Full text : Unser Schönes Samland

sermühle mit drei Mahlgängen. Zwischen
beiden liegt hinter der Mühle eine Insel.
Der weitere Abfluss heißt Rauschener
Mühlenfließ, durchfließt das SassauerTal
und fließt bei Loppöhnen in die Ostsee.
Der Teich - eigentlich müsste es See heißen
 - ist etwa 800 m lang und an der breitesten
 Stelle über 100 m breit. Über seine
 Tiefe am Staudamm sind keine Angaben
 zu finden. Ich habe ihn in der „Russenzeit“
 wasserlos gesehen und schätze den
Damm auf 3 bis 5 Meter hoch.

Die Südseite des Teiches wird durch
eine Anhöhe begrenzt, die früher kahl
war und nach dem Besuch von König
Friedrich Wilhelm IV. im Jahre 1840
wieder aufgeforstet wurde. Auf der Nordseite
 führt die Dorfstraße entlang, die von
Königsberg kommend nach Georgenswalde
 und weiter bis zur Westküste des
Samlandes führt. Dahinter liegt die Düne,
die sich bis an die Ostsee erstreckt und
dort als Steilküste zum Strand abfällt. Am
Abhang zum Teich erstreckte sich früher

das Dorf Rauschen. Später wurde auch
die Düne bepflanzt und ab etwa 1900
mit Villen und Pensionen bebaut.
Der Zulauf im Westen führt durch
Wiesen und der Staudamm im Osten mit
seinen mächtigen alten Linden war das
Schmuckstück des früheren Dorfes. Von
hier aus führte nach dem Bau der Eisenbahn
 ein Weg zum Bahnhof Rauschen-Ort
 und in die herrliche Landschaft des
Waldes.

Die Fischerei im Teiche
Das Fischereirecht im Teich war an die
Oberforstmeister verpachtet. Dieses
Recht hatte im Jahre 1668 der Oberforstmeister
 von Foller und im Jahre 1713
der Oberforstmeister von Holle. Der
Müller durfte im Mühlenteich „für seines
 Tisches Nothdurft“ fischen.
In unserer Zeit lag das Fischereirecht
bei der Gemeinde Rauschen, die gegen
Gebühr Angelscheine ausgab. Herr
Treppke berichtet, dass es neben den üblichen
 Teichfischen prächtige Hechte und

Aale gab. Natürlich
 wurde auch
„schwarz gefischt“,
 wobei
man sich natürlich
 nicht von Inspektor
 Tessmer
oder vom „blauen
 Franz“ (gemeint
 ist Wachtmeister
 Franz
Quednau) erwischen
 lassen
durfte.

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Die Bebauung am Mühlenteich
Die aus der Ordenszeit stammende, aber
baulich sicherlich erneuerte Wassermühle
 war wahrscheinlich eine der ältesten
Ansiedlungen. Direkt an der Straße gelegen
 (die Straße wurde erst 1935 begradigt,
 wodurch vor der Mühle ein Platz
entstand), war sie gleichzeitig Raststätte
für die Reisenden. Der Müller besaß in
dieser frühen Zeit
die Erlaubnis eine
gewisse Menge
Bier zu brauen
und auszuschenken
 und auch die
Gäste zu beköstigen.


Die Bauernund
 Fischerhäuser
 entlang der
Straße wurden
sicherlich erst in
späterer Zeit gebaut.
 Denn 1785
bestanden erst 17
Feuerstellen in
Rauschen. Eine älteste Zeichnung der Bebauung
 liegt aus dem Jahre 1815 vor. Es
waren strohgedeckte Häuser, die sich
terrassenförmig an den Hang schmiegten.
Bekannte Namen aus früher Zeit, die hier
ihr Haus hatten, sind Hoppe, Glagau,
Audehm, Krause, Mammon, Schmidt,
Wasserberg, Muschlien, Baumgart,
Pönopp, Ziegan und ganz am Ende des
Teiches Eggert. Andere Familien wohnten
 etwas weiter oben am Hang. In diesen
 damals sehr einfachen Häusern wurden
 die ersten Badegäste von Rauschen
aufgenommen. In der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts entstanden dann an der
Dorfstraße östlich des Staudamms die

Hotels von Bosin und Liedtke für die
Gäste. In dieser Zeit baute auch oberhalb
 der Fischerhäuser die bekannte und
für die Entwicklung Rauschens wichtige
Königsberger Familie Hilbert eine Villa.
Die Bebauung von 1815 und das Hotel
Bosin sind in früheren Heimatbriefen abgebildet.


Viele dieser Häuser und Grundstücke am
Teich wechselten im Laufe der Jahre die
Besitzer. Im 20. Jh. entstand neben der
Mühle und dem Anwesen von Poppe, das
Geschäftshaus Glage, später Heinrich.
Das Anwesen von Poppe wurde „Central-Hotel“
 und später ein Wohn- und Geschäftshaus.
 An der Dorfstraße schlossen
sich von dort nach Westen an: die Häuser
 von Frischgesell und Worms, die Bäckerei
 Resenberg und das Fremdenheim
„Weststem“, die Häuser von Carl Muschlien
 und Julius Muschiin, dann das Fremdenheim
 „Olzien“ und bei der Einmündung
 der Kleinen Teichstraße das Spritzenhaus.
 Es folgten noch die Häuser

Pension Seestern in der Dorfstraße Sammlung: Klemm 33