sehen, weil sie dessen völkerrechtlichen Status akzeptierten.
Viel mehr spielte da der militärische Aspekt eine Rolle, daß
die Aufständischen einfach nicht in der Lage waren diese
Dörfer zu besetzen und gegen den inzwischen aktiv gewordenen
deutschen Grenzschutz zu verteidigen. Die polnischen
Aufständischen waren z.T. nur sehr schlecht ausgestattet und
wenig kampferprobt. Ihnen standen dagegen gut ausgerüstete
und kriegserprobte ehemalige deutsche Soldaten entgegen.
Das Ziel der Aufständischen war es gewesen die Oder als
Grenze des neuen polnischen Staates zu erreichen, doch das
hatte sich als militärisch nicht erreichbar erwiesen.
In Erinnerung des Großpolnischen Aufstandes feierte die Gemeinde
Schwenten - organisiert durch den Pfarrer Hegemann -
jedes Jahr am 9. Juni ein Fest in dem sogenannten
„Historischen Gasthaus“, in dem 1920 die Ententekommission
getagt hatte. In der NS Zeit wurde man in Berlin auf dieses
Ereignis aufmerksam und erwähnte diese deutsche Heldentat
mehrfach in der Presse.3 Der Freistaat Schwenten wurde zu
einem deutschen Heldenmythos hoch stilisiert. In Schwenten
selber bekam man davon zuerst gar nichts mit, wie Zeitzeugen
berichteten. Ein Onkel aus Berlin fragte bei der Familie
Schulz an, was denn dort los sei. Erst nach und nach wirkte
sich die Propaganda auch in Schwenten aus und NS Größen
wie Reichsleiter Robert Ley oder der Innenminister Fritsch
nahmen an der jährlich stattfindenden Feier teil.4 Im Jahr 1940
erschien sogar ein historischer Roman über die Ereignisse der
3 Die entsprechenden Zeitungsartikel auf dem Grünberger Wochenblatt sind in der
Schwentener Kirchenchronik eingeklebt worden.
4 Die erste Schwentener Kirchenchronik, die zeitlich bis ca. 1922 reichte, wurde an
das Geheime Staatsarchiv in Berlin Dahlem überwiesen, das es zuständigkeitshalber
an das Staatsarchiv Breslau überwies, wo die Chronik wahrscheinlich nach dem
Krieg auch verblieben ist. Der Hinweis auf den Verbleib gibt ein Brief, der in der
zweiten Kirchenchronik eingeklebt ist. Diese in den 20er Jahren beginnende Niederschrift
befindet sich heute im Besitz der katholischen Kirche in Ciosaniec
(Schussenze, seit 1937 Ostlinde). 7