Full text : Unser Schönes Samland

mann in der Bahnhofsstraße untergebracht
 ist. Schließlich lädt die Bürgermeisterin
 die Enkelkinder ehemaliger
Fischhausener Bürger im Rahmen
eines Schüleraustausches nach Primorsk
 ein. Einzelheiten müssten zu
einem späteren Zeitpunkt geklärt werden.
 Zunächst wäre es notwendig in
Erfahrung zu bringen, wer bei solch
einem Vorhaben mitmachen würde.
Entsprechende Zuschriften erbitte ich
an meine Adresse.
Wenn dieser Heimatbrief erscheint,

ist es nicht mehr weit bis Weihnachten
und zum Jahreswechsel. Ich wünsche
allen Landsleuten trotz der angespannten
 Weltlage, die viele mit großer
Sorge erfüllt, ein besinnliches Weihnachtsfest
 und ein friedvolles und
gesundes Jahr 2002. Mit heimatlichen
Grüßen Ihr/Euer Stadtvertreter

Gert Utschakowski
Graf-Stolberg-Str. 41
24576 Bad Bramstedt
Tel. 04192 - 6933

Erika Maria Wiegand - eine große samländische

Künstlerin aus Fischhausen wird 80 Jahre

Liebe Menschen, wenn ihr wüsstet,
wieviel Wunder Liebe tut? -
Mancher Mensch wäre manchem
Menschen, schon sich selbst zuliebe,
 gut!
Dieses Lebensmotto Erika Maria
Wiegands zieht sich wie ein roter
Faden durch ihr Werk und ihren
Lebenslauf. So hat sie auch in
schweren und harten Jahren zuversichtlich
 und in tiefer Gläubigkeit
nach vorne geblickt und den Mut
nicht verloren, im Gegenteil - durch
ihr künstlerisches Schaffen hat sie
auch anderen Halt und Zuversicht
gegeben.
Sie wurde am 5. Dezember 1921
in Fischhausen im Samland geboren
und erlebte hier ihre frühen
Kindheitsjahre in Geborgenheit. Als
sie sechs Jahre alt war, zog die

Familie nach Allenstein, dort wurde
sie eingeschult. Nach dem Besuch
des Lyzeums und Abitur 1940
begann sie mit dem Kunststudium
in Königsberg an der Akademie der
bildenden Künste bei Prof. Hans
Wissel in der Bildhauerklasse.
1943 heiratete sie Gerhard Wiegand
 in Allenstein. Die Flucht und
Vertreibung aus Ostpreußen im
Januar 1945 führte sie ins Asyl nach
Jerichow in der Mark Brandenburg,
später dann nach Haidesieben. In
dieser schweren Zeit mit allen
Entbehrungen der ersten Nachkriegszeit
 bekam sie ihr erstes Kind
im Juli 1945.
Neben den familiären Pflichten
arbeitete sie wieder als freischaffende
 Künstlerin und hatte bereits 1946
erste Erfolge mit künstlerischen

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 Maria Wiegand (Foto: Privat)

Arbeiten im religiösen Bereich in
Magdeburg.
Für die St. Norbert Kirche schuf
sie 14 Kreuzwegtafeln in Terracotta,
ein dreiteiliger Flügelaltaraufsatz
aus ihren Händen befindet sich in
Schmölln/Thüringen.
Die kleine Familie wurde schnell
größer, 1948 und 1951 wurden die
Töchter Beate und Angelika geboren.
 Im Jahre 1952 übersiedelte die
Familie nach Kassel, wo Erika
Maria Wiegand ihre künstlerische
Laufbahn fortführte.
Sämtliche künstlerischen Leistungen
 einer langen Schaffenszeit
aufzuführen, würde hier den
Rahmen sprengen. Deshalb seien
nur einige Arbeiten exemplarisch
aufgeführt.
1980 schuf sie eine Porträtbüste
zum Gedenken an den 100.

Geburtstag des ermländischen
Bischofs Maximilian Kaller. Ein
Bronzeabguss steht seit 1998 im
Dom zu Frauenburg. Zu den großen
Werken ihres bisherigen Schaffens
zählt Erika Wiegand das Altarkreuz
(1983) „Christus am Baum des
Lebens“ in der Kirche Herz Mariä,
Kassel-Harleshausen.
Das Brüder-Grimm-Denkmal in
Bronze (1985) und der Kreuzweg in
der Kirche „Herz Mariä“ sollen
nicht unerwähnt bleiben.
Ihr Medium, ihr Werkstoff ist der
Ton. Sie entschied sich für die angewandte
 plastische Bildkunst und
konnte damit eine breite Öffentlichkeit
 erreichen. Ihre Porträtbüsten,
meist sparsam gestaltet, zeigen den
Charakter, die Seele des Dargestellten.
 In ihren Werken gelingt es
ihr, das Wesentliche treffend darzustellen.
 Sie selbst sagte einmal:
„Der Künstler muss sich in das darzustellende
 Geschehen hineinfühlen
und versuchen, diese Empfindungen
durch den Druck der eigenen Hand
dem noch weichen Tonmaterial einzuprägen.
 Nur so kann das Kunstwerk
 davon künden, was es ausdrücken
 und vermitteln soll.“

Wir freuen uns, dass diese große
Künstlerin aus unserer Mitte stammt
und wünschen ihr noch weiterhin
recht viele Jahre voller ungebrochener
 Schaffenskraft.

M. Ziegler 31