Full text : Unser Schönes Samland

Posselau, Blick auf Qehöft H. Qlagau (Foto Minuth, Archiv Rauschen)

In einem Verzeichnis der Grundbesitzer
von ca. 1930 sind in Posselau 3 Güter
genannt: Friedrich Gerwien mit 49 ha,
Hermann und Paul Glagau mit 143 ha
und Fritz Nehrenheim mit 29 ha. Die
kleineren Besitzungen von Breitenfeld,
Frischgesell und Schwill sind darin nicht
genannt.
Mit insgesamt 9 Besitzern und den zugehörigen
 Insthäusem, einem Mietshaus
und einer Molkerei war Posselau auch
baulich ein verhältnismäßig kleiner Ort.
Die von Kastanienbäumen eingesäumte
Dorfstraße zweigte von der Chaussee
Alexwangen - Neukuhren ab und führte
weiter zur Palwe und nach Lixeiden. ln
Lixeiden befand sich auch die nächste
Haltestelle der Samlandbahn.

Die Bewohner
Am Anfang der Dorfstr. stand auf der
rechten Seite der Hof von Nehrenheim
(1), es folgte das Wohnhaus der Schwestern
 Milthaler und Wallner bei denen
noch Taulien (2) wohnte. Dann kam der
Besitz der Brüder Glagau mit zunächst
der Molkerei (3) von Paul und anschlie->

 ßend der Gutshof (4)
von Herrmann.
Dem Gehöft von
Nehrenheim gegenüber,
 auf der anderen
Seite der Dorfstrasse
besaß Nehrenheim ein
Mietshaus (12), das
von den Familien
Thiel und Woköck bewohnt
 war und ein
Kolonial Warengeschäft
 von Frau Bonk
enthielt. Es folgten 2
Häuser für Bedienstete
 der Molkerei
Glagau: Zu erst das Haus (11) mit dem
Obermaschinisten Kischnick und dem
Kraftfahrer Holz und danach das Haus
(10) mit dem Kraftfahrer Krause und
dem Meier Engel. Daran schlossen sich
drei Insthäuser von Hermann Glagau und
von Gerwien an. Zunächst ein Haus von
Glagau (9) mit den Farn. Rischkau, Allstein,
 Putschin und Fritz Müller, dann von
Gerwien (8) mit den Fam. Ott, Otto
Müller, Böhnke und Augstein, und ein
weiteres Haus von Hermann Glagau (7)
mit den Familien Birkhahn, Trompell,
Kenzler und Lessau. Lessau war Schmiedemeister
 und hatte neben dem Haus die
Schmiede. Zu sämtlichen Insthäusem gehörten
 ein Garten und ein Stall.

Etwas zurückgesetzt folgte dann neben
dem Dorfteich der Gutshof von Gerwien.
Das kleine Gehöft auf der Palwe von
Schwill lag etwas außerhalb der Dorfschaft
 auf halbem Weg zum Kleinen
Gebirge.
Noch weiter vom Ort Posselau entfernt
und von mir auf meinem Schulweg
immer als zu Alexwangen gehörig ange-30



.

sehen, waren die Besitzungen von Frischgesell
 (13) und Breitenfeld (14). Frischgesell
 war ein Komplex etwas abseits der
Reichsstraße und völlig hinter hohen Bäumen
 versteckt. Uns Kindern war dieses
Gehöft durch seine versteckte Lage
immer etwas unheimlich. Unklar bleibt,
warum in allen Unterlagen dieser Besitz
als Schmiedehaus bezeichnet ist. Er lag
zwischen dem Gut und der Siedlung
Alexwangen.
Das Gehöft von Breitenfeld befand
 sich am anderen Ende der Siedlung
 Alexwangen an der Straße.
Wohnhaus und Garten umschloss ein
hoher Zaun. Im Sommer konnten
wir von der Straße aus im Garten
die hohen Kirschbäume mit ihren
roten Früchten sehen, die aber für
uns Knirpse unerreichbar waren.
Ein überörtlicher Betrieb war in
Posselau die Molkerei von Paul
Glagau. Hierhin brachten die Landwirte
 der umliegenden Dörfer die
Milch ihrer Kühe. Von Obrotten
wurde die Milch im Sommer morgens
 und abends per Fuhrwerk, im
Winter nur morgens per Schlitten nach
Posselau gefahren. Sie war in 20 Liter-Kannen
 gefüllt und da der Milchwagen
mehr Kannen fasste, als ein Bauer an
Milch liefern konnte, hatten sich Fahrgemeinschaften
 gebildet, die dann abwechselnd
 die Milchfuhre übernahmen.
Die Molkerei belieferte die Bauern mit
Butter und Käse für den Haushalt und
mit Molke für die Schweinezucht.
In den Kriegsjahren waren Butter und
Käse auch für die Bauern rationiert. Doch
das wurde mindestens im Frühjahr 1945
nicht mehr so ernst genommen. Linus
Kather schreibt von „Butterbüchern“
(Butter in Buchform verpackt), die Hermann

 Glagau im Winter 1945 mit nach
Rauschen brachte.12

Posselau war schon Anfang der 30er
Jahre an das elektrische Überlandnetz angeschlossen.
 Dies bedeutete zu damaliger
 Zeit einen gewissen Komfort für alle
Haushalte und war besonderes für die
Molkerei wichtig. Die Wasserversorgung
erfolgte über Brunnen und Pumpen an
jedem Haus. Der Grundwasserspiegel lag

relativ hoch, was auch aus der Vielzahl
der Teiche zu erkennen ist. Eine zentrale
Abwasserentsorgung gab es nicht.

Posselau heute
Der russische Name des Ortes lautet jetzt
Aleksandrowka. Der Ort besteht noch.
Nach Bildern von vor zehn Jahren sehen
die Gebäude hier ebenso verfallen aus
wie in den übrigen Dörfern in Nordostpreußen.


Organisatorisches
Das nächste Kreistreffen findet am 16./
17. September 06 wieder in Pinneberg
statt. Unsere Ortsgemeinschaften werden

Martha und Rosemarie Lessau auf der Treppe des
Hauses (Archiv Rauschen) 31