Full text : Unser Schönes Samland

Tische mit Sonnenschirmen zum Verweilen
 ein. Der Zugang vom Fischerweg und
zum Strand ist mit Brettern ausgelegt.
Allgemein sind die Straßen etwas sauberer
 geworden. Neue Kioske gibt es an
der Promenade. Vom GASPROM-Gebäude
 am Corso gibt es keine Fortschritte
zu vermelden. Am Markt gibt es jetzt
eine saubere öffentliche Toilette gegen
Bezahlung. Der Rubel-Kurs stand bei 1
EURO/$ : 30,5 Rubel. Von Mitte Juni bis
Mitte Juli hatten wir fast durchgehend
herrliches „Bade-Wetter“ mit Wassertemperaturen
 zwischen 17 und 19° und
teilweise typischem Cranzer Wellenschlag!
 Wenn man in diesen lauen
Sommernächten am Strand saß, dann sah
die ganze Welt wieder viel versöhnlicher
aus und man fühlte sich in alte Zeiten

zurück versetzt. Dann merkte ich ganz
besonders, was Heimat bedeutet!
Ich bereite zurzeit auch eine „Homepage“
 im Internet über das Ostsee- und
Moorbad CRANZ vor. So können sich
Interessierte schneller über neue Ereignisse
 etc. in unserer Heimat informieren.
 Besuchen auch Sie doch wiedereinmal
unseren Heimatort!
Mit herzlichen Flundergrüßen

Ihr Klaus A. Lunau
Bahnhofstr. 14
30853 Langenhagen
Tel.: 0511 - 773407
Fax: 0511 - 7684843
Mobil: 0170 - 4047612
E-Mail: KALUN@ t-online.de
homepage: http://www.kalunau.de

Einkaufsbummel in Tapiau

Tapiau

war ein Ort meiner Kindheit,
obwohl von Tapiau nicht so viel erzählt
 wurde wie von Königsberg. Zum
Einkäufen fuhr man nach Königsberg,
aber Tapiau wurde auch erwähnt als eine
unbekannte Größe, wie alle die Namen,
die meine Kindheit begleiteten und die
für mich zu der anderen Welt gehörten.
Als ich Tapiau kennen lernte, hieß es
bereits ein halbes Jahrhundert „Gwardesk“
 (Gamisonsstadt), weil es wegen der
erhalten gebliebenen Kasernen zum militärischen
 Standort gemacht worden war.
Der prußische Name war Geschichte geworden,
 der deutsche Marktflecken für
die Landbevölkerung aber hatte etwas
von seinem Gesicht behalten. Die bemerkenswerte
 Geschichte der Stadt ist auch
noch zu erahnen. Hier starb 1568 Herzog

 Albrecht von Preußen, und das Geburtshaus
 des Malers Lovis Corinth (1858
- 1925) steht noch. Eine Gedenktafel in
russischer Sprache ist an dem Haus angebracht,
 von einem Museum, das es laut
Brockhaus seit 1940 gegeben hat, ist
allerdings nichts mehr zu sehen.
Bei meinen häufigen Besuchen in meinem
 Heimatdorf Heiligenwalde, heute
Uschakowo, ca. 20 Kilometer östlich von
Königsberg am Pregel, gehört eine Einkaufsfahrt
 nach Tapiau zum festen Programm.
 Die russischen Freunde, bei denen
 ich wohne, fahren ohnehin lieber
nach Tapiau als nach Königsberg, weil
es dort unvergleichlich ruhiger und gemütlicher
 ist. Wir fahren mit dem zweitürigen
 Ford Fiesta, auf den wir so stolz
sind, denn auch er ist ein Zeuge der gu­44



ten deutsch-russischen Zusammenarbeit;
allerdings wird er bald sein Soll erfüllt
haben, sein Nachfolger ist schon da.
Die Autostraßen sind vorzüglich; im
Straßenbau ist in der ländlichen Gegend
um Königsberg herum viel getan worden
 in den letzten
Jahren.Die achsenbrecherischen
 Löcher
gibt es mehr in den
Städten als auf den
Chausseen und Autostraßen
 im Gebiet.
Vor Tapiau grüßt ein
Siegesdenkmal, ein
Panzer auf einem
Sockel in einer Grünanlage,
 wie vielerorts
hier. Man fährt an der
Kaserne vorbei, an
einem Wohnblock
aus russischer Zeit,
und bald ist man auch
schon im Stadtkern, der deutlich das deutsche
 Gepräge gewahrt hat. Ein ostpreußisches
 Landstädtchen liegt um den
riesigen Marktplatz, auf dem aber heute
der Markt nicht mehr stattfmdet. Vorstellen
 kann man sich ihn aber noch, wenn
man „Schissomirs großer Tag“ von
Siegfried Lenz gelesen hat, einen Markt
mit Hühnern und Gänsen, mit Buden und
lärmerfülltem Treiben. Heute stellt man
den Wagen dort ab, wirft einen Blick auf
Lenin, der immer noch silbern angestrichen
 und gewichtig auf dem Sockel steht,
und in anderer Richtung auf die Kirche,
die, um 1600 erbaut, aus deutscher Zeit
erhalten und schon lange wieder in Betrieb
 ist. Der tüchtige junge Pope hat sie
sehr gut restauriert und eingerichtet.
Der Markt heißt heute Basar und wird
ein Stück weiter abgehalten. Man geht

durch die Gassen an Häusern aus deutscher
 Zeit vorbei und kommt an den
Platz, der klein, aber ebenso abwechslungsreich
 ist wie die Riesenbasare in
Königsberg. Auf Holztischen, in kleinen
Bretterbuden, an Stoffwänden oder einfach

 auf der Erde findet man alles ausgebreitet:
 Kinderkleider, Unterwäsche,
Kosmetikartikel, Bonbons, Stiefel, Gurken,
 Tomaten, Pullover, Töpfe, Waschpulver
 - es ist alles da. Die Preise sind
mitunter günstig - für uns Besucher,
wohlgemerkt. Vor zwei Jahren erstand ich
einmal einen warmen Winterpullover für
umgerechnet 16 Mark. Auch Schuhe können
 für unsere Verhältnisse preiswert
sein. Bei einem russischen Monatsverdienst
 zwischen 200 und 300 Mark
sieht das allerdings anders aus.
Fleisch, Wurst und Käse gibt es in Hallen,
 eigentlich fensterlosen Holzschuppen.
 Dort liegen die rohen Fleischstücke
offen auf Holztischen, große Lappen
Leber auf Blechen und Hähnchenstücke
in Schüsseln. Eine Klimaanlage kühlt den
ganzen Raum. Das Fleisch, so wird ver-Kirche

 und Marktplatz von Tapiau Foto: Beutner 45