Full text : Wollsteiner Aufsätze

liebigen Probst los zu werden. Paradowski konnte es sich
von nun ab auch nicht mehr leisten, die Dörfer Lupitze und
Friedendorf zu besuchen, da man ihn nicht wieder nach Polen
zurückgelassen hätte. Und den in Deutschland lebenden verweigerte
 man sonntags die Einreise nach Polen, um in
Kaszczor (Altkloster) die Messe zu besuchen. Dies war für
alle ein unhaltbarer Zustand. Da die deutsche Regierung nicht
gewillt war die Restgebiete der Provinz Posen kirchlich von
Polen aus verwalten zu lassen, wurde einige Jahre später die
Freie Prälatur Schneidemühl geschaffen. Dabei wurde auch
für das Kirchspiel Kaszczor (Altkloster) eine Lösung gefunden.
 Seit 1919 hatte der Probst von Schussenze die beiden zu
Deutschland gehörigen Dörfer seelsorgerisch versorgt. Nun
erhielt Lupitze eine Notlösung, indem man einen Vikar für
dieses Dorf abstellte und später die Pfarrvikarie Lupitze schuf.
1928 wurde dann eine kleine Kirche in Lupitze eingeweiht.
Friedendorf dagegen wurde der Kirche in Lache zugeteilt. Das
Kirchspiel Lache war immer sehr klein gewesen und bestand
nur aus den Dörfern Lache (heute Smieszkowo) und Schäme
(Potrzebowo). Beide Orte blieben laut Versailler Vertrag bei
Deutschland, doch ein halbes Jahr nach Inkrafttreten des Friedensvertrages
 entschloß man sich zu einer kleinen Grenzregulierung.
 Am 17.7.1920 wurde das zur Hälfte polnisch besiedelte
 Potrzebowo (Schäme) zusammen mit dem polnischen Dorf
Wijewo (Weine) gegen die deutschen Orte Röhrsdorf (Ossowa
Sien) und Geyersdorf (Debowa Leka) getauscht. Damit verlor
die Parochie Lache die Hälfte seines Kirchspiels. Als Ausgleich
 dafür wurde ihm später Friedendorf unterstellt. Für
Lupitze kam diese Lösung nicht in Frage, da der Weg zur Kirche
 in Lache sonst zu groß gewesen wäre.

Der Propagandakrieg in Kaszczor (Altkloster) ging unterdessen
 weiter. Mehrfach versuchte man sich des mißliebigen
Pfarrers zu entledigen. Eine aufgehetzte Meute wollte die 18