Die deutsche Ostmesse Königsberg Pr.
ne bei Gleisbauarbeiten gesehen. Sie
waren, das ist meine nachträgliche
Vermutung, bei der Gleisumstellung auf
Breitspur beschäftigt. Bei unserer Ausweisung
im November 1947 ab Rauschen
ging der Transport über Cranz
nach Königsberg, d. h. die direkte
Strecke der Samlandbahn Neukuhren-Königsberg
war wahrscheinlich noch
nicht wieder befahrbar. Das kann auf
den Abbau der Gleise zwischen Neukuhren
und Watzum-Pobethen vom
Frühjahr 1945 zurückzuführen sein.
Die Gleisanlage ist dann in späterer
Zeit wieder hergestellt worden. Bei
unseren Besuchen im Samland nach
1990 war die Samlandbahn-Strecke
nach Königsberg elektrifiziert und wieder
in Ordnung. Die westliche Route
über Warnicken nach Pillau wurde
ebenfalls genutzt und erst in den letzten
Jahren ist der Betrieb auf dieser Strecke
eingestellt worden. Das Gleisdreieck vor
Rauschen-Düne ist aufgehoben. Die
Strecke verzweigt bereits hinter Rauschen-Ort
(Swetlogorsk I) nach Rauschen-Düne
oder Georgenswalde und
Warnicken. So lebt die Samlandbahn
unter veränderten Bedingungen weiter.
Ihre Konzession, auf 99 Jahre ausgestellt,
wurde noch im ersten Jahrzehnt
auf 120 Jahre verlängert.
So schließe ich diese Betrachtung
über unsere Samlandbahn mit dem
alten Werbeslogan der 30iger Jahre:
Zw den Möven an die See
mit Samlandbahn und K C E.
Abschließend bitte ich alle Heimatfreunde
ihre Kenntnisse über Details
zum früheren Betrieb der Samlandbahn
mitzuteilen. Herzlich danke ich Herrn J.
Petzold für seine Recherchen und die
freundliche Überlassung von zahlreichen
Unterlagen und Daten. Mein weiterer
Dank gilt dem Kulturzentrum
Ostpreußen, Ehingen, für den anschaulichen
Streckenplan. Die sonstige, verwendete
Literatur ist jeweils im Text
genannt.
Hans-Georg Klemm
Von Dr. Hans Westenberger, Leiter der
Literarischen Abteilung des Meßamts.
- Fortsetzung aus Folge 146, Seite 25 -
Im Laufe des Sommers 1921 wurden
die Bauarbeiten soweit gefördert, daß
die Herbstmesse bereits in allen sieben
neu erbauten Hallen abgehalten werden
konnte. Sie hatte damit zum ersten Male
den Rahmen, den sie auch in Zukunft
beibehalten wird. Äußerlich ergab die
Messe eine imponierende, nach Branchen
wohl geordnete Musterschau aller
derjenigen Lertigfabrikate, die der
Nordosten Deutschlands und das angrenzende
Ausland notwendig haben.
Vertreten waren Textilwaren aller Art,
Leder, Schuh- und Lederwaren, Möbel,
Haus- und Küchengeräte, Kleineisenwaren
und Stahlwaren, Glas, Porzellan
und Keramik, eletronische Schwachstromartikel,
Beleuchtungswesen, Optik
und Peinmechanik, Edelmetall- und
Schmuckwaren, Musikinstrumente und
Musikalien, Spielwaren, Sportartikel,
Galanteriewaren, Papierwaren und
Bürobedarf, Nahrungs- und Genußmittel,
chemisch-pharmazeutische kosmetische
Artikel, Gegenstände für Bauund
Wohnbedarf, Gas- und Wasseranlagen,
Maschinen und Werkzeuge zur
Bearbeitung von Metallen und Holz,
Beförderungsmittel,' technische Kleineisenwaren,
Drahtwaren.
Diese Branchen waren in den Hallen
untergebracht, die das 15 000 qm große
Gelände einschlossen, auf dem die Ausstellung
landwirtschaftlicher Maschinen
und Geräte Platz genommen hatte.
Mehr als 2000 Aussteller aus Mittel-,
West- und Süddeutschland ebenso wie
aus der Provinz Ostpreußen selbst hatten
ihre Warenmuster ausgebreitet und
zeigten eine sehr reiche Beschickung in
der Qualität wieder friedensmäßig angefertigter
Waren. Von den 38 300 Besuchern
der Messe kann man nach vorsichtiger
Schätzung mindestens 20 000
als Einkäufer ansehen. Der Auslandsbesuch
war doppelt so stark wie zur
Frühjahrsmesse und ist mit 1600 ausländischen
Einkäufern sicher nicht zu
hoch angesetzt. Die meisten Einkäufer
stellte wieder Litauen, das man bereits
ebenso wie die Provinz Ostpreußen als
einen sicheren Absatzmarkt der Ostmesse
betrachten kann. In allen Branchen
herrschte vom ersten bis zum letzten
Tage eine sehr rege Nachfrage, so
daß die Aussteller, von ganz wenigen
Ausnahmen abgesehen, nicht nur auf
ihre Kosten gekommen sind, sondern
sehr gute Geschäfte abgeschlossen
haben. Welch hoher Wert der Messe
aber für die zukünftige Gestaltung der
Wirtschaftsbeziehungen zukommt, zeigte
die rege Anteilnahme der ausländischen
Regierungs- und Pressevertreter,
die aus Litauen und Lettland zum
Besuch der Messe eingetroffen waren.
Mit größtem Interesse haben diese die
Qualität und die Preise der ausgestellten
Muster geprüft und hieraus eine reiche
Belehrung und wertvolle Fingerzeige für
die Orientierung ihres heimischen
Handels gewonnen. Der Besuch dieser
Persönlichkeiten ist um so höher einzuschätzen,
als sie damit öffentlich zum
Ausdruck gebracht haben, daß die
Randstaaten gewillt sind, mit Deutschland
wirtschaftlich zusammenzuarbeiten.
Wenn sich die Erkenntnis von der
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