Full text : Unser Schönes Samland

schwedische Burschen mit ihrem kleinen
Boot an unserer Küste gestrandet. Der
eine hatte 600 Gulden, das war sehr viel
Geld. Damit ging er nach Amerika. Die
anderen wurden sesshaft. Alle drei hießen
 Luick. Da früher die Familien viele
Kinder hatten, verbreitete sich der Name
Luick sehr stark, so dass in den Jahren
1920-1935 etwa 23 Familien mit dem
Namen Luick in unseren Orten Gr. und
Kl. Kuhren ansässig waren. Fast alle hatten
 einen Beinamen, damit der Postbote
es leichter hatte und man wusste, von
wem man sprach.
Früher war das Fischen mit den kleinen
 Booten sehr gefährlich. Viele Fischer
sind ertrunken. Auch mein Großvater und
der Vater von Traute Mai. Einige werden
 sie noch gekannt haben. Wenn der
Wind aus einer westlichen Richtung mit
den entsprechenden Windstärken kam,
spülte die See viel Seetang an. Darin
befand sich Bernstein. Die Fischer hatten
 große Käscher mit denen sie dann in
die See hinein gingen, um Bernstein zu
fischen. Wir Kinder lasen am Strand die
kleinen Stücke auf und machten uns so
manchen Dittke.
Im Dezember 1931 war ein sehr großer
 Sturm mit Windstärken von 11 und
mehr - schon ein Orkan, Die Wellen
peitschten gegen die Steilküste. Die Fischer
 hatten ihre Boote an Bäumen festgebunden.
 Dann setzte ein starker Frost
ein und die See war soweit das Auge
reichte zugefroren. Der Sturm hatte die
vor Brüsterort stehende Fleulboje losgerissen

 und auf den Strand zwischen Gr.
u. Kl. Kuhren gespült. Unser Lehrer ging
mit uns Kindern dorthin, es war ein großes
 Erlebnis für uns.

Im Zentrum unseres Dörfleins waren
 zwei Teiche. Im Sommer tummelten
sich dort das Federvieh und im Winter
die Kinder. Auf dem Teich bei Behrendts
wurde im Winter Eis gesägt. Die Eisblöcke
 brauchten die Fleischer des Ortes
für ihre Kühlhäuser. Zwei Trinkwasserpumpen
 standen in der Nähe der Teiche.
Denn viele Bürger hatten keinen Hausbrunnen.


Liebe Landsleute, ich hoffe einige von
Euch können Sich auch noch an diese Begebenheiten
 erinnern. Für die Anderen
soll es ein kleiner Einblick in unsere
Dorfgeschichte sein.

Allen Heimatfreunden frohe Osterfesttage
 und eine gute Anreise zu unserem
Ortstreffen in Eckernförde, bleibt gesund,
 das wünschen

Herbert Metauge
24866 Busdorf

und

Dieter Behrendt
Kauslunderstr. 75 a
24943 Flensburg
Tel/Fax: 0461-63769

Ostpreußen im Internet -

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Laptauer Impressionen

Herbst

2000. Mit meinem Dolmetscher,
 Andreas Karlin, einem
Deutschlehrer aus Kasachstan, komme
ich von einem Gottesdienst aus Cranz /
Selenogradsk zurück, ln Laptau, das heute
 Muromskoje heißt, leuchtet ein Feuerschein.
 Wir fahren zur Brandstelle. Ein
altes deutsches Haus, das als Scheune für
das Winterfutter und als Stall für die
beiden Kühe zweier Familien genutzt
wurde, steht in Flammen. Die Kühe
konnten gerettet werden, aber die Winterfuttervorräte
 der Familien verbrennen.
Wir fragen einige der schaulustigen Dorfbewohner
 nach der Brandursache. Ihre
Antwort: Brandstiftung. Ein Einwohner
hat aus Neid und Rachsucht im Zustand
der Trunkenheit das Haus angezündet.
Einige Monate später. Nach einem Gottesdienst
 in Königsberg / Kaliningrad
wird mir Frau Lamsargene,
eine ältere, schlichte Gottesdienstbesucherin
 vorgestellt.
Sie wohnt in Laptau. Ich werde
 um einen Besuch gebeten,
den ich nach einigen Wochen
machen kann.
Sie wohnt in einem kleinen,
 deutschen Doppelhaus in
unmittelbarer Nähe der früheren
 evangelischen Kirche.
Das Pfarrhaus steht nicht
mehr. In sowjetischer Zeit
wurde die Kirche als Turnhalle
 genutzt. Seit 1990 steht sie
leer und verfällt immer mehr.
Aberdas Kriegerdenkmal für
die Gefallenen des ersten Weltkrieges
steht noch. Hier muss früher der Dorfplatz
 gewesen sein. In diesem „Zentrum“
wohnt Frau Helene Lamsargene mit fünf
ihrer Enkel. Ihr Mann ist vor einigen Jahren
 gestorben. Im vorigen Jahr starb auch

ihr Sohn, der Vater der Kinder. Die
Schwiegertochter hat die Kinder der
Großmutter überlassen. Sie selbst kümmert
 sich kaum um die Kinder. Mit ihrer
Rente von 800 Rubeln (ca. DM 60;—),
einem geringen Kindergeld sorgt die
Großmutter für sich und ihre Enkel.
Die ehemalige Kolchose, die heute als
landwirtschaftliche GmbH weiter arbeitet,
 hilft ihr mit einigen Grundnahrungsmitteln
 und Brennholz. Sie hat ihr Berufsleben
 lang als Melkerin auf der Kolchose
 gearbeitet. Natürlich hat sie auch
einen Garten, der ihr Obst und Gemüse
liefert. Ein Garten ist für die meisten
heutigen Einwohner in der Oblast Kaliningrad
 lebensnotwendig. Zwar bietet
der Handel in den Städten ein großes Sortiment
 an Gemüse, Obst und Südfrüchten
 an. Aber nur wenige können es sich

leisten. Eine Kuh hat sie nicht mehr. Ihr
hat die Hälfte des abgebrannten Stalles
gehört. Ohne Stall kann sie auch keine
Kuh halten. Die Kinder machen einen
netten, gut erzogenen Eindruck und helfen
 der Oma bei der Haus- und Garten-Frau

 Lamsargene in ihrer Küche

(Foto: privat)