Full text : Unser Schönes Samland

(eine Art Lebenslauf) von ehern. Einwohnern
 (z.B.: wo hat man gewohnt, Familienverhältnisse,
 wie, wann und unter
welchen Begleitumständen wurde Cranz
verlassen, wo war man bei Kriegsende,
besondere Erlebnisse, was ist aus einem
(und ggf. aus der Familie) geworden (Beruf,
 Wohnort, Familie etc.). Die heutigen
 Bewohner unseres Heimatortes sind
in der Zwischenzeit sehr an der Vergangenheit
 interessiert und möchten auch
gerne erfahren, wie wir hier gelebt, gewohnt
 haben usw.
Also bitte: Feder zur Hand und alles,
was wissenswert ist aufschreiben und mir
übersenden. Sie tun es auch für das
Wachhalten der Vergangenheit unserer
schönen, unvergessenen Heimat!
Zum Schluss noch eine Nachricht, die
uns eigentlich alle berühren sollte: Der
ORS bietet - wegen fehlender Nachfrage
 - keine Reisen mehr nach Cranz an!
Es ist schade, dass kaum noch Interesse
an Besuchen in unserem Heimatort besteht!
 Zwar kann man „Königsberg“ oder
„Rauschen“ buchen, doch ich meine, das
ist nicht mit Cranz zu vergleichen.
Dort erinnert uns doch jedes Fleckchen
an unsere so unbeschwerte, glückliche
Kindheit. Am Strand entlang oder durch
den Wald zu wandern, abends dem Rauschen
 der See zu lauschen oder die an
der Ostseeküste einmalige gewaltige
Brandung zu beobachten, das sind Erlebnisse,
 die man nirgends sonst so erleben

 kann. Gewiss, eine Reise dorthin ist
verhältnismäßig sehr teuer - doch ich
meine, jede neue Begegnung mit der
Heimat ist ein Opfer wert! Je öfter ich
dort hinfahre, je mehr zieht es mich
immer wieder dort hin!
Interessant dabei ist, dass ich immer
wieder Dinge entdecke, die ich in der
Vergangenheit überhaupt nicht wahrgenommen
 habe, obwohl ich x-mal daran
vorbei gegangen bin! Wer von uns hat
sich damals schon Gedanken über die
vielen schönen Schnitzereien an den Veranda-
 oder Hausgiebeln gemacht? Ist es
jemandem aufgefallen, dass die Motive
viele heidnische Symbole der pruzzischen
Volkskultur enthalten? Leider sind - aus
Geldmangel - viele dieser wahren Kunstwerke
 dem Verfall preisgegeben. Der
Wille zu deren Erhalt ist jedoch schon
ansatzweise zu erkennen.

In diesem Sinne grüßt Sie mit dem obligatorischen
 Flundergruß

Ihr
Klaus A. Lunau
Bahnhofstr. 14
30853 Langenhagen
Tel. 0511-773407
Fax 0511-7684843
e-mail KALUN@t-online.de

Redaktionsschluss für Folge 154

ist der 10. April 2002

J

100. Qeburtstag von Lina Fischer -

und ein Nachruf

Frau Fischer wurde am 07. Dezember
1901 als Lina Schmidtke in Cranz geboren
 und vollendete am 7. Dezember 2001
das 100. Lebensjahr. Sie konnte sich der
Geburtstagsglückwünsche zu ihrem besonderen
 Ehrentag leider nur kurz erfreuen,
 weil sie bereits am 14. Dezember
2001 nach einem erfüllten Leben diese
Welt verließ.
Nach glücklich verbrachter Kinderund
 Jugendzeit im schönen Ostseebad
Cranz ging sie am 27. September 1929
mit dem ebenfalls in Cranz geborenen
Walter Fischer die Ehe ein. Die ersten
Jahre ihrer Ehe verbrachte das Paar in
Cuxhaven, wo der Mann bei der Marine
diente. Das zwischenzeitlich mit zwei
Töchtern und einem Sohn zu einer Familie
 angewachsene Ehepaar zog 1935
aus beruflichen Gründen nach Magdeburg.
 Dort wurde eine dritte Tochter geboren.

Im Jahre 1955 verließen
die Eltern die damalige
DDR und siedelten sich
in Hildesheim an. Der
Ehemann war dort bis
zu seiner Pensionierung
bei der Regierung als
Verwaltungsbeamter tätig-Danach

 bezog das
Ehepaar Fischer ihr in
Langen bei Bremerhaven
 erworbenes Haus.
Ihre älteste Tochter hatte im nahe gelegenen
 Krankenhaus eine Arbeit als Krankenschwester
 aufgenommen, um ihren
Eltern im Alter Stütze und Pflegerin zu
sein. Gott hatte leider andere Pläne; die
Tochter starb. Nach diesem Schock zog
es das Ehepaar nach Cuxhaven, wo ihre

Ehe begonnen hatte. Im Alter von fast
80. Jahren kauften sie dort ein Reihenhäuschen
 und verlebten noch fast 10
schöne gemeinsame Jahre voller Harmonie.

Im März 1990 verlor Frau Fischer ihren
Mann. Sie zog nach Hamburg in eine
schöne Altenheimwohnung ganz in der
Nähe ihres Sohnes und genoss somit in
großem Maße auch eine familiäre Betreuung.
 Das Schicksal bescherte ihr neben
den vier Kindern auch fünf Enkel und
sechs Urenkel.
Am 14. Dezember 2001 ist Frau Lina
Fischer, geh. Schmidtke, nach einem langen
 und erfülltem Leben friedlich von
dieser Welt gegangen. Sie war nach den
Worten ihrer Kinder der Mittelpunkt der
Familie. Der Trauergottesdienst fand am
21. Dezember 2001 in der Luther-kirche
Hamburg-Wellingbüttel statt und wurde

von einer Enkelin der
Verstorbenen als Pastorin
zelebriert.
Mit dem Ehepaar Fischer
 fühlten sich meine
Frau und ich besonders
verbunden, weil wir aufgrund
 unserer gemeinsamen
 Arbeit für die Cran-*

zer Heimatgemeinschaft
zwischen 1977 und 1987,
in der Walter Fischer die
Cranzer Geburtstagsliste
führte, öfters zusammenkamen.
 Gern erinnern wir uns an die
schönen Nachmittage am Kaffeetisch von
Frau Fischer bei selbstgebackenem Kuchen
 und gemütlichem Plachandern über
Cranz. Als geborene Cranzer und
aufgrund ihres Alters wussten Fischers
Dinge, die ich nicht mehr gekannt und

Frau Lina Fischer im Jahre 1992