Amtsgericht in Pitlau vor dem Krieg
men der Wohnung sah sich die Gruppe
die Exponate an. Als ich meiner Frau und
meinem Freund erklärte, dass wir gerade
in Onkels Schlafzimmer standen, wurde
die Dolmetscherin aufmerksam. So
fiel mir das „Ehrenamt“ zu, die frühere
Einteilung und Nutzung der Räume im
ganzen Hause erläutern zu dürfen. Auf
meine Bitte erreichte es die Dolmetscherin,
dass ich doch noch in meine kleine
Stube hinein durfte. - Auf eine entsprechende
Frage antwortete ich, dass
aber mein Bett, in dem ich damals schlief,
nicht mehr vorhanden sei. Einige Fotos,
ein letzter langer Blick und schon standen
wir wieder auf der Straße.
gungsanlagen nun in beklagenswertem
Zustand waren. Anschließend erklommen
wir an der Anlegestelle mühsam einen
verrosteten Seelenverkäufer, jetzt in
der Funktion einer Fähre, um nach Neutief
übergesetzt zu werden. Bei der
Hafenausfahrt in Richtung Neutief musste
ich an die unglücklichen Flüchtlinge denken,
die in den Januartagen 1945 zu Tausenden
bei klirrendem Frost und
Tieffliegerangrif-fen hier ausharrten, um
sich einen Platz auf einem der Schiffe
zu erkämpfen und ihren „Befreiern“ zu
entkommen. In Neutief durften wir jedoch
nicht an Land und schipperten zur
Anlegestelle in Pillau zurück. Nach einer
Freistunde am Strand war es Zeit zum
Abschiednehmen. Der Bus brachte uns
über Germau und Palmnicken in unser
Hotel nach Rauschen zurück. Für mich
wurde an diesem Tage ein Wunschtraum
wahr, durfte ich doch mein liebes, altes
Pillau, wenn auch an vielen Stellen kaum
noch erkennbar, noch einmal wieder sehen.
Hans-Georg Balzer
Landhausstraße 33
15746 Groß Köris
See für die Ostpreußen versperrt war -
auch für uns. Viel länger als Königsberg
war Pillau eine verbotene Stadt. Was würde
nach 58 Jahren übrig geblieben sein
von den Erinnerungen an diesen Ort meines
Jugendlandes?
Am Besuchstag hielt der Bus am Kontrollpunkt
vor der Seestadt und übernahm
eine lizenzierte russische Stadtführerin.
Der Bus hielt im Stadtzentrum. Von den
schweren Zerstörungen hatten wir gehört.
Ich glaubte zu träumen, sah ich doch das
alte Gerichtsgebäude in gutem baulichen
Zustand vor mir. Und, nicht zu hoffen
gewagt, durfte unsere Gruppe sogar in
das Haus hinein, weil sich dort nun ein
Marine Museum befindet.
Ein paar Stufen hinauf und ich betrat
die frühere Wohnung meiner Verwandten.
Mein Herz schlug auf Hochtouren!
Gleich neben dem Eingang ein neues
Fensterchen zum Flur. Dahinter saßen
zwei Russinnen, die „meine kleine Stube“
als Pförtnerloge benutzten. Einen
Blick hinein verwehrten sie mir zuerst
noch. In den baulich veränderten Räu-Mit
einer Sondergenehmigung besuchten
wir die Zitadelle, deren Befesti-Wo
ist der Friedhof in Qeorgenswalde?
l'1
Amtsgericht im Jahre 2001 Foto: priv.
ach einem Kurzbesuch 1999 in
Kaliningrad hatte ich den
Wunsch, die Menschen näher kennen
zu lernen, die jetzt im ehemaligen
Ostpreußen leben. In Abständen war ich
fast zwei Jahre in der Stadt und in der
Oblast. Durch die Verbindung mit der
Evangelisch-Lutherische Kirche konnte
ich den Gemeindemitgliedem Hilfe zur
Selbsthilfe anbieten. In den Gemeinden
auf den Dörfern habe ich Nähkurse
durchgeführt. Wer sich dabei geschickt
angestellt hatte, bekam eine elektrische
Koffernähmaschine. Es waren wohl 40
Maschinen, die ich mit meinem Pkw aus
I Deutschland hinübergebracht habe. Das
war eine gute Zeit für mich. Über die
Aufgeschlossenheit, die Gastfreundschaft,
die Bescheidenheit und die Zusammengehörigkeit
in den Familien habe ich nur
gestaunt. Ich habe auch für mich sehr viel
an Herzenswärme mitgenommen.
Neben den Aufgaben, die ich dort hatte,
blieb es nicht aus, dass ich mich auch
auf private Spurensuche machte. Ich bin
noch in Königsberg geboren. Meine Eltern
haben mir nicht viel über die verlorene
Heimat erzählt. Der Verlust hat ihnen
zu weh getan. Ich wusste, dass die
Eltern meines Vaters nicht mehr auf die
Flucht gehen konnten. Der Großvater
war zu krank, Großmutter konnte ihn
nicht alleine lassen. Sie erlebten den Einzug
der Russen mit aller Härte. Im Januar
1947 konnte der alte Herr sterben.
Seine Frau folgte ihm in den Tod. Sie
wurden dann zur gleichen Zeit in der
Familiengrabstelle der Familie Schnetka
beigesetzt. Dort lag schon eine Tochter,
die 1936 verstorben war. Nun begann für
mich der spannendste Teil meines Aufenthaltes
in Ostpreußen.
Die Frage war: wo liegt der Friedhof,
finde ich das Grab oder den Grabstein?
Mit Hilfe eines alten Stadtplanes der