Wir hatten in Cranz/ Selenogradsk Glück
und brauchten keine Stromausfalle erleiden.
Auch das Leitungswasser lief immer
- wie üblich - bis Mitternacht. Nur die
neue „Promena-denbeleuchtung“ konnte
z. T. dem Orkan nicht standhalten und
so musste etwa jede zweite Lampe als
„Sturmopfer“ abgeschrieben werden!
Im Ort selbst kämpften die „Wahlplakat-Kleber“
um jeden Zentimeter freie
Wandfläche und auch einige Lautsprecherwagen
sorgten, was ja schon der
Name sagt, für recht laute Musik und
Propagandadurchsagen! Werbezettel und
Wahlzeitungen mit recht amüsanten „Lebensbeichten“
(natürlich der Gegner),
verstopften die Briefkästen. Wenn man
das alles glauben müsste, was da so stand,
dann sollte man schon vom Glauben abfallen!
Schier 15 Kandidaten bewarben
sich darum, den Selenogradskem „ihre
Unterstützung und Verbesserung der
Lebensverhältnisse“ anzubieten. Alle
wollten nur „das Beste“! So kam es dann
- nach einer Stichwahl dazu, dass der
Kandidat, von dem man eigentlich am
wenigsten gehört hatte, als Sieger gekürt
wurde! Ab jetzt heißt der neue Bürgermeister
und Vorsitzende des Rayon Selenogradsk
Valerij Georgijewitsch Gubarow.
Vor der Wahl hatte der alte Bürgermeister
Schegeda noch einige Straßen asphaltieren
lassen - so z. B. die ganze
„Alte Heerstraße“ und einige Querstraßen
in Westende - und auch die Bürgersteige
wurden hier sowie auch auf der
Nordseite der Königsberger Straße neu
angelegt. Es war schon ein ungewohntes
Gefühl, dass ich abends durch diese
Straßen gehen konnte, ohne große Sprünge
über Schlaglöcher oder Kanalschächte
(ohne Deckel) zu machen.
Auch der Bahnhof wurde total überholt!
Das Bahnhofsgebäude wurde renoviert
und neu gestaltet, die Bahnsteige
mit neuem Belag versehen, die Bahnhofsgaststätte
umgebaut. Sehr zum Leidwesen
der Anwohner der Wikingerstraße
und Adolfshöhe wurde ein neuer Zaun
Wahlplakate am Bauzaun - früher Alkoholfreies Speisehaus Foto: K. Lunau
rings um den Bahnhof aufgestellt, der den
bisherigen „Schleichweg“ zu den Bahnsteigen
versperrt. Sogar die Gleis-Endstellen
mit den Rammböcken (wo früher
die Drehscheibe war) wurden neu als
Blumenrabatten gestaltet und zur Straße
hin sogar der Gehweg gepflastert, so dass
der Bahnhofskomplex insgesamt jetzt
einen sehr guten Eindruck
macht. Ganz allgemein
hat sich das Gesicht
unseres Heimatortes
wesentlich verbessert,
wenn auch abseits
des Zentrums noch vieles
im Argen liegt. Hotels,
kleine Restaurants
und Cafés sowie Geschäfte
und Wohnkomplexe
schossen in letzter Zeit
förmlich aus dem Boden.
Die alte Königsberger
Straße bekommt so ganz
allmählich ein ansehnliches
Aussehen. Leider
tut sich an der „Betonade“
(Promenade) immer noch nichts,
d. h. nichts Positives, denn über Negatives
gibt es genug zu berichten! Stand
schon seit dem Sturm, der zeitweise mit
einer Geschwindigkeit von über 100
Stundenkilometer gegen Ende November
über die Küste hereinbrach, das Wasser
der Ostsee fast auf gesamter Breite
an der Promenadenmauer, so spülte das
durch einen Orkan Anfang Januar gegen
die Mauer peitschende Seewasser weite-Iren
Sand fort. Es dürfte nur eine Frage
von Zeit sein, bis die Ufermauer so weit
unterspült ist, dass die ganze Promenade
in sich zusammenbricht! Teilweise ist
schon jetzt ein Teil so unterspült, dass
bereits an mehreren Stellen größere Löcher
in der Decke der „Betonade“, durch
das Absacken des Untergrundes entstanden
sind. In Cranz/Selenogradsk wütete
der Orkan am Wochenende 879. Januar
so stark, wie nie zuvor in den letzten Jahren.
Die Wellen, die gegen die Steilküste
schlugen, hatten eine Höhe von ca. 4
Die Cranzer Promenade im Winter 2004
Foto: K.
Metern und brachen in der Kolonie Westende
große Stücke aus dem Ufer. Die
Gischt setzte natürlich die Promenade
stellenweise unter Wasser. Man kann nur
froh sein, dass die alte Promenadenmauer
noch den massiven Angriffen standhält.
Durch eine von Pastor a. D. Friedrich
Bode (ehemals Dr.-Kessel-Str. 12) gesammelte
Spende konnte ich einen Betrag
an die Grundschule Nr. 2 übergeben,
für den an bedürftige Kinder ein
Vierteljahr lang beim Nachmittagsunterricht
ein warmes Getränk und ein Stückchen
Backwerk ausgegeben werden
konnte. Wenn ich an die strahlenden 59