entlang zieht sich ein schöner von litauischen
Sagen umwobener Kiefernwald.
Zu empfehlen ist auch der
Besuch des Mündungsgebietes der
Memel - ein unvergeßliches Bild.
Für mich ist mit dieser Landschaft
eine persönliche Erinnerung verbunden.
Ich war dort im vergangenen
Sommer mit Dieter Rossius. Er ist der
jüngste Sohn der Familie, der das Flaus
gehörte, in dem ich jetzt mit meiner
Familie wohne.
Die erste Begegnung mit den
Geschwistern Rossius ereignete sich
1994.
Meine Frau und ich hatten uns
schon oft gefragt, ob wir die früheren
Bewohner unserer jetzigen Behausung
einmal sehen würden und die Hoffnung
darauf fast schon aufgegeben. Da
kamen sie eines Tages gleich zu viert,
die Kinder des damals schon verstorbenen
Ehepaares Rossius. Ihre Tante,
Charlotte Neumann aus Sorgenau war
auch dabei. Bei uns fanden alle Platz
und so wohnten eine Woche lang drei
Brüder und eine Schwester in ihrem
Elternhaus zusammen mit ihrer Tante.
Während dieser Zeit passierte eine
lustige Geschichte. Alle unternahmen
mit besonderer Freude Spaziergänge
am Strand und auf den „Seebergen“.
Eines schönen Nachmittags hatten
sich Frau Neumann und Gerd, der älteste
ihrer Neffen, zu einem Spaziergang
zum „Seeberg“ verabredet. Gerd
ging voraus, Tante Lotte etwas später
hinterher, war aber nach kurzer Zeit
ohne ihren Neffen wieder zurück.
„Warum?“ wollte man wissen. „Ach, da
lag ein Betrunkener im Gras und ich
hatte Angst er könnte mich belästigen!“.
Als eine Weile später Gerd
zurückkehrte stellte sich heraus, daß er
der „Betrunkene“ gewesen war und im
Grase liegend auf seine Tante gewartet
hatte. Wir haben uns darüber alle sehr
amüsiert und die ganze Geschichte
bekam den Titel „Schreck vom
Seeberg“.
Die Kontakte zur Familie Rossius
haben sich im Verlauf zu vertrauten
freundschaftlichen Beziehungen entwickelt.
Wenn ich im Winter auf
Einladung von Freunden und Bekannten
in Deutschland bin, besuche
ich auch jedes Mal jemand aus der
Familie Rossius in Heidelberg, in
Kassel oder in Wolfsburg.
Freunde und Bekannte haben mir
schon seit Jahren solche Deutschlandreisen
ermöglicht, auf die ich
gerne eines oder zwei meiner Kinder
mitnehme. Wenn es möglich ist begleitet
mich auch meine Frau. Inzwischen
ist uns Deutschland vertraut geworden.
Wir finden uns gut zurecht und es
macht Spaß durch diese schöne und
interessante Land zu reisen. Das war
anfangs nicht so. Ich glaube, daß jeder,
der aus Rußland zum ersten Mal in
diese vollkommen andere Welt gerät,
stark beeindruckt oder sogar etwas geschockt
ist. Meine Frau Ljudmila und
ich bildeten hier keine Ausnahme. Als
wir erstmals 1993 auf Einladung von
DNV-Tours in Deutschland waren,
trauten wir uns kaum alleine aus dem
Gasthaus in dem wir wohnten.
Inzwischen aber hat ein großer Teil
der russischen Bevölkerung des heutigen
Ostpreußens infolge zahlreicher
68
wmtmm
menschlicher Beziehungen die Möglichkeit
nach Deutschland zu kommen
und die dortigen Verhältnisse kennenzulernen.
Umgekehrt kommen immer
wieder Deutsche nach Ostpreußen. So
besuchte im Juli 2000 eine kleine
Gruppe von alten Palmnickern ihre
Heimat. Der Palmnicker orthodoxe
Kirchenchor gab für sie ein Konzert
mit russischen Kirchengesängen, deutschen
Chorälen und russischen Volksliedern.
Dem folgte ein aufgeschlossenes,
langes Beisammensein, dem sich
auch andere zur gleichen Zeit in Palmnicken
aufhaltende deutsche Touristen
und russische Ortsansässige anschlossen.
Auch war wieder eine von Frau
Bartsch geleitete Reisegruppe bei uns.
Frau Bartsch gibt im Rahmen er
Kulturgemeinde Kelkheim Goldschmiede-Hobbykurse
und brachte
auch einige ihrer Kursteilnehmer mit.
Großes Interesse fand in dieser
Gruppe die Möglichkeit, in der kleinen
Bernsteinschleiferei „Rossjantar“
Rohbernstein selbst zu bearbeiten und
in die gewünschte Form zu bringen.
Daneben gab es Strandwanderungen
und Fahrradausflüge.
Das sind kleine Schritte auf dem sicher
noch langen Weg, Palmnicken
wieder zu einem für deutsche
Touristen attraktiven Ferien- und
Badeort zu machen.
Deutsche Reisegruppen in
Ostpreußen, Besuche Deutschlands
durch die jetzigen Bewohner Ostpreußens,
all das bringt das Königsberger
Gebiet immer näher zu dem
Land, zu dem es einst gehörte. Diese
Entwicklung sollte jeder vernünftige
Mensch begrüßen.
Jewgenij W. Snegowskij,
ul. Lesnaja 20,
238580 Jantarnyj (Palmnicken),
Kaliningrader Oblast
Ostpreußische Mundart - wer kennt sie noch? ——
Auf meine Veröffentlichung von ca.
180 „Vokabeln“ erhielt ich neben telefonischen
Anrufen auch solche per
Zuschrift. Bei den ersten Briefschreibern
bedankte ich mich noch
schriftlich. Als jedoch die Post mir
auch noch nach Wochen Zuschriften
brachte, kapitulierte ich. So möchte ich
den vielen Briefeschreibern auf diesem
Wege ganz herzlich danken.
Die Anregungen ließen meinen
„Vokabelschatz“ auf über vierhundert
hochschnellen. Doch dann gelangte
ich zufällig in den Besitz des Buches
„So schabberten wir tohus“ von R.K.
Becker, verlegt bei Rautenberg, Leer.
Dadurch erhielt mein Vorhaben einen
Motivationsknick. Denn ich beabsichtigte,
die gesamte mir vorliegende
Zusammenstellung mit Erläuterungen
(Übersetzungen) zu versehen und den
Lesern des Samlandbriefes anzubieten.
Nun jedoch ergänze ich die erste
Zusammenstellung lediglich, um die