Königsberger Superintendent Martin
Friczewski, hat mich in Lunden 1957
getraut. Dr. Friczewski und ich sind
beide in Königsberg geboren. Er hatte
zu Kumehnen keine Beziehung, ich
selbst habe dort meine Kinderzeit verlebt
und viele schöne Kindergottesdienste
mit Pfarrer Knobloch erlebt.
Und da schreibt dieser Nicht-Kumehner
in unserem Fleimatblatt, dass es
wichtig wäre, die Kirche vor dem sicheren
Verfall zu retten.
Das hat mich sehr, sehr nachdenklich
gemacht. Dr. Friczewski hat eigentlich
keine Wurzeln in Kumehnen,
aber ich. Was tun? Eines war klar: Der
Konflikt war entstanden und musste
gelöst werden. Meine Entscheidung
fiel dann ziemlich schnell. Unsere Kirche
muss gerettet werden. Mir ist
durchaus bewusst, dass dies kein einfacher
Weg sein wird. Aber es ist für
mich der Weg, meine Wurzeln in meiner
Heimat in sehr bescheidenem
Maße wiederzufinden und über die
Zeit zu retten, vielleicht sogar das Vermächtnis
einer über 600jährigen deutschen
Vergangenheit an uns.
Sie, lieber Herr Groll, beschreiben
bewegend, wie Spallwitten heute aussieht:
„Alles dicht verwachsen, Spallwitten
ist ein Waldstück.“ Goethes
Faust spricht im 1. Teil der Tragödie
den uns allen geläufigen Satz: „Was du
ererbt von deinen Vätern hast, erwirb
es um es zu besitzen.“ Wir werden unserer
Väter Erbe nicht mehr besitzen
können. Aber wir können ein Zeichen
für die europäische Zukunft setzen.
Unsere Heimat soll nicht nur in
Geschichtsbüchern als ehemals deutsches
Land erwähnt werden. Unsere
Dörfer sind geschleift worden. Aber
eines ist uns beiden noch geblieben:
Unsere alte Ordenskirche in unserem
Kirchdorf Kumehnen. Seit über 600
Jahren kündet sie davon, dass unsere
Vorväter im Samland deutsche Geschichte
geschrieben haben. Sie ist ein
Mahnmal und ein Denkmal unserer
Heimat.
Wäre es nicht schön. Ja zum Wiederaufbau
zu sagen und zu überlegen,
wie wir die Sache hinkriegen? Wir
schaffen das. Denn wir sind Ostpreußen,
Samländer der Ev. Kirchengemeinde
Kumehnen aus Dallwehnen.
Groß und Klein Drebnau, Drugehnen.
Galtgarben, Hortlauken, Kalk, Klaukinnen,
Kobjeiten, Kotzlauken, Groß
und Klein Ladtkeim, Marienhof, Nastrehnen,
Pentekinnen, Pojerstieten.
Prilacken, Reessen, Seefeld, Siegesdicken,
Spallwitten, Taplacken, Wernershof,
Wiekau und Kumehnen. Und
vielleicht helfen uns auch unsere
Nachbarkirchengemeinden mit.
Der Förderverein Kumehnen e.V.
ist dabei, ein Nutzungskonzept für das
Kirchengebäude zu entwickeln, das
dann mit allerf interessierten Schicksalsgenossen
und mit den russischen
Bewohnern von Kumatschjowo und
den Behörden der Region Königsberg
abgesprochen werden muss. Wir sind
für jede Anregung und Mitarbeit dankbar.
Eine alleinige Nutzung der Kirche
durch die inzwischen gegründete
russisch-orthodoxe Kirchengemeinde
dürfte nicht finanzierbar sein. Nach
den sofortigen Sicherungsmaßnahmen
am Gebäude und weiteren baulichen
Veränderungen könnten denkbare
Nutzungen sein: Zentrum für russischdeutsche
(europäische) Begegnungen,
Kulturzentrum (Dörfergemeinschaftshaus),
Samland-Museum, Kumehnen/
Kumatschjowo-Archiv, Kirchenarchiv
des Samlandes, Gestaltung des Friedhofes
als Denkmalsanlage mit der
Hineinnahme der umliegenden, nicht
mehr existierenden Kirchen u. a. m.
Zum Schluss möchte ich alle Mitglieder
unserer alten Kirchengemeinde
Kumehnen und alle Samländer, die
wir über die Bundesrepublik verstreut
leben, bitten, meine Gedankengänge
nachzuvollziehen. Wenn Sie zu einem
anderen Schluss kommen als ich, ak-M
................. Report
Als wir kurz vor Ostern d.J. bei Elbing
über die ehemalige Grenze nach
Ostpreußen fuhren, empfing uns das
schönste Osterwetter. Wir konnten es
kaum glauben, waren wir doch stundenlang
in der Bundesrepublik und
Polen nur von dicken Regenwolken
begleitet worden. Zu unserer Überraschung
waren trotz vorangegangener
Kälte bereits alle Storchennester besetzt.
Da war es wieder dieses unbeschreibliche
Gefühl: Wir sind in der
Heimat angekommen!
In Cranz/Selenogradsk hat sich seit
der Wahl schon so manches zum
Positiven gewandelt, obwohl das große
.Stühlerücken“ noch nicht ganz abgeschlossen
ist. Beim Besuch der neuen
Stadt-/Kreisverwaltung wurden wir
zeptiere ich dies. Wenn Sie aber meiner
Sicht folgen wollen, sollten Sie unserem
Förderverein beitreten. Der
Mindestbeitrag beträgt jährlich 20,00
DM / 10,00 Euro. Spenden sind selbstverständlich
herzlich willkommen. Der
Förderverein ist steuerlich anerkannt.
Wenden Sie sich an mich. Ich werde
mich umgehend mit Ihnen in Verbindung
setzen.
In heimatlicher Verbundenheit
Ihr Lothar Dufke, Wilhelmstraße 55,
25774 Lunden
Telefon / Fax: 0 48 82 - 1055 / 6 30 15
(bald auch e-mail)
aus Cranz/Selenogradsk
mit der Ankündigung über eine geplante
„850-Jahr-Feier“ der Stadt für
das nächste Jahr überrascht. Diese
Jahreszahl wurde einer aus der Sowjetzeit
stammenden Unterlage entnommen!
Auf unsere Bedenken, daß dieses
Datum nun wahrlich nicht urkundlich
nachgewiesen werden kann und dafür
lieber in diesem Jahr das 185-jährige
Bestehen des Kurortes gefeiert werden
könnte, kam der Einwand, daß einfach
die Zeit wegen des Führungswechsels
nicht mehr ausreiche. Für so eine Veranstaltung
wird eine recht lange Vorbereitungszeit
benötigt, wenn alles
klappen soll! Es wird also wohl bei der
„Feier“ im nächsten Jahr bleiben, obwohl
u.a. auch die Museumsleitung
Einspruch eingelegt hat. Zu meiner