Full text : Unser Schönes Samland

würden sie noch bereisen. Aber eines

wußten sie nun: Die Welt war untergegangen
 in Gewalt und Lieblosigkeit.

Sing, sing, was geschah; keiner ward

mehr gesehn.
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(Die geschichtlichen Fakten ermittelte

 Dr. Manfred Klein aus Uggehnen,

jetzt Halle a.d.Saale. Edgar Schumacher

 aus Powayen, jetzt Ribnitz-Damgarten,

 zeichnete das Gutshaus

Fischer/von Ludwig so wie es bis zum

26. Januar 1945 dastand. Den Text
schrieb Waltraut Strittmatter, geb.

Apitz aus Aweyken, jetzt: Am

Wohrenberg 24, 88718 Daisendorf am

Bodensee. Sie war am 26. Januar 1945

neuneinhalb Jahre alt.)

Zwei alte Freundinnen aus Bludau

Am 89. Geburtstag meiner
 Mutter, am 5. August
2000, gehörte auch Mutters
 Schulfreundin, Frau
Ella Broer, zu den Gästen.
Bereits im Samlandbrief
 Folge 82, erschien
ein Klassenfoto der
Volksschule Fischhausen
mit Lehrer Fritz Knapp
aus dem Jahre 1922 oder
23, das genaue Datum
wußte Mutter nicht mehr.
Das Bild hat die Flucht
mitgemacht und gehört zu
unseren geretteten Schäzen.
 Auf der Suche nach
meinen Wurzeln fiel mir
1983 Mutters Klassenfoto
in die Hände. “Wer sind
sie alle?” Auf diese Frage konnte
Mutter fast alle Namen nennen und
eine Menge Erinnerungen dazu. Auf
die folgende Frage: “Wo sind sie alle?”
folgte die Veröffentlichung im
Samlandbrief. Lebenszeichen gaben
ein Mitschüler und Ella Broer, geb.
Büchner. Briefe gingen hin und her
und später folgten Besuche. An
Mutters 89. Geburtstag lernten meine

Geschwister und ich endlich “die kleine
 Ella” kennen. Es war ein herrlicher,
unvergeßlicher Tag. Sehr rege und aufgeschlossen
 erzählten die beiden Damen
 aus ihrer Kinder- und Jugendzeit
in Fischhausen, Königsberg und
Umgebung. Wir hörten mit langen
Ohren zu, stellten immer wieder
Fragen und erfuhren viel über das
Leben im Samland zu Beginn des letz­54



ten Jahrhunderts bis 1945. Aus
Mutters Kindheit und Jugend wußten
wir viel, bestimmt nicht alles. Ellas
Lebensweg war ähnlich verlaufen.
Viele Erlebnisse brachten uns zum

Felder, die Fischer, ihre Häuser und
die Dörfer. Aus den Gedanken an die
Vergangenheit aufgeschreckt, bot sich
leider überall die heutige Realität.
Geblieben sind die Störche, schöne

Volksschule Fischhausen mit Lehrer Knapp im Sommer 1922 oder 23 (!)
I . Reihe 1 .v.r.mnsere Mutter Leonida Lutz, geb. Frank und 3.v.r. Ella Broer, geb. Büchner.

Lachen, viele ernste Begebenheiten
machten uns nachdenklich, und ich
meine sie war schon damals ganz
schön emanzipiert. Unsere “Zeitreise
nach damals” mit den beiden geistig
regen und schlagfertigen Damen wird
allen Gästen unvergeßlich bleiben.
Wenn ich in den letzten Jahren
kreuz und quer durch unser schönes
Samland fuhr, habe ich an einigen
Orten, die ich aus den Erzählungen
der Eltern kannte, im Geiste immer
wieder unsere Eltern als Kinder und
Jugendliche gesehen. Ich glaubte ihre
Stimmen zu hören, sah die wogenden

alte Alleen, die Lupinen, und neben
wenigen eigenen Erinnerungen die
Erinnerungen der Eltern. Wir Kinder
von damals sind dankbar für jede
Stunde mit unseren Eltern, die unser
Geburtsland in Erzählungen für uns
erhalten. Und darum, liebe Frau Ella,
herzlichen Dank für Ihren Besuch! Wir
hoffen, Sie zum 90. Geburtstag unserer
Mutter wieder begrüßen zu können.
Dies wünschen sich “Leas Kinder”.

Erika Wetzel, Am Schafkamp 3,
27711 Osterholz-Sch.,
Telefon: 04791 - 57290

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