Full text : Wollsteiner Aufsätze

Diese Maßnahmen betrafen den südlichen Kreis Bomst natürlich
 kaum, da hier Deutschkatholiken wohnten, in denen die
Polen nur deutsch sprechende Polen sahen, denen man nur die
Sprache austreiben mußte. Daher zielte diese Polonisierungspolitik
 darauf ab, nur noch polnisch im Unterricht zu lehren
und rein deutsche Schulen zu schließen. In Mochy (Mauche)
ist das den staatlichen Behörden nie gelungen, da Mauche vor
dem Krieg fast 90 % deutsche Bevölkerung hatte. Wie erfolgreich
 die Verdrängung und Polonisierung war, erkennt man
daran, daß die Zahl der Deutschen in Mauche 1939 nur noch
auf ein Drittel geschätzt wird. Diese Zahl ist zwar dadurch geschönt,
 daß viele sich nur äußerlich polonisieren ließen, sich
also nur anpaßten, doch bei einer Fortdauer dieser Entwicklung
 wäre Mauches Zukunft auch polnisch gewesen.

Zur Unterstützung dieser Politik der Polonisierung verwandte
man auch das Grundbuchamt. Einem Deutschen wurde es fast
schon von vornherein unter z.T. fadenscheinigen Begründungen
 verwehrt, Land zu erwerben. Das spielte vor allem im
Erbfalle eine wichtige Rolle. Den Hof von Joseph Sprungala
in Mauche verweigerte man z.B. auf einen der Söhne zu überschreiben.
 Erbin wurde die Tochter Maria , denn sie war mit
einem Polen verheiratet. Sie hat sich immer geweigert, den
Hof auch auf ihren Mann zu übertragen und wollte ihn der
Nichte übergeben. Doch durch ihren frühen Tod wurde später
ihr polnischer Ehemann Eigentümer des Bauernhofes. Auf
diese Weise wäre es Polen innerhalb der nächsten Generation
weitgehend gelungen, alle deutschen Bauern zu enteignen.
Und die Bauern waren das Herzstück des ländlichen
Deutschtums. In Mauche waren bis 1939 fast alle großen Höfe
noch in deutscher Hand und damit auch die bäuerliche Molkereigenossenschaft.
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