Direktorin des Kindergartens, Alla
Nikolajewna Sawesowa, und ihren
Mitarbeiterinnen erwartet. Das Haus,
in dem 58 Kinder von eineinhalb bis
sieben Jahren betreut werden, liegt in
einem blühenden Garten.
Waldau erhielt 1999 den ersten Preis
im Dorfwettbewerb des Regierungsbezirks
Neuhausen.
Auch innen waren die Spiel- und
Schlafräume der Gruppen hübsch eingerichtet.
Sogar ein Bad im Liliput-Format
wurde gezeigt, und jeder erhielt
etwas Selbstgebasteltes als
Geschenk. Elf Erzieherinnen und eine
Krankenschwester arbeiten im Kinderhort,
in dem ein Platz 150 Rubel,
ungefähr ein Zehntel des Durchschnittseinkommens
einer russischen
Familie, kostet. Der Staat trägt allerdings
häufig den Hauptanteil der
Kosten. Schließlich wurden Kaffee
und Tee angeboten - auf russische Art.
Auf zwei Tischen türmten sich Blini,
auf ostpreußisch Mehlflinsen, Kirschkuchen,
Obst und Konfekt, und
genötigt wurde wie früher in Ostpreußen.
In Waldau gibt es noch viele
Gebäude aus deutscher Zeit zu besichtigen:
die Schule, das Schloss, in dem
Zar Peter der Große übernachtet hat,
das frühere Lehrerseminar, das heute
eine landwirtschaftliche Schule beherbergt.
Dort zeigte der Waldauer
Künstler Andrej Barinow den Gästen
seine Holz- und Steinarbeiten. Barinows
künstlerische Ausgestaltungen
von Brunnen, Straßenschildern und
Bushaltestellen haben wesentlich zum
Gewinn des ersten Preises im
Dorfwettbewerb beigetragen.
Der Weg zum Pregel führte über
Heiligenwalde, wo der dortige Schulleiter
Georg Gawrilowitsch Artemjevv
die Ordenskirche aus dem Jahre 1344
erläuterte. Es ist die am besten erhaltene
Dorfkirche des Königsberger
Gebietes, ein deutscher und ein russischer
Verein arbeiten an ihrer
Erhaltung. Nach zwanzig Kilometern
Willi Skulimma und Alla Nikolajewna
Sawesowa (Foto: Privat)
voller Historie und Sehenswürdigkeiten
traf man sich an einem
Fischerhaus aus deutscher Zeit am
Pregel, wo ein russisches „Prasnik“,
ein Festmahl, die Gäste erwartete.
Über fünfzig Russen und Deutsche
ließen es sich unter einem Sonnendach
im Garten wohl sein bei Schaschlik,
usbekischem „Plof“, einem Reis- und
Fleischgericht, bei Wodka und Champagner.
Bei hochsommerlichen Temperaturen
wurden Erinnerungen an die
Strapazen der ersten Reisen ins
Königsberger Gebiet, an die gemeinsamen
Projekte und die Kämpfe mit
der Bürokratie aufgefrischt. Zur
Krönung des Tages konnte Willi
Skulimma eine Spende für einen
neuen Fußboden im Kinderhort entgegennehmen.
Bärbel Beutner
(Heiligenwalde)
Heiligabend 1947 in Peyse
Weihnachten war da. In bitterer Not
und Elend feierten wir übriggebliebenen
Gotteskinder in einem Raum
eines zerstörten Bauernhauses unseren
Heiligabend. Sämtliche Wände
waren mit grünen Zweigen ausgeschmückt,
Kinder hatten aus Papier
Sterne gebastelt, dazwischen etwas
Lametta aus gesammeltem Staniolpapier,
welches die Flugzeuge abgeworfen
hatten. Zwei Weihnachtsbäume
standen ebenfalls im Raum -
mit Gips bestäubt, das wirkte wie
Raureif auf den Bäumen.
Es war noch nicht ganz dunkel, die
meisten Bewohner hatten sich aber
bereits versammelt, denn niemand
wollte Weihnachten alleine sein. Geschenke
gab es keine, ebenso kein
Weihnachtsgebäck, kein Festtagsbraten.
Weihnachten ohne Leben oder
Hoffnung. Der ständige Hunger, das
Leid war in jedes 'Gesicht geschrieben,
tränenreiche Augen sah man im
Schein der uns so kostbaren, selbstgemachten
Kerzen. Nun war es dunkel
geworden, Stille lag über unserem
Dorf und dem Haff. Keine Glocken
läuteten die Weihnacht ein, aber aus
tiefstem Herzen wurde das schöne alte
Lied „Es ist ein Ros entsprungen“ gesungen.
Noch andächtiger wurde es in
den Herzen, als das Lied erklang:
„Stille Nacht, heilige Nacht!“
Die erste Strophe war noch nicht zu
Ende, da öffnete sich plötzlich die
Eingangstür des Raumes. Wir erschraken,
als zwei russische Soldaten eintraten,
still und leise summten sie das
Lied in ihrer eigenen Sprache mit, mit
feuchten Augen bis zum Schluss verließen
sie das Weihnachtszimmer so
still und leise, wie sie gekommen
waren.
An diesem Abend war die Botschaft
von Bethlehem stärker, als Zwietracht
und Hass zwischen den Deutschen
und den Russen — „Friede auf Erden“.
Wären damals in Peyse Maria und
Josef zu uns gekommen, wir hätten
den Raum und das Wenige, welches
wir besaßen, mit ihnen geteilt. Die
Not hatte uns alle miteinander verbunden.
Würden wir heute genauso teilen
wie damals, wo es uns besser geht,
einige derweilen im Überfluss leben?
Darüber müsste man nachdenken.
J.Birschmann,
Fr. Biomeyer
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