Paradowski nahm zeitlebens kein Blatt vor den Mund und
vertrat seine Meinung gegen alle Widerstände und auch gegen
jegliche höhere Autorität. Er fühlte sich nur seinem Glauben
verpflichtet, und dafür liebte und fürchtete ihn seine Gemeinde.
Auch als sein Kirchspiel 1939 wieder unter deutsche Herrschaft
kam, nahm er keinerlei Rücksicht. Er verbot den Lupitzer
Verwandten seiner Haushälterin den Zutritt zur Propstei,
weil sie Anhänger dieser gottlosen Nazis waren, die er nicht
ausstehen konnten. Wegen seiner offenen Worte gegen Adolf
Hitler und das NS Regime, verbunden mit der Zuordnung seiner
Person zum Polentum, stand er auch bei der deutschen
Verwaltung auf der Abschußliste. Er wurde verhaftet und
sollte in Wollstein erschossen werden. Dies konnten die von
ihm immer vehement verteidigten Deutschen jedoch verhindern.
Da er bereits ein alter Mann war, der sich zudem um das
Deutschtum im Primenter Land verdient gemacht hatte, ließ
man ihn im Amte. 1942 ist er dann im Alter von 71 Jahren
verstorben. Sein Nachfolger wurde ironischerweise der aus
Baden stammende Richard Platz (*3.7.1872 Freudenberg/ Baden,
geweiht 13.3.1897), der sich mehr als Pole denn als
Deutscher fühlte und 1919 freiwillig in Polen geblieben war.
In dem deutschen Altkloster - so hieß es - hat er sich nie wohl
gefühlt und ging 1947 auf eigenen Wunsch wieder nach
Bukwicz.
Im Nachhinein erfuhr Stanislaw Paradowski doch noch eine
Anerkennung, auch wenn es einige Jahrzehnte dauerte. Einer
seiner polnischen Nachfolger, Zbigniew Gmerek, setzte sich
mit Erfolg dafür ein, daß er auf dem Friedhof in Kaszczor sein
verdientes Ehrengrab erhielt. 20