Full text : Wollsteiner Aufsätze

gab. Der konfessionelle Unterschied war trennender als der
ethnische, wobei es schwer fällt, eine Person definitiv als
Deutschen oder als Polen auszumachen. Die ethnische Grenze
wurde durch die Gesinnung der Person und durch ihre Sozialisation
 gezogen und weniger durch die „rassische“ Zugehörigkeit.
 Demzufolge war die NS Ideologie in diesem Grenzgebiet
nie anwendbar. Es gab hier in Mauche Polen - bzw. Nachkommen
 von Polen - wie die Familie Zieleszinski, die ursprünglich
 aus dem polnischen Kiebel (Keblowo) stammte,
die sich als Deutsche betrachteten und sich 1942 in „Kräutler“
umbenennen ließen. Andererseits lebten hier „rassische“ Deutsche,
 die sich als Polen fühlten wie die Familien Szenknecht
oder Rademacher. Oftmals ging die ethnisch empfundene
Grenze durch die Familien. So gab es dafür in Mauche zwei
typische Beispiel. Zwei Brüderpaare, von denen sich der eine
als Deutscher fühlte und auch eine deutsche Frau hatte, während
 der andere sich als Pole fühlte und eine Polin heiratete.
Es sind dies die Brüder Stanislaus Schmidt + Jozef Szmitt und
Johann Dombrowski + Jozef Dabrowski ( poln. mit „a“).

Ähnlich kompliziert war die Lage in der Kirchenführung. Im
polnisch besiedelten Kirchspiel Priment (Przemet) war ein
Pole Probst. Im deutschen Altkloster ein polnischstämmiger,
der sich aber als nationaler Deutscher fühlte.Im fast rein
deutsch besiedelten Schussenze war der spätere Dechant
Adalbert Reiche tätig, der erst kurz vor Kriegsbeginn den Bau
einer neobarocken Steinkirche fertiggestellt hatte. 9