Full text : Wollsteiner Aufsätze

Kreuzzüge, weltoffener als noch in den Jahrhunderten zuvor.
Aus der Agrargesellschaft wurde eine städtische.
Eine weitere direkte Folge dieser Veränderungen war der
Wechsel von der Naturalwirtschaft zur Geldwirtschaft. Gerade
in den Städten konnte nicht mehr jeder Land bewirtschaften,
daher war ein Tauschhandel auch kaum noch möglich. So
entstand die Geldwirtschaft.

Geld hat einen enormen Vorteil auch und gerade für die Herrschenden.
 Geld ist unbegrenzt lagerfähig. Die bisher eingezogenen
 Abgaben in Getreide, Vieh, Eiern und Frondiensten waren
 nur eine sehr begrenzte Zeit nutzbar. Geld dagegen machte
den Fürsten unabhängig und damit mächtiger. So verwundert
es also nicht, daß man überall den Landesausbau vorantrieb
und gerne dafür auf bisherige Herrschaftsrechte verzichtete.

Auch in Polen erkannte der Adel den Vorteil und vor allem
die Gefahr, die Polen durch seine Rückständigkeit drohten.
Polen tritt erst im 10. Jahrhundert als Staat in das Licht der
Geschichte. Es ist die Dynastie der Piasten, die verschiedene
slawische Stämme zu einem Reich vereinigen. Dabei kam es
aber immer wieder zu Zusammenbrüchen durch Erbstreitigkeiten
 beim Tod eines Herzogs/ Königs. Um diese Gefahr auszuschalten
 hatte Boleslaw III. in seinem Testament (1138) verfügt,
 daß jeder seiner Söhne ein Gebiet erhält und der jeweils
älteste als Senior auch über die Hauptstadt Krakau und Kleinpolen
 herrschen sollte. Der Senior sollte das einigende Band
des Staates sein und Polen nach außen vertreten und verteidigen.
 Dieses System hatte Boleslaw nach russischem (Kiew)
Vorbild übernommen. Dort hatte es immerhin über 100 Jahre
funktioniert. In Polen dagegen schlug dieses Experiment von
Anfang an fehl. Die Piasten bekämpften sich heftig und bildeten
 verschiedene weitgehend unabhängige Herzogtümer aus. 37