bar gewesen wäre. Alle beweglichen Teile,
besonders Holz, wurden restlos geplündert
und ausgebrochen, auch der Stab-Fußboden,
denn Holz zum Kochen wurde
knapp. Trotzdem blieben die Räume
noch verwendbar. In der früheren
Briefträgerei lagen die Briefe, Wertsen-Im
April 1946 wurde unter Aufsicht des
russischen Verkehrsministeriums ein deutsches
Postamt dem russischen angegliedert.
Arbeitsgeräte und sonstiges Material
mussten wir uns natürlich selbst besorgen.
Dazu wurden die Trümmer der
zerstörten Postämter nach brauchbarem
Material durchsucht.
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Als Personal wurden
anfangs nur 20 Kräfte
für Sortierung und Zustellung
in der zertrümmerten
Stadt, die man
fast Totenstadt nennen
konnte, bewilligt, später
waren es weniger.
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düngen, Postanweisungen,
Zahlkarten, Postsparbücher
und Wertmarken
fußhoch, auch die Kassenräume
zeigten Spuren einer
panikartigen Flucht,
und somit konnte von einer
verantwortlichen Verlagerung
nicht gesprochen
werden. Alles wurde jetzt _ _ .... , ... ..
r .. . TT r Postkarte der sowjetische Post aus Rauschen mit Stempel (Keni)-im
Hof auj einen Haufen gsberg in kyrillischer Schrift
getan und verbrannt.
Dann begann die Herstellung der Räume
für das russische Postamt und in den
oberen Räumen die Einrichtung eines
Wählamtes für den Zivilverkehr, das im
April 1946fertig gestellt war und in Betrieb
ging. An den Arbeiten wirkten
ebenfalls deutsche Kollegen mit.
Die Härte der Arbeit lag nicht allein in
der körperlichen Schlappheit, der bis zum
Äußersten ausgelasteten, sondern in den
stets steigenden Ansprüchen der Russen,
die z. B. schließlich auch die Bestellung
der Briefe für die russische Zivilbevölkerung
von uns verlangte. Es hieß also in
16
den sauren Apfel beißen und sich mit der
russischen Sprache und den kyrillischen
Schriftzeichen vertraut machen. Denn die
Dolmetscher waren knapp.
Die Sortierung der ankommenden Post
war mehr auf Abholung nach Namen der
Empfänger als auf Zustellung nach Straßenzügen
eingestellt. Amtliche deutsche
Stellen, die die deutschen Einwohner registrierten,
gab es nicht. Die Zusteller
waren auf die mangelhaften Listen der 8
russischen Kommandanturen angewiesen
und vor allem auf Selbsthilfe.
Eine lange Zeit stockten die Brief-Eingänge;
die Russen trösteten uns und entschuldigten
das mit der Zensur der
NKWD. Die nächsten Transporte gingen
sehr spärlich ein, und auch die Schreiblust
der Deutschen im Reich ließ nach,
weil die Abgänge wegen der Überlastung
der Stempler stockten. Nur einmal ist es
uns gelungen, die Karten oder Briefe mit
deutschen Stempeln zu versehen und nach
Moskau zu schicken. Sie sind auch tatsächlich
eingetroffen, denn meine Familie
hat eine Karte mit einem deutschen
Stempelabdruck auf der russischen Briefmarke
erhalten. “
Da Karten mit dem deutschen Stempel
Königsberg (Pr) 9 von verschiedenen
Daten vorliegen (Mai 1946, 9.12.46
u.a.), scheint dieser Stempel nicht nur
einmal verwendet worden zu sein.
Nach diesem Bericht des Postangestellten
Rocke könnte es möglich sein,
dass der Postverkehr nach Nordostpreußen
langsam ab April 1946 begonnen
hat, wobei dies dann zunächst die
durch Presse und Rundfunk besser informierte
Bevölkerung im „Reich“ betraf.
Bis diese Post dann sicherlich auch über
Moskau im russischen Teil Ostpreußens
eintraf, verging dann noch einige Zeit.
Leider ist aber solche Post kaum erhalten
geblieben, denn bei der Ausweisung
wurde Schriftliches rigoros zurückbehalten.
Einige Postsachen aus dieser Zeit
Wie schon gesagt, ist Post aus dem Reich
von 1946/47 ins Samland leider nicht erhalten
geblieben. Immerhin hatten die
Empfänger aber Gewissheit über das
Schicksal ihrer geflüchteten Angehörigen.
Die Postbelege aus dem Samland in
umgekehrter Richtung wurden/werden
bei den Empfängern als Andenken aufbewahrt,
denn teilweise waren es die letzten
Lebenszeichen von Familienangehörigen.
Wir wissen, dass insbesondere die
dort gebliebenen älteren Menschen diese
Schicksalsjahre nicht überlebt haben.
Insoweit stößt die Forschung meiner Arbeitsgemeinschaft
an Grenzen, da nur
sehr selten solche Karten oder Briefe an
uns Sammler weiter gegeben werden.
Wie schon gesehen, wurde für diese
Sendungen in Königsberg zeitweise der
deutsche Stempel Königsberg (Pr) 9 bis
mindestens Dezember 1946 verwendet.
Zwischenzeitlich führte die Sowjetunion
für die Post nach Deutschland einen
Stempel Kenigsberg in kyrillscher Schrift
ein. Und obwohl Königsberg nach dem
Tod von Kalinin in Kaliningrad umbenannt
wurde, wurden in der Folgezeit
beide Stempel noch verwendet.
Leider ist ein genaues Datum, wann der
Stempel Kaliningrad eingefuhrt wurde,
nicht festzustellen.
Auf nebenstehenden Seite ist eine Karte
aus Rauschen an Frau Frieda M. im 17