seine Sommervilla für schöne
Urlaubstage errichtet und seine Freude
an dem großen, gepflegten Hausgarten
gehabt; zu meiner Zeit lebte er von dem,
was er durch Gartenarbeit erwirtschaftete
 und von einem Hungerlohn, den er als
Schreiber auf dem Gemeindebüro erdiente.
 Borowskis machten uns einen Gegenbesuch
 und begutachteten unsere
Gemüsekulturen im Pfarrgarten. Weltanschaulich
 waren wir sehr verschieden,
aber in der Ablehnung unsrer derzeitigen
 Regierung stimmten wir überein,
dachten an die Zeiten zurück, als man in
Deutschland noch unangefeindet seines
Glaubens oder seiner politischen Überzeugung
 leben konnte.“

Den NS-Staat hatte Albert Borowski
verhältnismäßig unbeschadet trotz seiner
eindeutigen politischen Gegnerschaft
überlebt. Die einrückenden „Befreier“

töteten ihn.

Klaus Schulz-Sandhof
29490 Drethem
An der Elbe 4-6
Ruf: 05858 -332.

Dank an Quellen und Archive:

- Archiv der Kreisgemeinschaft Fischhausen,

25407 Pinneberg
- Archiv der sozialen Demokratie / Friedrich

Ebert Stiftung, 53170 Bonn
- Bundesarchiv, Zentrales Lastenausgleichsarchiv

 Bayreuth, 95445 Bayreuth
- Deutsche Bibliothek Leipzig, 04103 Leipzig
- Familienarchiv Pfarrer Tolkiehn, 37603

Holzminden
- Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz,

 14195 Berlin - Dahlem

- Privatarchiv Charlotte Schramme, 44141

Dortmund: Bildmaterial Borowski.

Anmerkungen:

1 Elsa Kolb war von 1932 bis Januar 1945 Angestellte

 in der Mühle Schadwinkel in Rudau

und hat als eine der ersten entsprechende Nachrichten

 zuverlässig gesammelt und der Kreisgemeinschaft

 Fischhausen mitgeteilt.

2 Christel Rhauda, geb. Schneider, früher Rudau.

erinnert sich als Kind an Albert Borowski als

den „Weihnachtsmann“.

3 Gause, Fritz: Die Geschichte der Stadt Königsberg,

 Band II, Köln 1986, S. 36.

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Liebe Cranzer

und liebe Landsleute aus den Nachbargemeinden!

Meine Hoffnung, einen
Nachfolger für meine
Aufgaben als Ortsvertreter
 für die Cranzer
Heimatgemeinschaft zu
finden, hat sich leider
ein zweites Mal zerschlagen. Aufgrund
meines angeschlagenen Gesundheitszustandes
 hält es mein Arzt für zwingend
notwendig, meine ehrenamtliche Tätigkeit
 kurzfristig in jüngere Hände zu legen.
 Wer ist bereit, Frau oder Mann,
meine Nachfolge anzutreten und damit
den Zusammenhalt unserer Heimatgruppe
 weiterhin zu erhalten? Gern nehme
 ich auch Hinweise auf geeignete und
übemahmewillige Personen entgegen.
Die Aufgaben des Ortsvertreters bestehen
 darin, als Ansprechpartner aller
Cranzer und aller Landsleute der Nachbargemeinden
 zu wirken, die Verbindung
zwischen dem Vorstand der Kreisgemeinschaft
 Fischhausen e.V. und der
Heimatgemeinschaft herzustellen bzw. zu
halten und im besonderen die Kartei der

Cranzer zu führen. Weiterhin fällt gelegentliche
 Korrespondenz an.
Die Betreuung der von mir zusammengetragenen
 Fotosammlung fällt nicht in
den Aufgabenbereich des Orts Vertreters.
Ausreichendes Bildmaterial über Cranz
und andere Unterlagen sowie eine nicht
zu magere Portokasse werde ich meiner
Nachfolgerin oder meinem Nachfolger
jedoch übergeben.
Im Zusammenhang mit meiner Suche
nach einem Nachfolger hat sich hinsichtlich
 der Geburtstagsliste ein Wechsel ergeben.
 Die bisher von Bruno Radtke geführte
 Geburtstagsliste hat er aus Altersgründen
 Ende Februar an unseren Cranzer
 Landsmann Erich Schlothauer übergeben.
 Dieser ist am 2. Juni 1934 in
Königsberg geboren, er wohnte in Cranz,
Seestraße 13 und ist jetzt in der Bremer
Straße 9 in 34399 Oberweser wohnhaft,
fernmündlich über 05574/999996 zu erreichen.
 Ich danke Erich Schlothauer für
seine Bereitschaft, einen Teil seiner Freizeit
 dem Wohl der Cranzer zu opfern und

wünsche ihm für seine
Arbeit gutes Gelingen.
Bruno Radtke führte
die Geburtstagsliste seit
Oktober 1987 und weist
während einer kurzen
Übergangszeit seinen
Nachfolger in die kleinen
Geheimnisse und Tücken
der übernommenen Arbeit
 ein. Wir Cranzer sind
Bruno Radtke für seine
selbstlose Arbeit zu großem
 Dank verpflichtet,
den ich ihm hiermit in
Ihrem Namen ausspreche
Cranz; Fischerplatz Ost, aufgenommen vor der zerstörerischen Sturmflut von 1899.
Die Fischersiedlung „Klein Berlin" wurde dabei zerstört. 17