Full text : Unser Schönes Samland

Sicherlich machten wir das zu Hause
nicht so, das hätten unsere Eltern nicht
geduldet, auch Dannenbergs wussten das,
denn sie kannten die Familie und den
Haushalt bei uns. Sie waren und blieben
gute Freunde meiner Eltern, man traf
sich öfter hier oder dort zum Doppelkopf.

Noch eine Geschichte, die wieder vom
Essen handelt, wird mir nachgesagt. Als
unsere Mutter nach der Geburt unseres
Bruders Hermann im Wochenbett lag,
durfte ich zu ihr gehen. Es war im Haus,
denn mit Ausnahme unserer Schwester
Elisabeth kamen wir alle in der Burg
Schaaken zur Welt. Auf ihrem Nachttisch
stand ein Glasteller mit grünen Trauben
und dicken blutroten Pflaumen. Für meine
 Mutter hatte ich keine Augen und für
den kleinen Bruder noch weniger. Ich sah
wohl nur die schönen Früchte und sagte,
zuerst ganz leise, später vernehmlich: “Ich
weiß gar nicht, wie die schmecken“.
Meine Mutter lachte, gab mir einige
Pflaumen und Trauben in die Hände und
ich verließ glückselig das Schlafzimmer.
Damit verstieß ich nicht einmal gegen
die Regel, dass wir Kinder nicht betteln
durften.
In Erinnerungen kann ich nicht meine
ganze Kindheit chronologisch erzählen,
sondern immer nur Einzelbilder darstellen.
 Aber vielleicht ergibt sich daraus ein
Gesamteindruck.
Die Feste im Jahresablauf spielten in
unserer Familie eine große Rolle. Zu
Ochens Geburtstag im Januar - Ochen wird
gedehnt gesprochen, mit zwei oo sozusagen-
 und war die Abkürzung für die von
uns allen so sehr verehrte Mutter meines
Vaters - versammelten wir Kinder uns
in der Frühe mit unserer Mutter vor
Ochens Schlafzimmer und sangen laut:

„Lobet den Herren, den mächtigen König
 der Ehren - meine geliebete Seele,
das ist sein Begehren ..." usw.

Kam Ostern heran, freuten wir uns,
nahmen frische Birkenzweige und banden
 sie zu Ruten zusammen. Damit haben
 wir auf die Bettdecken unserer Eltern
 gehauen und dabei gerufen:

Schmackoster, Schmackoster,
grün Oster, grün Oster,
fünf Eier, Stück Speck,
sonst gehn wir nicht weg.

Mit süßen Ostereiern oder kleinen
Geldmünzen (Dittchen) wurden wir belohnt,
 dann zogen wir weiter in den anderen
 Flügel des Hauses zu Ochen und
das Spiel begann von neuem. Am Ostersonntag
 fuhren wir gemeinsam zum Gottesdienst
 nach Kirche-Schaaken. Ostereier
 wurden erst am zweiten Feiertag
versteckt und von uns gesucht.
Auch jede Taufe meiner Geschwister
wurde feierlich begangen. Das Billardzimmer,
 der große Raum auf der Nordseite
 der Burg, mit dicken Mauern und
vier Fenstern in den tiefen Nischen war
schön geschmückt. Auf dem Billardtisch
lag Muttis Brautschleier und rings herum
 standen der Pastor, die Eltern, die
Paten und Gäste und natürlich wir Kinder.

Über das Erntefest im Krug bei Wegeners
 und über die Treibjagd in Schaaken
habe ich schon in einem früheren Beitrag
 berichtet (vergl. Samlandbrief Folge
 166).
An Weihnachten kam der Weihnachtsmann
 zu uns in unser Esszimmer, welches
 vor der Bescherung nicht zugänglich
 war, auch die kleine Glasscheibe in
der Tür zum Flur war zugehängt. Vor dem

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Weihnachtsmann, neben dem großen
Tannenbaum haben wir Gedichte aufgesagt
 und mindestens drei Weihnachtslieder
 mit mehreren Strophen wurden gesungen,
 auswendig natürlich. Erst dann
durften wir zu den Geschenken, die unverpackt
 vor dem Baum auf niedrigen
Tischen oder Kisten lagen. Natürlich
habe ich schon beim Singen gespäht, was
dort für mich sein könnte. Lange haben
wir gerätselt, wer wohl der Weihnachtsmann
 - ein großer, stattlicher - sei. Wir
Großen haben es bald herausgefunden:
Es war der Kämmerer, Herr Jurksch, der
etwas später zu unserem Vater ins Herrenzimmer
 kam und eine Zigarre in
Empfang nahm.

Am Sylvesterabend haben wir mit den
Eltern und Ochen lange gespielt, Blei
gießen oder eine Münze aus einer Wasserschüssel
 mit dem Mund einfangen und
dergleichen. Noch einmal wurden die
Kerzen am Weihnachtsbaum angezündet,
wir durften so lange aufbleiben, bis die
letzte Kerze erloschen war. Dann sangen
wir das Lied:

„Nun lasst uns gehen und treten
mit Singen und mit Beten
zum Herrn, der unserm Leben
bis hierher Kraft gegeben

Dietrich Riebensahm
Gothaer Straße 20
34289 Zierenberg

Erinnerungsfoto

Wer erinnert sicht Die Qruppe auf dem Bild sind 1. Clara Palentin, 2. Erna Palentin, 3. Qertrud
Hildebrandt, 4. Qerda Hildebrandt, 5. Fritz Lieb (gefallen), 6. Qerda Priwald, 7. Otto ? -
Alle anderen werden gesucht.
Eingesandt von: Christel Qreier, geb. Hildebrandt aus Sickenhofen bei Medenau.