fullscreen : Unser Schönes Samland

Liebe Heimatfreunde aus Rauschen

und den Schulbezirken Craam, Qeorgenswalde

Bevor ich meinen Bericht
 über unsere Heimatorte
 fortsetze, danke
 ich allen Teilnehmern
 aus unserem
Heimatbezirk, die zum
Hauptkreistreffen der
Kreisgemeinschaft
Fischhausen in Pinneberg
 gekommen waren.
 Mit 59 Personen waren wir in diesem
 Jahr nur etwa 2/3 der Teilnehmer
des letzten Jahres, doch der Besuch entsprach
 dem von vor 2 Jahren. Im vorigen
 Jahr bestand durch die vielfältigen
Aktivitäten aus Anlass des Patenschafts-Jubiläums
 ein besonderer Anreiz und in
diesem Jahr waren wir bereits beim Ostpreußentreffen
 in Leipzig zusammen. Interessant
 ist, dass der Besuch aus den
Orten der Gemeinde St. Lorenz steigt,
während leider die Teilnehmerzahl aus
dem Seebad Rauschen rückläufig ist. Von
Georgenswalde / Wamicken ist immer ein
kleiner, treuer Stamm dabei.
Bedauerlicherweise stand uns in diesem
 Jahr der gewohnte Salon im Hotel
Cap Polonio nicht zur Verfügung und ich
musste uns im Saal Platz reservieren. Für
das nächste Treffen rechne ich mit einer
besseren Lösung.
Es gab an beiden Tagen genügend Gelegenheit
 zum Erinnerungsaustausch und
am Sonntag hörten wir den ausgezeichneten
 Festvortrag von Ehrhardt Bödecker
„Vae Victis, wehe den Besiegten“, der in
diesem Heft wiedergegeben ist.
Meine Berichte über unsere Heimatorte
 werden fortgesetzt. Zu den Artikeln
von St. Lorenz und Alexwangen sind einige
 interessante Ergänzungen eingegangen,
 die ich in einer der späteren Folgen

zusammenfassen werde. Ich hoffe, Sie,
liebe Rauschener, nehmen es mir nicht
übel, wenn ich solange im Lande umherschweife.
 Doch die Reihe über Rauschen
 und die dort eingemeindeten Orte
folgt noch.
Aus der Gemeinde St. Lorenz wäre im
Alphabet der Ort Obrotten an der Reihe.
Doch über Obrotten erschienen von mir
bereits in den Folgen 99 und 116 entsprechende
 Berichte zur Ortsgeschichte.
Die Verarbeitung neuerer Erkenntnisse
und einen Bericht über das RAD-Lager
der weiblichen Jugend plane ich für später.So
 kann ich diesmal über das Gut
Tykrehnen berichten.

Tykrehnen ist in der Gemeinde St.
Lorenz zusammen mit Nortycken der
Zweitälteste, urkundlich 1405 als
Tickrieyen genannte Ort1. Wie fast bei
allen Orten hat sich auch hier die Schreibweise
 im Laufe der Jahrhunderte verändert.
 Die Urkunde von 1405 liegt mir
nicht vor. Die nachfolgend auszugsweise
abgebildeten Urkunde wurde 1466 ausgefertigt.
 Sie nennt eine Verschreibung
von VII Huben (~ 117 ha)2. Land für
Thomas Thickerien (s. Überschriftszeile)
durch den Hochmeister des Ordens,
Ludwig von Erlichshausen (s. 1. Zeile).
Diese 7 Huben sind auf verschiedene
Plätze verteilt: 4 Huben zu Sanditten, 2
Vi Huben zu Dickerien und Vi Hube zu
Obroten (s. Zeile 12 bis 14). Wenn man
Dickerien als eine alte Schreibweise von
Tykrehnen ansieht, dann lag dieses Land
wie auch die halbe Hube zu Obrotten im
Kirchspiel St. Lorenz. Dagegen liegt
Sanditten weiter östlich im Kreis Wehlau.


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Urkunde für Thomas Thickerien von 1466 (Quelle: QstA
PK, XX. HA, OF 94)

Möglicherweise hat auch hier die
Familie des Thomas Thickerien
dem Ort den Namen gegeben. Es
liegen keine Unterlagen vor, wie
lange diese Familie dort ansässig
war und welche weiteren Besitzer
es dort gab.
Bei Oskar Schlicht wird über die
frühe Vergangenheit von Tykrehnen
 nichts erwähnt und ich selbst
habe für die Folgezeit keine Unterlagen
 gefunden. J. F. Goldbeck
nennt 1785 Tykrehnen als Cölmisches
 Dorf mit 6 Feuerstellen3.
Besitzer aus dieser Zeit sind nicht
bekannt. Der Häuserbestand scheint
auch 1820 unverändert gewesen zu
sein. Samuel Gottlieb Wald gibt in
seinem Werk ebenfalls 6 Feuerstellen
 und 39 Einwohnern an4. Dies
mögen die beiden in späterer Zeit bekannten
 großen Bauernhöfe mit den Instleuten
 gewesen sein.
In den Grundbesitzverzeichnissen ist
1907 Tykrehnen noch als Dorf mit einem
 Hof des Robert Schneege vermerkt.
In späteren Verzeichnissen erscheint es
unter demselben Besitzer als Gut.
Oskar Schlicht schreibt in „Das westliche
 Samland“, Bd. 2, Seite 121: „In
Tykrehnen, um 1400 Tiekrieyne genannt,
sitzt seit Jahrhunderten die altpreußische
Familie der Schneege, leider nur einer
der wenigen Ausnahmefälle von Bodenständigkeit
 im Samland.“
Dies scheint nur zum Teil richtig zu
sein. Ruth Schneege, die Gattin des letzten
 Besitzers Max Schneege, hat nach dessen
 Erzählung notiert:
„Ursprünglich stammen die Vorfahren
Schneege aus Pokirben bei St. Lorenz,
einem Hof von damals ca. 250 ha. Im 17.
Jahrhundert hat der Große Kurfürst Johann

Peter Schnee für besondere Verdienste
diesen Hof zum Geschenk gemacht. Dies
ist aus den Kirchenbüchern zu ersehen
gewesen. Hier taucht später der Name
Schneege auf - wahrscheinlich eine Verniedlichung.
 Aus Schnee ist dann
„Schneeche“ oder „Schneege“ geworden.
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts bleibt der
Hof Pokirben im Besitz der Familie
Schneege. Wie kam sie nun nach Tykrehnen?


Hier wirtschaftete eine Witwe Pelz auf
dem Hof von etwa 125 ha. Johann Samuel
 Schneege, geb. 1822, gest. 1882, Besitzer
 von Pokirben, heiratete sich hier
im Jahre 1860 ein. Die beiden Höfe erbten
 später die beiden Kinder aus dieser
Ehe. Robert Schneege, geb. 1862, gest.
1935, blieb in Tykrehnen. Die Tochter
Hermine, verehelichte Sellnick, erbte den
Hof Pokirben.
In Tykrehnen wurde 1862 ein neues
Wohnhaus gebaut und später der Nach- 39