Full text : Unser Schönes Samland

Emst. Da durften Karabiner und Maschinenpistolen,
 Handgranaten und Panzerfäuste
 geschleppt und gegen Russen eingesetzt
 werden. Eben, es waren Russen,
die Feinde des Großdeutschen Reiches.
Na ja! Heute sollten aber nur Jagdwaffen
 gegen möglichst großes Wild zum
Einsatz kommen, Hans hatte schon einige
 Erfahrung damit, aber ich war völlig
unbeleckt, eben ein Damlack. So tarnen
wir und gehen hinter Deckung auf Ansitz.
 Hans ein paar Schritte vor mir, seitlich
 versetzt. Das war gerade geschehen,
als plötzlich ein Reh aus dem Wald tritt.
Nach allen Seiten wittert und sichert,
doch bevor das abgeschlossen ist, zerreißt
ein scharfer Knall die Abendstille. Das
Reh ist fort. Glück gehabt und kein Weidmannsheil.
 Wir aber waren einfach die
Radaubrüder im Revier.
So, die Kugelbüchse war leer. Hans
stand nicht gerade triumphierend in der
Gegend, hatte aber bewiesen, dass er,
zwar vorbei, aber doch richtig schießen
konnte. Nun, meine Schrotflinte wollte
ich auch nicht unbenutzt heimtragen. Also
hoch damit. Zwei Läufe so zwischen
Kaliber 16 und 22 mm. Es dröhnt erneut
in den Abend und dabei kriege ich es
irgendwie fertig, beide Läufe kurz nacheinander
 abzufeuern. Dem Damlack
schlägt der Flintenkolben zweimal mächtig
 gegen Wange und Schulter und so
begreife ich sehr schnell, dieses Ding
muss ganz fest an beiden Körperteilen
anliegen. Sonst? Ja, sonst merkst du noch
nach Tagen: Ei, da war doch was! Das
entsprach einer Lehrstunde bis ins Dezi



V

tail. Kein Förster hätte je eine einleuchtendere
 Einführung machen können.

Wie schlimm alles hätte ausgehen können,
 erfuhren wir anderntags. Zunächst
gelang die Waffenrückgabe problemlos,
alles im grünen Bereich. Dann aber musste
 Hans zum Rapport und seinem Vater
beichten, denn in den Wiesen war eine
Militärstreife auf Partisanenpatrouille
unterwegs gewesen. Die Soldaten hatten
zunächst nur uns zwei als nicht näher
erkannte Figuren, eventuell Partisanen,
angesehen und waren in Deckung und
Anschlag gegangen. Unser törichtes Verhalten
 hatte uns jedoch schnell als unverdächtig
 erkennen lassen, aber die
Nachforschung ergab dann die Details.
Herrn Reserveoffiziers Einfluss war insgesamt
 nötig, alles im Sande verlaufen
zu lassen. Die Intema dazu sollen hier
verschwiegen werden. Nur so viel: Es
gab welche.

Die beiden Akteure leben noch heute,
der eine im Süden, der andere im Norden
 der Bundesrepublik. Wenn wir Zusammenkommen,
 geht’s los: Weißt du
noch? Ja, wir wissen und das möchte ich
hiermit auch vielen anderen Landsleuten
 zur Kenntnis geben.

Und wie immer zum Schluss
Euer Jungche aus Oldenburg
Walter Perkuhn
Bloherfelder Straße 98 a
26129 Oldenburg

Oh ne Heiden bildet dich kein (ZbaraJeter.

Srnóí von <J~eucliteróleben

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„Das machten wir zu Hause immer so" -

Erinnerungen an meine Kindheit in Schaaken

^W^ielleicht ist es notwendig, dass ich
j J imich zunächst vorstelle: Anfang
'"^'^August 1931 wurde ich in der
alten Ordensburg Schaaken geboren.
Meine Eltern Adolf und Vera Riebensahm,
 geborene von Alten, hatten sich
auf der Domäne Neuendorf bei Fischhausen
 kennen- und liebengelemt. Nach
ihrer Hochzeit im Jahre 1926 zog meine
Mutter nach Norden ans Kurische Haff
zu ihrem Mann und zu meiner Großmutter
 Käthe Riebensahm, die seit dem Tod
ihres Mannes Pächterin der Domäne
Schaaken war. Meine älteren Geschwister
 hießen Elisabeth, Adolf und Brigitte.
Wir vier „Großen“, wie unserVater uns
immer nannte, aber auch unsere jüngeren
 Geschwister hatten eine behütete und
nach festem Regeln bestimmte Kindheit.
Morgens mussten wir pünktlich aufstehen.
 Zu den Mahlzeiten hatten wir in
sauberer Kleidung und mit gewaschenen
Händen und gekämmten Haaren zu erscheinen.
 In ganz früher Kindheit haben
wir allerdings nicht bei Tische gegessen,
waren dann aber stolz, als wir zugelassen
 wurden. Wie die Erwachsenen standen
 wir hinter unseren Stühlen und hatten
 die Hände auf der Lehne gefaltet.
Gemeinsam mit den Erwachsenen sprachen
 wir das Tischgebet vor dem Essen.
Wert wurde darauf gelegt, dass wir uns
danach leise auf den Stuhl setzten und es
galt die Regel: „Kinder sprechen beim
Essen nur, wenn sie gefragt sind“. Man
wartete, bis alle das Essen auf dem Teller
 hatten, dann sagte mein Vater „Gesegnete
 Mahlzeit“ und dann durften wir
anfangen.

Mit uns am Tisch saß auch das „Kinderfräulein“.
 Diese junge Frau war für

uns zuständig und hatte daher viel zu tun.
Sie spielte mit uns, aber sorgte auch
dafür, dass unsere Kleidung in Ordnung
war, dass wir sauber gewaschen waren,
dass wir unsere Hausaufgaben machten,
usw. Ich erinnere mich, dass sie mir
zuweilen meine Schreibarbeiten auf der
Tafel ausgelöscht hat, weil sie nicht ordentlich
 waren und ich musste mit dem
Griffel neu schreiben. Natürlich war sie
auch bestrebt, uns einigermaßen gute Manieren
 beizubringen. Leicht haben wir es
ihr sicherlich nie gemacht, denn wir taten
 keinesfalls immer das, was sie wollte,
 man erwartete Gehorsam, gab sich
aber keine Mühe oder kam gar nicht erst
auf die Idee, uns Kinder von der Richtigkeit
 einer Anordnung zu überzeugen.
Deshalb war das Kinderfräulein bei uns
Kindern meist unbeliebt.

Man hat mir erzählt, dass ich als Kind
gerne Süßes gegessen hätte. Es mag wohl
1935 gewesen sein, als wir zu einem
Kindergeburtstag bei Dannenbergs in
Dogehnen eingeladen waren. Wir, das
waren wir, die vier Großen mit unserem
damaligen Kinderfräulein „Lockelie“,
sind mit der Kutsche dahin gefahren
worden. Im großen Esszimmer an festlich
 gedecktem Tisch saßen wir zusammen
 mit den Dannenbergs Mädchen und
natürlich ihren Eltern. Schließlich kam
der Nachtisch, sicherlich ein Kompott,
welches offenbar vorzüglich schmeckte.
Jedenfalls nahm ich wohl das Glasschälchen
 in beide Hände und leckte es
aus. Auf den erstaunten Zuruf von Herrn
Dannenberg „Aber Dietrich“ habe ich angeblich
 geantwortet: „ Och, das machen wir
zu Hause immer so“. Wie „Lockeli“ dieses
überstanden hat, weiß ich nicht.