Full text : Unser Schönes Samland

für Archäologie in Moskau, der die
Ausgrabungen im Raum Cranz/Selenogradsk
 leitet, erfuhren wir, dass
neueste Ausgrabungen zu Erkenntnissen
 geführt haben, die viele bisherige
 Annahmen revidiert werden müssen.
 Ging man bisher davon aus, im
Raum um Cranz hätten erst zur
Ordenszeit die ersten Menschen gesiedelt
 (Krantz-Krug oder Kranz-Krug),
so weisen Grabinhalte und andere
Funde darauf hin, daß vermutlich
schon vor etwa 8000 Jahren Menschen
in diesem Raum gelebt haben.

Auch Teile von Befestigungsanlagen
etc. konnten ausgegraben werden. Im
nächsten „Report aus Cranz“ werde
ich sicher schon Einzelheiten berichten
 können Für heute soll es genug
sein. Ich wünsche allen Lesern - auch
im Namen meiner Frau - ein geruhsames
 Weihnachtsfest und einen guten
Rutsch ins neue Jahr.
Mit den besten Flundergrüßen
Ihr Klaus A. Lunau
Bahnhofstr. 14, 30853 Langenhagen
Tel. 0511-773407 Fax 0511-768484
E-Mail KALUN@t-online.de

Frische Haff mit markanten Küstenlinien
 und weißen Stränden zeigt an,
daß unser Ziel gleich erreicht ist. Mit
einer Schleife über dem Kurischen
Haff senkt sich die Maschine und landet
 wenig später wohlbehalten auf
dem „International-Airport of Kaliningrad“.

Ungewollt machen sich gemischte
Gefühle breit. Wo bin ich eigentlich?
Bin ich in Rußland, bin ich in einem
vergessenen Teil der Sowjetunion oder
bin ich in einem alten Teil von
Deutschland? Ich kann schon jetzt
vorwegnehmen, dass die „Gefühlsnadel“
 in den kommenden 7 Tagen
immer wieder in alle drei der genannten
 Richtungen ausschlagen wird.
Mit einem modernen Reisebus geht
es weiter nach Selenogradsk/Cranz.
Schon auf der kurzen Fahrt dorthin
werden von vielen Mitreisenden
begeistert alte Dorfnamen, Straßenkreuzungen
 und markante Landschaftspunkte
 erkannt und benannt.
Wehmut, aber auch eine besondere Art
von Glückseligkeit leuchten in vielen
Augen, alte Geschichten werden hervor
 gekramt und bis zum Ende der
gemeinsamen Reise immer wieder mit
Leidenschaft erzählt. Das macht für
mich natürlich den besonderen Reiz
der Reise aus. Mit meinen „zarten“ 46
Jahren kenne ich die Vergangenheit
Ostpreußens nur in Bruchstücken. Wie
in einer gut sortierten Bücherei waren
die Berichte meiner Reisegruppe
„Bücher“ für mich. Da gab es
Abenteuerromane, Heimatgeschichten,
 Landschafts- und Naturbeschreibungen

 und natürlich immer wieder
erschreckende Familiendramen.
Aber der Reihe nach. Die Straße
nach Cranz präsentiert sich in einem
ausgesprochen guten Zustand und
nach kurzer Fahrt passieren wir die
Stadtgrenze. Ab jetzt geht es im
Schritttempo weiter und man wünscht
unserem Bus einen Geländegang, wie
ihn Off-Road-Fahrzeuge haben.
Aber nicht nur die Straßen, sondern
eigentlich ganz Cranz macht auf den
ersten Blick einen vernachlässigten
Eindruck. Später wird sich heraussteilen,
 daß ein „zartes Pflänzchen des
Neubeginns“ sprießt und in einigen
Bereichen der Stadtentwicklung Fortschritte
 zu erkennen sind.
Unser Hotel „Baltische Krone“ entspricht
 durchaus europäischem Standard,
 selbstverständlich auch die
Preise. Wir fühlen uns hier gut aufgehoben
 und werden vom Hotelpersonal
liebenswürdig verwöhnt. Die Arbeitszeit
 des Personals beträgt in der
Saison pro Tag übrigens 16 Stunden,
bei einem Monatsverdienst von ca.
150,- DM. Es verwundert nicht, dass
das Hotel einer Moskauer Bank
gehört; satte Profite gehören zu jedem
guten Bankgeschäft.
An den folgenden Tagen unternehmen
 wir eine Vielzahl von Ausflügen,
Besichtigungen, Strandwanderungen
usw. An dieser Stelle wird es nun
höchste Zeit, unsere Reiseleitung
gebührend vorzustellen: Ich darf es
sicher als eine Fügung das Schicksals
bezeichnen, daß unsere beiden Reiseführer
 seit einigen Jahren ein glückli-Eine

 Zeitreise in die Vergangenheit .....■-!

Es ist bereits 16.20 Uhr, verschwitzt
und nervös warten wir auf das erlösende
 Aufheulen der Düsentriebwerke.
 Unsere Aeroflot-Maschine ist
auch nach mehr als 30 Minuten
Verspätung noch nicht klar zum
Abflug. Wir, das ist eine deutsche Reisegruppe,
 bestehend aus ehemaligen
Cranzern mit ihren Ehepartnern, zum
größten Teil Schüler einer gemeinsamen
 Klasse sowie meiner Person.
Meine Mutter gehört zu dieser „Schülergruppe“
 und möchte mir ihre alte
Heimat zeigen.
Die Besatzung unserer Maschine
läuft geschäftig durch die Gänge und
die beiden Sicherheitsbeamten verstauen
 professionell und mit viel
Sorgfalt große Einkaufstüten aus dem
Duty-Free-Shop in den Gepäckablagen,
 lustig klappern darin dickbauchige
 Flaschen mit hochprozentigem

Inhalt. Unser Flugzeug vom Typ TU
134 verbreitet den zweifelhaften
Charme der sowjetischen 70er Jahre
und da es bis zum Abflug noch etwas
dauern wird, habe ich genug Zeit meinen
 Gedanken nachzuhängen. Unser
Reiseziel ist also Ostpreußen, speziell
Cranz.
Bereits meine Großmutter hat mir in
meiner Kindheit viel von ihrer schönen
 und geliebten Heimat erzählt.
Lebhafte Berichte meiner Mutter,
ergänzt durch viele gerettete Bilder
aus ihrer Kindheit, haben mein Interesse
 an diesem Flecken Erde geweckt
 und mich durchaus neugierig
gemacht. Nun ist soweit. Die Turbinen
 heulen auf und wenig später liegt
der Flughafen von Hannover unter
uns. Bei herrlichem Flugwetter passieren
 wir die Oder und nähern uns
unaufhaltsam unserem Reiseziel. Das