hieß in den ersten Jahren der Samlandbahn
Wartnicken-Pobethen. Dies führte
bei den Reisenden häufig zu Verwechslungen
mit dem Endbahnhof Warnicken
und natürlich suchten sie nach dem
Aussteigen in Wartnicken die Ostsee
vergeblich. Der Ort wurde dann am
16.11.1902 auf Vorschlag des Gutsbesitzers
von Wartnicken, Baron von
König, nach seinem Heimatort Watzum
(im Kreis Wolfenbüttel) umbenannt und
dieser Ortsnamen ging dann auch in die
Bezeichnung der Bahnstation ein.
Das Einfügen des Bahnhofs Rauschen-Düne
in Verbindung mit dem
Auflassen des Haltepunktes Gaususchlucht
wurde bereits geschildert.
Beim Ausbau der Bahnhofsgebäude
beschränken sich meine Kenntnisse auf
den bereits genannten Nordbahnhof
und auf Rauschen-Düne sowie den
Bahnhof in Georgenswalde. Dieses
heute noch bekannte stattliche Gebäude
mit den Abfertigungsräumen im 2.
Stock soll lt. Wilhelm Westerhausen in
„Unser schönes Samland“, Folge 19,
Seite 26, in den Jahren 1912/13 entstanden
und „das vornehmste und größte an
der ganzen Bahnstrecke“ gewesen sein.
Die Höhe des Bahndamms hatte in
Georgenswalde aber das technische
Manko, daß es hier wahrscheinlich
schwierig war, größere Güter abzutransportieren.
Möglicherweise blieb deshalb
an der Gausupschlucht ein Ladegleis
erhalten. Die Fracht mußte dann wohl
auf der Landstraße nach Georgenswalde
transportiert werden.
Herbert M. Mühlpfordt schildert in
seinem Bericht „Eine Fahrt mit der
Samlandbahn um 1900“, erschienen im
Königsberger Bürgerbrief XVIII )
(1981), das Aussehen der Bahnhöfe
und Haltepunkte der damaligen Zeit
recht anschaulich. Es seien damals
überwiegend Holzhäuschen mit kleinem
Warteraum gewesen. Das Stationsschild
wurde von geschnitzten
Drachenköpfen geschmückt. Nur die
Stationen Drugehnen, Marienhof, Neukuhren,
Rauschen und Warnicken hatten
ein festes Gebäude, ln Gailhöfen
gab es nur das Stationsschild mit einer
Holzbank. Einiges hat sich im Laufe
der Jahre verändert und viele dieser
neueren Bahnhofsgebäude wurden bereits
im Heimatbrief gezeigt.
Anschlußverkehr
Die Streckenführung der Bahn
konnte naturgemäß nicht alle Ortschaften
in angemessenem Abstand
erreichen. Die Landbevölkerung mancher
Orte im Samland hatten bis zu 10
km zum nächsten Bahnhof zurückzulegen.
Um dem abzuhelfen, wurde im
Deutschen Reich, und auch von der
Samlandbahn etwa ab 1932, eine Personenbeförderung
mit Kraftwagen eingerichtet.
1936 bestanden (lt. einer Mitteilung
von J. Petzold) im Samland
folgende Kurse:
• Bhf Watzum-Pobethen - Pobethen -
Grünhoff
• Bhf Drugehnen-Galtgarben - Galtgarben
- Cumehnen
• Rauschen - Pillau (in den Sommermonaten
als Zubringer zum Seedienst
Ostpreußen)
• Warnicken - Groß Dirschkeim
• Warnicken - Palmnicken
Uber den Zubringer von Pobethen
zum Bhf Watzum-Pobethen wurde bereits
von anderer Seite im Heimatbrief
berichtet. Daneben gab es ab 1932 noch
die Rundkurse der Deutschen Reichspost,
die ebenfalls im geringen Maße
Personen beförderten. Sie waren allerdings
nur auf die postbefördernden,
fahrplanmäßigen Züge ausgerichtet.
Das Ende der Samlandbahn
Über „Die Kämpfe um Ostpreußen
und im Samland 1944/1945“ ist in dem
Buch von Helmut Borkowski ausführlich
berichtet. Durch den Vorstoß der
Roten Armee in den letzten Januartagen
1945 kam die Strecke zwischen
Königsberg Pr. und Neukuhren in feindliche
Hand oder lag im Sichtbereich der
Kampflinie. Der letzte Zug von Königsberg
(Pr.) nach Warnicken fuhr am 27.
Januar 1945. Welche Schäden an den
Gleisanlagen bei den Kämpfen entstanden
sind, ist mir nicht bekannt.
Für den Abtransport der Bevölkerung,
der Flüchtlinge und Verwundeten
wäre ab diesem Zeitpunkt eine Bahnverbindung
ab Neukuhren oder Rauschen
bis Pillau sicherlich segensreich
gewesen. Doch, wie weiter vorne geschrieben,
bestand zwischen Groß
Dirschkeim und Warnicken eine Lücke
in der Bahnverbindung. Nach dem Buch
von Hans-Wolfgang Scharf „Eisenbahnen
zwischen Oder und Weichsel“, Freiburg
1981, wurde diese Lücke im Frühjahr
1945 geschlossen.
Leitende Männer der Reichsbahn
und der ostpreußischen Privatbahnen
machten den Vorschlag, die im westlichen
Samland versammelten Eisenbahner
nicht dem Volkssturm einzureihen
sondern für den Ausbau dieser ca. 8
km langen Bahnstrecke einzusetzen. Die
Trasse mit dem Bahndamm bestand
bereits. Es mußten Schwellen, Schienen
und Kleinmaterial beschafft werden.
Diese Materialien wurden nun auf der
Strecke von Neukuhren - Watzum-Pobethen
unter feindlichem Beschuß
und bei starken Verlusten ausgebaut,
nach Warnicken geschafft und dort bis
Groß Dirschkeim eingesetzt. Lokomotiven
und Wagen sollen in der „Georgenswalder
Bahnschlucht“ abgestellt
gewesen sein. Es wurden zwei geeignete
Loks entnommen und ein Zug zusammengestellt,
der, bis auf den letzten Platz
mit Flüchtlingen gefüllt, Pillau erreichte.
Zu einem zweiten Transport nach Pillau
sei es nicht mehr gekommen. Soweit aus
dem Buch von Scharf.
Landrat Klaus von der Groeben
schreibt in seinen Aufzeichnungen über
„Das Ende in Ostpreußen“ (BAK, Ost-Dok
8/531), abgedruckt als Anhang III
in „Im Dienst für Staat und Gemeinschaft
- Erinnerungen“, Seite 293, daß
er sich am 14. April 1945 in Rauschen
aufhielt und es gelungen sei gegen Mittag
einen Zug mit Patienten des Krankenhauses
Rauschen über Warnicken
herauszubringen. Ob dieses der einzige
Zug war, der in allerletzter Minute in
Rauschen abgegangen ist, bleibt ungeklärt.
Mit der Einnahme von Rauschen,
Georgenswalde und Warnicken durch
die Rote Armee war de facto das Ende
der Samlandbahn gekommen.
Ich habe dann im Mai 1945 in Neukuhren
deutsche Soldaten als Gefange-16
17