Full text : Unser Schönes Samland

Die beginnenden Herbststürme zaubern eine beeindruckende Kulisse. Foto: Lunau

dass bald so viel Geld zur Verfügung
steht, um alle Straßen/Bürgersteige in
einen sicheren Zustand zu versetzen.
Sicher sind Sie schon ganz neugierig
darauf zu erfahren, wie es mit dem Strand
in Cranz aussieht. Hatten wir bis Anfang
September noch den im letzten Heft beschriebenen
 Zustand des Strandes, so
muss ich leider für die restliche Zeit
wieder den all zu oft beschriebenen Ausspruch
 zitieren: „Erbarmung! Nach Orkan
 - Land unter!“ Selbst am Fischerplatz
 West, wo sonst meist noch immer
etwas Strand geblieben ist, wogte die See
bis an die Mauer.
Die beste Meldung habe ich bis zum
Schluss aufgehoben: Die ersten Betonpfähle
 für die neue Promenade sind am
äußersten Ostende bereits in den Sand gerammt

 worden. Im nächsten Report werde
 ich darüber sicher ausführlicher -
auch mit Bildern - berichten können.
Ich hoffe, ich habe Ihnen wieder ein
Stückchen Heimat ins Haus gebracht und
gezeigt, wie es heute dort aussieht. Wenn
Sie besondere Fragen oder Wünsche zu
Straßen oder Häusern etc. haben, dann
schreiben oder rufen Sie mich an. Ich
werde dann versuchen Antworten zu finden.

Mit dem Aufenthalt in Cranz vom 12.
bis 27. Oktober werde ich wohl meine
Reisetätigkeit in die Heimat für dieses
Jahr beenden.
Herzliche Flundergrüße

Ihr/Euer

lJCIccuj

cJLuncu

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Eine nicht ganz astreine Sache

^^Y-^as ist eigentlich astrein und was

% 4nicht? Da mag sich jeder seine
f^'^'eigenen Vorstellungen denken,
ich will einfach erzählen.
Es war im Spätherbst 1944 noch in Ostpreußen,
 in unserem Heimatort Löwenhagen
 und wir waren 15 Jahre alt. Bis
jetzt noch zu jung Soldat zu sein, aber
alt genug, um für Soldaten Schützen- und
Panzergräben zu schaufeln. Das geschah
im Juli 1944 von der Heimat entfernt in
Litauen, später dann in Masuren und das
machte uns doch stutzig. Sollte der Russe
 wirklich auch so weit in unsere Heimat
 eindringen?
Unter den Schulkameraden war einer,
dessen Vater Leiter der Schule auf dem
Dönhoffschen Gut Groß Hohenhagen
war. Der Herr Papa war auch noch manches
 mehr, so z. B. Reserveoffizier und
Jäger. Klar hatte der die notwendigen
Jäger-Utensilien in einem besonderen
Schrank auf der Diele verwahrt, einem
ganz vorzüglichen Waffenschrank. Da
seine Kinder alle die reinsten „Tugendbolzen“
 waren, brauchte dieser Schrank
nicht ständig unter Verschluss gehalten
werden. Uns juckte es schon mächtig in
den Fingern, das Inventar im aktiven
Gebrauch zu erleben. Lehrers Sohn
brauchte aber für solche Taten Hilfe und
meinte, ich wäre zwar im Umgang mit
Jagdwaffen unerfahren, aber doch sonst
ganz geschickt und sicher auch interessiert
 genug. Alles stimmte! Das eine zwar
ein bisschen mehr als das andere. Was
soll’s? Nur Taten lassen den richtigen
Mann erkennen.
Ein günstiger Zeitpunkt ergab sich
durch die Abwesenheit des alten Herrn,
der auch eine Volkssturmeinheit zu befehligen
 hatte und der alleinigen Anwesenheit
 der Mama, die sehr lieb, aber

auch recht ahnungslos war. Hans, so heißt
der brave Sohn und Walter war sein
Freund, beschaffen gekonnt eine Kugelbüchse
 und eine Schrotflinte. Ei, was
hatten wir Dampf drauf. Schuldgefühl?
Weshalb und woher denn? Es musste
doch möglich sein, für den nun erkennbar
 nahen Tag der Feindabwehr ausgebildet
 zu sein.
Nur gut, dass nicht schon auf der Dorfstraße
 die Hasen hoppelten. Wir hätten
glatt darauf losgeballert. So aber ging es
möglichst unauffällig zur Schar. Das ist
das bewaldete Ufer des Urstromtales des
Pregels. Es zog sich von Schloss Friedrichstein
 über Groß Hohenhagen, Barthen,
 Mäskemühle in Richtung Groß
Ottenhagen. Vor der Schar weitete das
Gelände in die Pregelniederung. Hier
wohnten und wirtschafteten zwar mehrere
 Bauern in der Ortschaft Seewiesen,
es blieb aber viel Platz für hungrige Rehund
 Hasenmagen. Irgendeiner von der
Sorte sollte heute Abend eins aufs Fell
kriegen. Was wir dann anschließend mit
der Beute machen wollten, war kein Gegenstand
 von Nachdenken. Immer das
Nötigste zuerst. Alles andere wird sich
danach regeln. Da unten wollten wir recht
vorsichtig sein, denn wiederholt hatten
russische Partisanen sich hinter der Front
absetzen lassen und verbreiteten zumindest
 Unruhe unter der Bevölkerung. Na,
wenn uns einer von denen begegnen
würde!
Oh, was ist die Unbefangenheit in
Jugendjahren doch für ein herrliches Gut
und wie leicht wurde sie in jenen Jahren
missbraucht. Ja, wir wollten das Vaterland
 gerettet sehen und waren bereit, auch
mit unseren 15 Jahren dafür einen Anteil
zu leisten. Nur wenige Wochen später
wurde aus solchem Wünschen bitterer 63