Full text : Unser Schönes Samland

Spoaßverjneeje öm Winter

M & b ^ M

Jetz fangt ätt all mött Schniee an -
wat wear dat scheen to Hus,
wie toge ons de Schlorre an
on schorrde varem Hus.

De Schlade kreech e niee Strock,
de Kufe were blank,
de Hanske frag möt Sölwerblöck:
wo geiht de Schhleedboahn lang?

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Nu keem de Buer Frötz vabie,
dat weer e gooder Mann,
da bommeld wi, als he nich seech,
de Schlädkes hinde an.

Doch als wi ut dem Derp herut
leet he sien Pitschke knalle,
de Peerdkes schloage hinde ut
wi moßde runderfalle.

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De Mudder bund de Schals torecht
tooch Pudelmötzkes äwer,
on putzd dem Kleenste noch de Näs,
nich bloß vom Schneegesteewer.

Nu moakd man, dat ju ruter koamt,
de Doagkes sönd man koart,
on goaht mi joa nich äwrem Diek,
dat Ies ös noch nich hart.

Kopp äwer Nasch leej wie öm Schnee,.
de Buer huckd on lachd,
wie sprunge op on rende noa,
wat hätt dat Spoaß gemachd!

Eva Pultke-Sradnick

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Wenn ich so an mein' Heimat denke

-

Wenn ich an meine Heimatstadt
Pillau denke, kommen mir keine
großen, hehren Gedanken.
Sondern als erste Bilder entstehen
neben dem Kurfürst und dem Leuchtturm
 Bilder des Hotels meiner
Großeltern am Kurfürstenbohlwerk -
„Hotel und Konditorei Emst Petscheleit“.

Wenn es auf Weihnachten zugeht,
erinnere ich mich an dieses Bild. Es
erinnert mich an das erste Weihnachtsfest,
 das in meiner Erinnerung
unvergessen bleibt. Meine Großeltern
luden in den Weihnachtstagen immer
alle Mitarbeiter/Innen zu einem
Abendessen ein. Es gab - so weit ich

weiß - immer Kartoffeln, Sauerkraut
und Würstchen. Diese Tradition hielt
auch meine Familie nach der Flucht

Das Innere der Konditorei Petscheleit

(Foto: Privat)

WtÊÊHttÊÊKtKS^SKHtttÊÊÊÊÊSKÊKÊtKÊÊM

durch, wenn es auch manchmal für
Mutter schwer war.
In dem abgebildeten Raum war eine
lange Tafel gedeckt, die durch den
ganzen Saal reichte.
An diesem langen Tisch saß das
Personal und die Familie. An der
Stirnseite natürlich der Chef und die
Chefin. Wir Kinder wurden zwischen
das Personal gesetzt. Ich hatte das
Glück, neben unserem Konditormeister
 zu sitzen. Ich meine, er hieß
Bartsch oder so ähnlich. Wie viele und
welche Reden gehalten wurden, weiß
ich natürlich heute nicht mehr. Ich
weiß nur, dass dann das Essen kam.
Große Schüsseln mit Kartoffeln, große
Schüsseln Sauerkraut und das
Wichtigste: große Terrinen mit leckeren,
 schlanken Wiener Würstchen.
Die Terrinen waren weiß und hatten an
den Seiten zwei Löwenköpfe zum
Anfassen.
Wir ließen es uns alle schmecken,
auch ich. Am meisten hatten es mir
die Würstchen angetan, die Kartoffeln
und das Sauerkraut waren eigentlich
unnötige Beigaben. Das fiel auch meiner
 lieben, aber sehr gestrengen Großmutter
 auf, und sie warf mir mehrmals
einen sehr tadelnden, ja fast missbilligenden
 Blick zu. Mein Tischnachbar,
der Konditormeis'ter bemerkte es
auch, und wahrscheinlich auch meine
Bekümmertheit. Er sagte: „Ernst,
unter den Tisch!“ Und ich gehorchte
und kroch unter den schönen, weißgedeckten
 Tisch. Der Konditormeister
nahm eine Terrine mit Würstchen, fasste
 sie an den Löwenköpfen und stell­Hotel

 und Konditorei, Inh,tin

Qäste vor dem Hotel und Konditorei Emst
Petscheleit am Kurfürstenbollwerk
(Foto: Privat)

te sie mir unter den Tisch.
Dort konnte ich nun nach Herzenslust
 Würstchen essen. Die Kartoffeln
und das Sauerkraut blieben auf dem
Tisch. Ich glaube, meine Großmutter
konnte nur nicht schimpfen, weil ja
das ganze Personal anwesend war.
Und ein Enkelkind vom Chef kann
man doch nicht vor dem Personal ausschimpfen.

Auf jeden Fall rührt meine Liebe zu
„Heißen Würstchen“ von diesem
Weihnachtsfest her. Und irgendwann
werde ich wohl auch noch eine solche
alte Terrine mit Löwenköpfen erstehen
 können.

Emst Petscheleit,
Pastor i. R.
29451 Dannenberg / Elbe
Magdeburger Str. 2 Epetscheleit@T-Online.de