schichte kennen wir nicht. Wir fragten
uns nur, was sollte der ganze Aufwand,
wenn die polnischen Zöllner die Verstecke
kannten? In Danzig stiegen wir wieder
in einen Zug, der richtig europäisch
aussah. Mit Liegewagen und ordentlichen
Toiletten und Waschkabinen. Die
drei letzten Waggons wurden wieder
nach Berlin umgeleitet, während der richtige
Zug nach Zakopane weiterfuhr. Wir
sind aber um Erlebnisse reicher geworden
und waren froh, wieder in Berlin in
einigermaßen geordneten Verhältnissen
gelandet zu sein.
Ob wir die Fahrt noch einmal machen
würden? Ich weiß es nicht. Gelangweilt
haben wir uns jedenfalls nicht. Heute
hörte ich, dass ein Bus mit Touristen nach
Königsberg in Polen vier Stunden an der
Grenze warten musste oder dass das Flugzeug,
welches von Hannover nach Königsberg
fliegt, mit vierstündiger Verspätung
abflog. Problemlos fahrt man nicht
dorthin. Man fragt sich nur, was ist das
kleinere Übel? Bleibt noch der Seeweg
über Litauen, vielleicht ist dieser Weg
der bessere.
Es grüßt Euch nun ganz herzlich Eure
Hanni Lenczewslci-Wittke
Hummelnstück29
58762 Altena,
Tel.02352/52668
Vatellt ... von Eva Morell
Freher to Großellerns Tied, un ok noch
onsere Öllem, hadde veele Famielje doch
recht veele Kinder. So verteil ick mol
von diese ene Famielje, watt seck da
affgespelt hätt om ditt to vermeide.
Ett were schon eniege Kinderkes da,
so an de Stöcker vief. Da mente doch
beide Öllern, datt datt nu Kinderkes
genoch were. So ewerlecht nu beide, watt
da wohl to moke wöhr, om den Kindersegen
to stoppe. Ett ging henn on her, un
keina wüste Roat. So meine se doch mol
den Docktake to froge, de wer doch en
studerter Mann on must datt wull wete.
Am andern Morje steiht de Vodderke
freh opp un wascht seck ordentlich, so
datt de Hut vom rubbeln ganz rot wear.
Dann kem noch ordentlich Pomad ent
Haar, un en flotten Scheetel wurd ok noch
gekämmt, denn dem Hot opp den Kopp,
on de Steewel an on de Handstock en de
Hand. So ging Vodderke denn los tumm
Docktake.
To Huus bibbert on luert de Mudderke.
Als et denn to Meddach to ging, ment
se dat he doch bold torich sien must on
kickt so dorch datt Fensta, on sech da,
ganz wiet noch, watt ankome. Se weer
so obgerecht, on zettert so en beske.
„Watt de Docktake woll gesecht hett?“
Als de Manncke nu neja kemmt, mockt
se schon de Deer opp. Owa se krecht
en Schreck, watt mockt he blos fa
griesichches Gesecht. On als he renn
kemmt schuppst he er ock noch so beske
noe sied. Watt de Dockta nu gesecht
hätt, trut se gar nich mehr to froge.
So vergeiht de Dach, ohne dat se
metenander spreke. Se frocht nich mehr,
on he secht ok nuscht. So ging datt bett
tom Owend henn, als Tied wehr int Bett
to gohne, drellt he sien Bettich tosamme
on well vaschwinde. Se krecht em grod
noch am Arm topacke, on hält em torich.
„Over Vodderke, Vodderke, wo welste
denn henn?“ „Na oppe Lucht, de Dock-64
take hät gesecht, öck sull ob de Lucht
schlope.“ „Over Vodderke, wenn du
menst datt datt helpt, denn kann eck doch
mettkome.“
Pinneberger Nachlese
Ein
erlebnisreiches Wochenende war
zu Ende gegangen: das Kreistreffen
der Samländer in Pinneberg. Ich bestieg
den Zug zur Rückreise in den Alltag. Und
Bücher hatte ich wieder gekauft! Kaum
hatte ich meinen Platz im Abteil eingenommen,
drängte es mich, schon mal zu
lesen, was es da so zu erfahren gab. Es
freut mich immer wieder sehr, aus solchen
Quellen ein Stückchen Heimat zu
schöpfen und mich hier und da in den
Gedanken der Verfasser wiederzufinden.
Da sitze ich nun im Zugabteil, alleine
und bin ganz vertieft in „Agnes Miegel“,
als der Zug hält und eine Gruppe fröhlicher
junger Mädchen die Köpfe in „mein“
Abteil mit der Frage steckt: „Ist da noch
alles frei?“ Ich bejahte und sie stürmten
„mein“ Abteil und mit der Versunkenheit
war es vorbei. Trotzdem versuche ich zu
lesen, schiele aber ab und zu über den
Buchrand zu den Mädchen. Sie redeten
durcheinander und lachten ab und zu aus
vollem Herzen. Auf einmal wurde es stiller.
Haben wohl auserzählt oder nicht für
meine Ohren Bestimmtes, dachte ich
wieder über den Buchrand schielend.
Dann nur noch leises Gemurmel und ich
bemerkte, dass sie mich interessiert beobachteten.
Zuerst dachte ich, ist mein
Kleid zerrissen oder habe ich ein Loch
im Strumpf? Nachdem ich an mir herunter
sah und feststellte, dass alles in
Ordnung war, ließ ich „Agnes Miegel“
sinken und sah die Mädchen freundlich
Eva Morell
An den Ziegelteichen 14
21217 Seevetal
an. Sie lächelten zurück, doch ein wenig
befangen wie mir schien. Aha, dachte ich,
jetzt weiß ich, was euch interessiert: Es
ist mein Kleid! Ich hatte mich nämlich
vor der Heimfahrt nicht mehr umgezogen
und präsentierte mich stolz in meinem
schönen blauen Ostpreußen-Kleid
mit rotgestreifter Schürze und weißer
Bluse und fühlte mich wohl und eins mit
mir. Sie hatten wohl schon gerätselt, was
das denn für eine Tracht sei. Dann trauten
sie sich doch und fragten. Nun machte
ich es spannend und ließ sie raten.
Als Hilfestellung gab ich ihnen das „0“
als den Anfangsbuchstaben des Landes,
aus dem dieses Kleid stammt. Prompt
kam: „Österreich“ „Nein.“ - „Öland.“
„Nein „ - „Ostdeutschland,“ „Nein“ -
„In Europa?“ „Ja.“ - Dann wie aus einer
Pistole geschossen und sehr überzeugend
„Ostpreußen!“ „Jaaa!“ Doch nun war die
Überraschung auf meiner Seite. Woher
wissen diese 15 - 16jährigen von Ostpreußen,
das ist schon selten. Auf meine
Frage, wie sie auf Ostpreußen komme
und was sie davon wisse, sagte sie, dass
ihre Oma aus Ostpreußen stamme.
Die Oma hatte wohl einiges aus diesem
Lande erzählt, unter anderem auch von
„unserem Stein“, dem Bernstein. Ich trug
auch ein Gliederarmband aus Bernstein ,
eine große Bemsteinbrosche am Halsausschnitt
der Bluse und das Kleid hatte
noch Bernsteinknöpfe. Das alles hatte
ihre Aufmerksamkeit gefesselt. Sie wür- 65