Spezialisierungen möglich und notwendig, zudem florierte der
Handel. Die Zünfte und Gilden entstanden.
In diesen wichtigen „Spezialisierungszentren“ schuf man die
Städte. Die Stadtwerdung war im Mittelalter aber kein administrativer
Akt, wie es heute der Fall ist, sondern eine juristische
Verleihung. Der Landesfurst verlieh einem ihm günstig
erscheinenden Ort Privilegien - das war sein Hoheitsrecht.
Fast jede Stadtgründungsurkunde hat ihre Besonderheiten.
Doch vielfach griff man auf eine bewährte Form zurück, daher
ist vor allem im Osten das Stadtrecht nach Magdeburger
Vorbild (das Magdeburger Stadtrecht) sehr verbreitet und bewährt
gewesen.
Diese Stadtgründung ist aber, wie gesagt, nur ein juristischer
Akt. Wie sich die neue Stadt dann entwickelte, zeigte die Geschichte.
Daher gab es auch viele Städte, die gar keine waren,
da sie sich nie dazu entwickelten.
Die meisten Stadtgründungen waren jedoch erfolgreich, auch
wenn sie in späterer Zeit aus den verschiedensten Gründen
verfielen. Um sich einmal eine Vorstellung davon zu machen,
was man unter einer Stadt im mittelalterlichen Sinne sich vorzustellen
hat, sei hier erwähnt, das die größte Stadt im norddeutschen
Raum der Sitz des Erzbischofs und Kurfürsten von
Köln war. Köln hatte damals 10.000 Einwohner und war der
dominierende Ort des westfälischen Drittels der Hanse. Die
große Rivalin Kölns zu jener Zeit war die Freie Reichs- und
Hansestadt Dortmund mit etwas über 6.000 Einwohnern. Deren
Handelsbeziehungen reichten von England bis nach Thom
und Memel, das einst sogar den Namen Neu Dortmund annehmen
wollte.
Dieser wirtschaftliche Wandel veränderte die gesamte mittelalterliche
Gesellschaft. Man war, auch durch Handel und 36