Ein weiteres Problem, daß durch die Grenzziehung entstand,
war die Grenze selber. Viele Höfe hatten ihren Landbesitz in
Gemengelage, so daß ein ständiger Grenzwechsel vonnöten
war. Um dies zu unterbinden, zwang der polnische Zoll jeden
deutschen Bauern, der noch in Polen Landbesitz hatte, ein Visum
vorzuzeigen. Daß sich derart nicht wirtschaften ließ, versteht
sich von selber. Es blieb den Deutschen nichts anderes
übrig als ihr Land zu tauschen oder zu einem Spottpreis zu
verkaufen. Wie sehr man da benachteiligt wurde zeigt der Fall
Durek. Der Maucher Kaufmann Valentin Durek war 1921
verstorben, sein Sohn Willibald hatte nach Lupitze übergesiedelt,
wo er einen nur sehr kleinen Laden hatte. Das Geschäft
in Mochy verpachtete er an den Polen Stanislaw Nehring, der
aber niemals die Pacht bezahlt hat. Eine Klage vor dem Amtsgericht
in Wolszytn (Wollstein) wurde verschleppt und
brachte nichts ein. Erst nach 1939 fiel die Entscheidung zu
seinen Gunsten.
Man kann also feststellen, daß die polnische Politik gegenüber
ihren deutschen Minderheiten äußerst aggressiv und feindlich
war. Das Ziel war ein rein polnischer Nationalstaat. So gesehen
ist die Vertreibung nach 1945 nur die Fortsetzung der alten
Politik mit anderen, radikaleren und erfolgreicheren Mitteln.
Die Vertreibung ist so gesehen eine konsequente logische
Fortsetzung der Politik und gleichzeitig zwingend logisch angesichts
der nationalsozialistischen Politik gegenüber den Polen.
Nach 1920 hieß es entweder die Deutschen oder die Polen.
Der Versuch nach 1939 die Entwicklung noch einmal zugunsten
der Deutschen herumzudrehen - mit verbrecherischen
Methoden, das muß man hier ganz klar sagen - scheiterte. Gott
sei Dank, muß man sagen. Das Opfer des (deutschen und polnischen)
Nationalismus bezahlten all diejenigen Deutschen,
die seit Jahrhunderten in Großpolen durchaus fruchtbar und
harmonisch gelebt hatten. Im 20. Jahrhundert endete ein z.T. 31