Full text : Unser Schönes Samland

bem auf einem Umkreis von 8 m im Jagen
 75 von der Prussia geöffnet und erforscht
 worden. Weitere Grabstätten, die
im Georgenswalder Gebiet lagen, sollten
 ihre Ruhe behalten.
Georgenswalde entstand durch die Verleihung
 von 5 Hufen und 22 Morgen
„unurbaren“ Landes, das zwischen der
Wildnis Görge, der Warnicker Grenze
und der offenbaren See lag, durch Kurfürst
 Georg Wilhelm am 7. Juli 1629 als
erbliches Eigentum an den Warnicker
Wildnisbereiter Caspar Cawemann. Wie
die Geschichte erzählt, hatte Cawemann
seinem Herrn, der bei einer Jagdpause
von einem Bären angegriffen wurde, das
Leben gerettet. Und offenbar wurde der
Besitz nach dem Kurfürsten Georg oder
nach der Görge dann Georgenwalde (ohne
 „s“) genannt, was sich später in Georgenswalde
 änderte. Das etwa 1618 erbaute
 Jagdhaus des Kurfürsten am Rande der
Jörge soll zum Mittelteil des Gutshauses
geworden sein.
Nach Caspar Cawemann erbte sein
Sohn das Gut. 1677 heiratete Hennig
Weydemeyer in das Gut ein. Es folgten
weitere, nicht genannte Besitzer. 1778 gehörte
 das Gut Johann Friedrich Bergau.
1785 wird Georgenswalde als Cölmisches
Gut mit 2 Feuerstellen genannt. Es blieb
dann im Besitz der Familie Bergau bis
es 1870 von den 3 Königsberger Kaufleuten
 Gaedecke, Aronson und Simon erworben
 wurde mit der Absicht, in den
Schluchten an der Küste nach Bernstein
zu graben. Als sie dafür keine Genehmigung
 erhielten, ging der Besitz an Gaedecke
 allein über, der Friedrich August
Neumann als Verwalter einsetzte und es
diesem 1878 verkaufte. Dessen Sohn Artur
 Neumann verkaufte das Gut dann
1907 an die Landbank AG, Berlin, die

1908 die Genehmigung erhielt, den östlichen
 Teil des Gutes mit 75 ha in eine
Villenkolonie mit Seebad umzuwandeln.
Der westliche Teil mit ca. 200 ha wurde
als Gutsbetrieb weitergeführt. Diesen erwarb
 Rudolf Bergau von der Landbank.
Er verkaufte diesen Besitz vor 1917 an
Major Waldemar Rade. Waldemar Rade
wurde beim ersten Durchbruch der Roten
 Armee Anfang Februar 1945 in seinem
 Gutshaus ermordet.
Neben dem Gut gab es in früherer Zeit
das „Waldhaus“ in der Nähe der Gausupschlucht;
 ein Gasthaus mit Herberge für
Reisende, die von Königsberg über Rauschen
 zur Försterei Warnicken und weiter
 wollten. Dieses ist somit das älteste
Gebäude im Bereich der späteren Villenkolonie.

Bereits von 1882 bis 1884 gab es in
Georgenswalde in den Sommermonaten
eine Postagentur. Dies läßt auf einen beginnenden
 Badebetrieb schließen. Seit
1900 hatte Georgenswalde Bahnanschluss.
 Der erste Bahnhof bestand allerdings
 nur aus einer einfachen Bretterbude.



Entstehung der Villenkolonie
Der Plan der Landbank AG von 1908
zeigt zahlreiche Straßen mit fast 400
Parzellen in stattlicher Größe. Die Kreisbehörde
 knüpfte an diese Anlage zahlreiche
 Bedingungen, wie: Bereitstellung
von Schulland, Sicherung der Ortsarmen,
Anlage eines Friedhofs, Befestigung von
Straßen, Sicherung des Küstenstreifens
und anderes. Der Küstenstreifen bis zum
Wamicker Park mit etwa 21,5 ha sollte
zum Gemeindeland werden.
Kurz nach der Bewilligung des Bebauungsplans
 wurde mit der Anlage der Straßen
 und Plätze und mit dem Bau der ers-46



ten Villen Agnes, Cäcilie, Elsa, Helga,
Meeresblick und Waldfriede sowie mit
dem Bau des zentralen Wasserwerks begonnen.
 1910 soll es bereits 16 Häuser
gegeben haben. Die Initiative der Badeverwalter
 führte zu regem Verkauf der
Parzellen. 1912/13 begann dann das Bauen
 im großen Umfang. Unter Hauptmann
 Oesterreich als Badeverwalter wurde
 das Kurhaus noch vor Ausbruch des
1. Weltkriegs fertiggestellt. Seit 1912
hatte die Villenkolonie eine Postagentur.
Und auch das Bahnhofsgebäude erhielt
die spätere, massive Form. Als Hauptmann
 Oesterreich im 1. Weltkrieg zum
Militär ging, übernahmen Beamte der
Landbank vorübergehend die Badeverwaltung.
 Ihnen folgte Walter Curland
als Badeverwalter, der dieses Amt bis zur
Ge-meindebildung 1926 inne hatte.
In der Zeit von Hauptmann Oesterreich
 und Walter Curland wurden der
Grundstein für die gedeihliche Entwicklung
 der Villenkolonie gelegt und die
Basis für eine Landgemeinde geschaffen.
 An der Warnicker Straße wurde

1913 die Schule
 gebaut. Der
erste Lehrer in
Georgenswalde
war bis 1927
Fritz Dittmann.
Bis 1913 gehörte
 Georgenswalde
 zum
Schulbezirk
Rauschen.
Noch weiter als
dieser Schulweg
 für die
Kinder war der
Weg der Kirch-(Samml.
 .. _,

ganger. Georgenswalde
 gehörte zum Kirchspiel St.
Lorenz und kam dann erst 1929 zu dem
neu gebildeten Kirchspiel Rauschen.
1912 wurde der Grundbesitzerverein
Georgenswalde e.V. gegründet. Um den
Fremdenverkehr zu forcieren, hatte er es
sich u.a. zur Aufgabe gemacht, einen
kostenlosen Wohnungsnachweis einzurichten.
 Zum ersten Leiter des Vereins
wurde Rittmeister Lübbert gewählt.
Während in den ersten Jahren die benötigten
 Lebensmittel noch mit Pferd
und Wagen aus den Nachbarorten angeliefert
 wurden, zogen mit zunehmender
Einwohnerzahl und dem Zustrom von
Gästen nun auch Kaufleute hierher und
eröfifneten Geschäfte. In den Aufzeichnungen
 wird Frau Rosa von Gezicky,
später verh. Albrecht, genannt, die mit
Charme und Fleiß bei den Georgenswaldem
 beliebt wurde und ihr Geschäft
 erfolgreich vergrößern konnte. Es
folgten weitere Geschäfte, Pensionen
und Gasthäuser, so dass der Ort in den
30er Jahren eine solide Infrastruktur hat­ te.