Der „Lustigberg" in Polennen Foto: pnv.
Wir fuhren zum ehemaligen Anwesen
Gess. Heute steht dort ein Kinderheim
für Kinder im Alter von 6 bis 18 Jahren.
Von den dort untergebrachten Kindern
waren sieben Waisenkinder; die anderen
kamen aus Familien mit Alkoholproblemen.
Es gibt dort auch eine Schule,
in der die Kinder sogar zweimal in der
Woche Deutsch lernen können. Wir wurden
freudig aufgenommen. Alles durften
wir uns ansehen. Es wurde gerade
renoviert. Manche Kinder strichen den
Fußboden, andere die Türen. Die größeren
waren auf dem Feld oder bei den
Schweinen im Stall. Dieses Heim verpflegt
sich selbst. Korn und Kartoffeln
werden angebaut und es gibt einen Gemüsegarten.
Nachdem wir unsere großen,
schweren Koffer voller Kleidungstücke,
Schreibwaren und anderer Mitbringsel
ausgepackt hatten, verabschiedeten wir
uns.
Wir fuhren in Richtung Germau weiter.
Nach einem Stück kam links die alte
Schule. Sie hinterlässt einen total verkommenen
Eindruck. Vier dort angebundene
Hunde machten viel Lärm, aber es
ließ sich kein Mensch sehen.
Das Gelände davor stand voller
alter Schrottfahrzeuge.
Nun ging’s zum „Lustigberg“
auf der anderen Straßenseite.
Der Weg dorthin ist in Ordnung.
Unsere Tante erzählte,
dass es hier früher gespukt haben
soll. Ein Stückchen weiter
liegt das Gelände meiner Großeltern
Wolff. Es gibt da nur
noch Unkraut, Gestrüpp und einige
Bäume. Es war bewegend,
nach 60 Jahren hier zu sein.
Unsere Tante zeigte uns, wo
einst die Gebäude gestanden
haben.
Gegenüber steht noch ein Haus, etwas
renoviert. Es ist das frühere Haus von
Familie Szuks. Eine alte Frau arbeitete
im Garten. Wir gingen zu ihr und sprachen
sie an. Sie erzählte uns, dass sie das
Haus durch Dokumente bekommen hat.
Wenn sie wieder Geld hätte, wolle sie
auch weiter renovieren. Vom Hof aus
konnte man nicht ins Haus, weil dort alles
baufällig war. Die alte Frau besitzt
eine Kuh und ein Schwein. Sie war sehr
freundlich und bot uns Milch an. Eine
17-jährige Enkelin wohnt außerdem bei
ihr. Sie pflückte uns Kirschen von einem
großen Baum, der auf dem Hof steht.
Jeder mit einer Tüte Kirschen in der Hand
verabschieden wir uns mit dem Versprechen,
sie auf jeden Fall zu besuchen,
wenn wir wieder nach Polennen kommen.
Weiter in Richtung Germau steht
rechts noch ein kleines Haus. Hier wohnte
einst die Familie Rose.
Beate Häfker geb. Gess
Twillbeeke 7
28857 Syke
62
Rotary zu Besuch in Ostpreußen
/^%ine Reisegruppe von 16 Rotariern
V jfaus dem Club Bad-Homburg-^
Schloss unternahm eine Reise vom
1. - 8. Juni 2005 in die Umgebung von
Königsberg. Gewohnt wurde im Hotel
Moscow. Mit den Zimmern hat es nicht
so geklappt wie abgesprochen - wir sind
in Russland und alles ist anders. Nach
der ersten Nacht mussten einige umziehen,
so auch wir!
Die Tage wurden mit einem wunderschönen
Chorkonzert im Dommuseum
begonnen. Die Stadtbesichtigung war
durch die vielen Baustellen etwas beeinträchtigt.
Die Hauptstraßen der Stadt
werden repariert, die Häuser an der
Außenfront gestrichen, so soll man einen
guten Eindruck bekommen. Der Hansaplatz
wird zu einem Schmuckstück mit
Springbrunnen und dahinter ersteht die
zweitgrößte Kathedrale Russlands, die
größte steht in Moskau. Alles soll fertig
werden zum 3. Juli, auch das Königstor
wird sehr gut restauriert.
Eröffnet werden sollen die Feierlichkeiten
mit der Neueinweihung des Königstores.
Einer der Höhepunkte wird sicherlich
die Einweihung der Christi-Erlöser-Kathedrale
sein.Im Stadtteil
Maraunenhof sahen wir die Villen der
neuen reichen Russen - schon imposant
- woher nur das Geld kommt? Es gibt in
Königsberg eine Menge Neubauten und
restaurierte alte Häuser.
Wir hatten unter den Mitreisenden nur
vier Personen, die sich mit diesem Gebiet
verbunden fühlten, alle anderen war
daran interessiert. Alle waren von der
herrlichen Weite dieser Region begeistert.
Es sind wieder mehr Kühe auf der Weide.
Ein mitreisender Landwirt nahm besonders
die verbuschten landwirtschaftlichen
Flächen wahr, aber auch die z. T.
sehr gute Bestellung von sehr großen Flächen.
In Rauschen haben die Russen ein 5-Sterne-Hotel
an der Promenade entstehen
lassen, die Siedlung Sternau macht
einen guten Eindruck - Rotary wird hier
einer Studentin ein Stipendium für Germanistik
sponsern. Für die Katharinenkirche
in Arnau - als Weltkulturerbe
geführt — konnten wir keinen Schlüssel
bekommen, aber als ich einer einheimischen
Frau einen Schein in die Hand
drückte, durften wir durch den Zaun kriechen.
Leider war kein Loch im Gemäuer,
um in das Innere der Kirche zu sehen.
Das Gestüt in Georgenburg könnte auch
im Westen stehen, eine Freude diese vielen
Pferde zu sehen. Das ehemalige Gestüt
der Familie von Zitzewitz ist auch
sehenswert. Die Rominter Heide war der
östlichste Punkt, der besucht wurde.
Es war für alle ein sehr schönes Erlebnis
und ruft auf zu weiteren Initiativen, in
diese Region zu reisen. “
Den obenstehenden Bericht erhielt ich
von Frau Spitzeder geb. Scharffenberg,
sie ist gebürtige Königsbergerin. Der
Vater besaß eine Apotheke auf dem Steindamm;
die einzige, die während der
Festungszeit bis einen Tag vor der Kapitulation
in Betrieb war!
Zu dieser Zeit konnte die Familie mit
ihrem privaten PKW, der ihnen von der
Wehrmacht wieder zur Verfügung gestellt
wurde, die Stadt Pillau erreichen und so
über See vor den Russen fliehen.
Hadwiga Meyer geb. Mückenberger
(früher Stangau b. Waldau)
Stader Str. 5
21737 Wischhafen
Tel.: 04770 - 339 63