— Notizen aus dem Samland
^J^as Großereignis zum 750-jährigen
\ ^Bestehen von Königsberg/
Kaliningrad brachte - neben vielen
Gästen, auch aus dem Ausland - viele
Behinderungen mit sich. Wegen der
Staatsgäste kam es immer wieder zu
Terminänderungen, die bei der Bevölkerung
nicht rechtzeitig bekannt wurden
und zu manchen Wartezeiten führten.
Alles in allem aber war das Fest eine gelungene
Veranstaltung, zu der sogar die
hässliche Bauruine „Haus der Räte“ auf
einer Seite (davor stand die Bühne) einen
Anstrich und sogar Fensterscheiben
erhielt. Eine weitere Seite war fast ganz
mit einem Plakat verdeckt. Die Stadt
selbst hat einen bedeutenden „Verschönerungsprozess“
durchgemacht.
Viele ausländische Gäste waren in den
Badeorten Cranz, Rauschen und Sarkau
untergebracht, wodurch es besonders in
diesen Orten teilweise zu totaler Straßensperrung
kam. So wohnte z. B. Bundeskanzler
Schröder im neuen Hotel an der
Promenade in Rauschen.
Wieder einmal wurde „heile Welt” nur
theatralisch vorgetäuscht. So entpuppte
sich z. B. in Königsberg die neu gestaltete
ehemalige Cranzer Chaussee als -
wie ich es nannte - „Putinsche Straße“,
weil nur die Vorderfronten aller Häuser
frisch gestrichen wurden. Hinten fiel
nach wie vor der Putz von den Wänden!
Die Straßenbahnschienen wurden aufgenommen
und, das muss man eingestehen,
eine schöne, breite Straße gebaut. Überall
dort, wo Putin oder hohe Gäste hinkamen,
fand man den gleichen Anblick vor.
Nur schade, dass nicht noch mehr Straßen
besucht wurden!
Besonders
schön finde ich die
Neugestaltung des
Platzes vor der
neuen, jetzt außen
fertigen Kathedrale
(neben dem
Nordbahnhof).
Hier konnte man
immer große Menschentrauben
vorfinden,
ein Beweis,
dass der Platz - im
Gegensatz zu früher
(Platz des Sieges
mit Lenin) -
von den Bewohnern
gut angenommen
wird.
Während des
Festes wurde so
viel geboten, dass man einfach nicht alles
besuchen konnte. Überall hörte man
Musik, zu der sich die Einwohner und
Besucher im Takt bewegten, nur - im
Stadtfest-Hauptbühne in Königsberg vor dem "Haus der Räte" (teiweise
angestrichen und mit Fenstern versehen) Foto: K. Lunau
■Mm
Blick auf die neue orthodoxe Erlöser-Kathedrale
Gegensatz zu sonst - fröhliche Gesichter
und eigentlich kaum stark Betrunkene!
Es waren aus ganz Russland Musikkapellen
und Bands angereist, die abwechselnd
die Stimmung im Publikum bis spät
in die Nacht anheizten. Ich habe in
Königsberg/Kaliningrad noch nie so viele
Menschen auf den Straßen gesehen.
Durch starke Miliz-Präsens fühlte man
sich eigentlich sehr sicher. Alles in allem
kann ich sagen, es war ein gelungenes
Fest für die heutigen Bewohner. Ich hatte
jedoch nicht den Eindruck, dass sehr
viele Deutsche in der Stadt weilten.
Wenn auch das Motto „750 Jahre
Kaliningrad” lautete, so muss ich der
Ehrlichkeit halber erwähnen, dass in den
Tüten für die geladenen Gäste u. a. neben
einer Flasche „Königs-berger” Wodka
Literatur und viele Abbildungen aus
Im Internet findet sich ein Hinweis, der
für viele Besucher, die in die alte Heimat
fahren wollen und bisher ihre Reise
selbst organisiert haben, sehr wichtig ist.
Hier der Wortlaut:
Sehr geehrte Damen und Herren,
beachten Sie bitte, daß ab dem 1. August
2005 von der Kosularabteilung der
Russischen Botschaft in Berlin grundsätzlich
keine Visumaträge per Post angenommen
werden.
Wenn Sie keine Möglichkeit haben, persönlich
bei der Konsularabteilung vorzusprechen,
können Sie den Visumantrag
der deutschen
Zeit
enthalten
waren. Die
Restaurierung
des Königstors
und
anderer alter
Gebäude zeigen
doch,
dass man die
deutsche Vergangenheit
von Königsberg
auch
von offizieller
Seite
nicht verschweigen
kann und
Foto: K. Lunau auch nicht
will!
Bei künftigen Stadtrundfahrten gibt es
also jetzt viel Neues zu sehen. 59