zwischen 1945 und 1947 gemeinsam
mit ihrer Mutter, ihrem Bruder und
ihrer Großmutter in Cranz erlebt. Sie
ist heute noch von den damaligen Geschehnissen
gezeichnet. Ihrer Mutter
hatte sie auf dem Sterbebett versprochen,
die Tagebuchaufzeichnungen als
Mahnung für spätere Generationen zu
veröffentlichen. Das gelang ihr erst
nach fast 10 Jahren zäher und beharrlicher
Bemühungen, weil solche wahren
Erlebnisse und Schicksale nicht in das
Bild des heutigen Journalismus und
der Politik paßten.
Obwohl Frau Ewert-Köhn als Kind
zwischen 1945 und 1947 in Cranz
Unmenschliches erleben mußte, hat
sie vielleicht den Glauben an die Menschen,
aber nicht die Heimatliebe verloren.
Sie schreibt mir wörtlich:
“Beim Durchstöbern meiner Schriftsachen
fiel mir ein kleiner Zettel in die
Hand. Darauf stehen meine Gedanken,
die mich überkamen, als ich zum ersten
Mal seit 1945 am Ufer der Ostsee in Cranz
stand.
Ich stehe im Sand
am ostpreußischen Strand
Heimat in fremder Hand -
Spürst du mein Sehnen
Und es netzen meine Tränen
Die Erde im Vaterland.
Es spiegelt meine Empfindungen
wider. Damals war ich mit Kurt
Schönwald zusammen. Wir beide standen
am Ufer und hielten uns umfangen und
heulten um die Wette. Sogar dem uns begleitenden
Russen liefen die Tränen angesichts
unseres Ausbruches. Sie werden
mich bestimmt nicht auslachen deswegen,
nicht wahr?”
Frau Ewert-Köhn hatte recht. Ich
habe sie nicht ausgelacht, sondern
meine eigenen Tränen zurückgehalten.
Ein ernsthafter Freund und Forscher
des Projektes “Ostpreußische
Kleinbahnen” übersandte mir das
Duplikat einer Ansichtskarte von
Cranzbeek, auf der neben dem ersten
Salondampfer “Cranz” und einer
Lokomotive der Königsberg-Cranzer-Eisenbahn
ein sogenannter “Zippelkahn”
abgebildet ist. Ich erinnere
mich, daß mit solchen Kähnen Zwiebeln,
Kartoffeln, Gurken und anderes
Gemüse vom Moosbruch nach Cranz
gebracht und dort verkauft wurden.
Obwohl ich im Heimatblatt 11/2000
bereits eine Abbildung des Seitenraddampfers
“Cranz” und seine technischen
Daten veröffentlicht hatte, erscheint
meine Neuerwerbung in dieser
Heimatblattausgabe. Mit dieser
Aufnahme sollen Ihre Erinnerungen
an den “Zippelkahn” und seine Menschen
aus dem Moosbruch und weniger
an den Dampfer “Cranz” geweckt
werden.
Kürzlich erhielt ich von einer aufmerksamen
Leserin der russischen
Zeitschrift fKönigsberger Express’, die
in Kaliningrad mit deutschem Text
herausgegeben wird, einen interessanten
Hinweis. In einer Anzeige des vorgennanten
Blattes wird ein Haus mit
Komfort in Selenogradsk zum Preis
von 30.000 Dollar zum Kauf angeboten.
Näheres wäre über eine
Telefonnummer in Hannover zu erfahren.
Dort hat sich eine Russin gemeldet,
die seit mehreren Jahren in
Hannover wohnt. Nach deren Aus28
kunft würde das Verkaufsobjekt an der
ehemaligen Hauptstraße in Cranz in
der Nähe der See liegen und von
einem Garten umrahmt sein. Klaus
Lunau und seine Frau Valentina wollen
anläßlich ihres nächsten Besuches
Xurische Nehrung
schon jetzt danach auszurichten.
Vergessen Sie bitte nicht, die
Quartiersfrage rechtzeitig zu klären.
Infolge der Erkrankung meiner
Frau und eigener gesundheitlicher
Schwierigkeiten fehlte mir die Zeit,
S a l o m C - i m p f c r C r a n z i n C r a n z b r t k
Etwas verdeckt vom Dampfer "Cranz" liegt der von uns so genannte "Zippelkahn". Sein Tiefgang zeigt an, daß
seine Ware noch nicht verkauft ist.
in Cranz feststellen, um welches Objekt
es sich handelt. Ob ein Kauf durch
Bürger der Bundesrepublik
Deutschland überhaupt möglich ist,
möchte ich bezweifeln.
Der Kreis Pinneberg übernahm im
Jahre 1951 eine Patenschaft über den
Kreis Fischhausen. Sie besteht somit
50 Jahre und wird beim nächsten
Kreistreffen am 15./16. September
2001 in Pinneberg mit einem besonderen
und umfangreicherem Programm
gewürdigt werden. Ich empfehle, den
Besuch dieses Treffens nicht zu versäumen
und Ihre Urlaubsplanungen
notwendige Gespräche hinsichtlich
meiner Nachfolge als Ortsvertreter zu
führen. Ich hoffe, Ihnen im nächsten
Heimatbrief in dieser Angelegenheit
Positives berichten zu können.
Ich grüße Sie, verbunden mit den
besten Wünschen für ein frohes Osterund
Pfingstfest,
Ihr Walter Rosenbaum, Gerhardstraße
23, 27576 Bremerhaven,
Telefon: 0471 - 55008, auch im
Namen von Bruno Radtke, Hemmstraße
306, 28215 Bremen, Telefon:
0421 - 351203
und unserer Frauen. 29