war dabei. Natürlich mussten wir die
gefangenen Aale und Fische bei den Russen
abliefem und erhielten Prozente für
unseren Bedarf.
Am Peyser Haken
Die Angelkähne waren stabile, auf Kiel
gebaute Schiffe mit einer Länge um die
10-12 Meter. Zum Segeln und Schleppen
waren sie mit einem reffbaren Rahsegel
ausgerüstet. Gefischt wurde am
Tage und auch nachts bei jedem Wetter
mit Schleppnetzen (Keitelgamen).
Es war eine harte Schule, die ich hier
absolvieren musste. Ungemütlich wurde
es dann, wenn nachts schwere Gewitter
aufzogen und die Atmosphäre so aufgeladen
war, dass bis zum Morgengrauen
in der Mastspitze das Elmsfeuer leuchtete.
So habe ich das Segeln und den Umgang
mit Wetter, Wind und Wellen gelernt.
Als wir am 29. Oktober 1947 unsere
Heimat verlassen mussten, blieb eine intakte
Fischereiflotte zurück. Vergeblich
habe ich bei meinem Besuch Ausschau
gehalten, um Teile unserer Fischereiboote
zu entdecken. Den Sowjets ist es
gelungen, alle Spuren zu beseitigen.
Nun besteht die Möglichkeit, nach
Königsberg und ins Frische Haff zu segeln.
Für mich war es natürlich ein besonderes
Anliegen, mit meinem
Boot die alte Heimat zu besuchen.
Es wurden Visa besorgt
und bei Sonnenaufgang eines
warmen Junitages begann unsere
Fahrt ab Travemünde.
Wir kreuzten an der Küste
Pommerns, besuchten auch
dort einige Häfen, liefen in den
Hafen von Heia und blieben
jjj —m für eine Nacht in Gdynia. In
' 7 ' !■ ” dieser Gegend war am Ende
7 des Krieges die Hölle auf Er--
^ den und das Elend der Flüchtlinge
unbeschreiblich.
Foto: priv. yon Lübeck aus hatten wir
uns für den 26. Juni in Pillau
angemeldet. In der Danziger Bucht wehte
an diesem Tage ein kräftiger Nordwest,
der uns mit schneller Fahrt durch das
Pillauer Tief fegte. Bei Neutief legten
wir an und wurden von Zoll und Grenze
freundlich einklariert. Meine Neugierde
war nicht zu bremsen. Ohne langen Aufenthalt
fuhren wir unter Motor in den
Seekanal und hofften, im alten Hafen von
Zimmerbude einen Liegeplatz zu finden.
Dann kam die Enttäuschung. Der Hafen
war weg, und an seiner Stelle befindet
sich nun eine Reparaturwerft für
Fischereifahrzeuge. Zu erkennen waren
noch Reste der alten Slipanlage, auf der
wir unsere Angelkähne damals hochgezogen
hatten, um sie zu säubern und zu
streichen. Wir machten für eine Nacht
an der Spundwand des Kraftwerkes Peyse
fest und besuchten am nächsten Tag
Königsberg.
Wir hatten Briefkontakt mit der Familie
von Juri Eröjmin aus Zimmerbude.
Tochter Galina und ihr Ehemann Viktor
begleiteten uns auf dieser Fahrt. In Königsberg
fanden wir keinen Liegeplatz,
fuhren nach Zimmerbude zurück und
konnten für eine Nacht am Ausrüstungskai
der Werft festmachen. Den traurigen
Zustand des Hafens in Königsberg möchte
ich nicht beschreiben.
Am nächsten Morgen legten wir ab zu
einer Segeltour auf dem Haff, wobei uns
Juri begleitete. Um auf das Haff zu gelangen,
fuhren wir durch die Gruft, so
nannten wir den offenen Bereich zwischen
Kamstigall und Peyse. Dieses Gebiet
war wenige Wochen vor Kriegsende
von unserer Wehrmacht mit Minen aus
dem Marine-Sperrwaffenarsenal in Peyse
gegen einen möglichen Seeangriff abgesichert
worden.
Diese Minen erwiesen sich
für uns später als große Gefahr.
Einige Fischer hatten
während des Schleppens Minen
eingefangen, die beim
Einholen des Netzes explodierten.
Nur einer unserer Fischer,
Heinz Klement aus Zimmerbude,
hat so eine Katastrophe
überlebt, konnte mit Hilfe
eines Bodenbrettes schwimmend
das Peyser Ufer erreichen
und über den Hergang
berichten. Noch heute liegen
die Wracks der verunglückten Schiffe auf
dem Grund des Haffes.
Wir verlebten segelnd einen herrlichen
Sonnentag auf dem Haff, waren vergnügt,
genossen die Ruhe des Haffes und
den Anblick einer friedlichen Landschaft,
wie sie immer war.
Nach der Rückkehr durften wir an der
vor Zimmerbude verankerten Rettungsstation
festmachen. Die dort tätige Krankenschwester
beendete ihren Dienst,
übergab uns vertrauensvoll den Schlüssel
ihrer Behandlungsstube, und so konnten
wir über die sanitären Einrichtungen
verfügen. Einen Tag hatten wir für die
Besichtigung unseres Dorfes reserviert.
Zimmerbude gibt es außer vereinzelten
Häusern nicht mehr.
Abends folgten wir der Einladung von
Juri Eröjmin und feierten, bis die Nacht
hereinbrach. Es hieß Abschied nehmen,
denn am nächsten Morgen, es war der
30. Juni, war unsere Abreise geplant.
Die Sonne ging über dem Haff auf,
als wir ablegten. Unsere Freunde verabschiedeten
uns mit langem Winken und
Galina schwenkte eine große deutsche
Flagge. Wir waren gerührt.
Das Ausklarieren in Pillau verlief reibungslos,
und ein warmer Süd-Ost trieb
uns durch das Tief auf die offene See.
Langsam entschwand die Küste unseren
Blicken, nur der hohe Leuchtturm von
Pillau winkte noch lange zu uns herüber.
Wir segelten westwärts auf dem Seeweg,
auf dem das Flüchtlingsschiff
Mit unserem Boot, der Swanti, im Kanal vor Zimmerbude.
Foto: priv.
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