Full text : Unser Schönes Samland

Samländische Kulturwoche

vom Lehrer Holstein steht auch noch, nur
die Schule ist neu, aber am selben Platz.
Alles andere sind Neubauten. Dalheim
sieht ziemlich trostlos aus, aber etwas
Wirtschaft und ein paar Bewohner sind
noch vorhanden. Außerdem war noch Zeit
für einen Kurzausflug nach Jesau und
Tharau.
Dann ging es aber in „unser Haus“ zu
Tanja. Tanja (23 Jahre alt), die neue Besitzerin
 unseres Hauses, hatte mit ihrer
ganzen Familie alles für den Nachmittag
vorbereitet. Die Familie hatte eine Tafel
auf unserem ehemaligen Hof aufgebaut,
über die wir alle nur staunen konnten.
Es war alles vorhanden, ein russisches
5-Sterne-Menü mit Salaten, Fleisch,
Fisch, Wodka, Wein und vielem mehr.
Es wurde ein sehr gemütliches Beisammensein,
 als hätte es nie Krieg gegeben
und alle Russen und Deutschen hätten sich
immer gut verstanden. Hier wurde
deutsch-russische Geschichte neu definiert,
 weil diese zwischenmenschliche
Begegnung von großer Herzlichkeit bestimmt
 war.
Wir haben uns auch das Haus angesehen.
 Außen ist noch einiges nötig, aber
innen war alles sauber und ordentlich,
sogar ein Badezimmer haben die jungen
Leute eingerichtet, was zu unserer Zeit
noch nicht vorhanden war. Auch bot man
uns an, sollten wir noch einmal nach
Gutenfeld kommen, dann bei ihnen zu
wohnen. Am Abend ging es dann feuchtfröhlich
 in unser Hotel zurück.
Am nächsten Tag fuhren wir auf die
Kurischen Nehrung, wo wir die Vogelwarte
 Rositten besuchten. Fast alle wanderten
 anschließend zu den Dünen, wir
„Alten“, mein Bruder und ich, legten uns
währenddessen an den Ostseestrand. Wir
waren alle der Meinung, dass die lebendige

 Natur viel schöner anzuschauen ist,
als die gleichen Bilder im Fernsehen.
Bei der Rückfahrt wurde in Königsberg
 noch der Hauptbahnhof angefahren.
Einige kannten den Bahnhof schon von
früheren Reisen und waren diesmal sehr
erstaunt, wie repräsentativ er restauriert
worden war. Als wir die Eingangshalle
betraten, hatten wir das Gefühl in das
Foyer eines 5-Steme-Hotels zu kommen.
Alle Wände hell und freundlich gestrichen
 und von der Decke hingen mehrere
Kronleuchter, die in jedes große Schloss
gepasst hätten, einfach traumhaft. Auch
der breite Gang zu den Bahnsteigen und
die Treppen waren neu gemacht. Für uns
war dies wieder eine Gelegenheit, unseren
 Kindern von früher zu berichten, wie
wir vom Bahnsteig 5 oder 6 jeden Tag
mit dem Zug von Gutenfeld zur Schule
und zurück gefahren sind.
Am nächsten Tag hieß es leider Abschied
 nehmen. Unsere Fahrt ging von
Königsberg über Heiligenbeil nach
Danzig. Hier stand noch eine Stadtrundfahrt
 mit Besichtigung der Altstadt
und Zapport auf dem Programm. Am
Abend feierten wir am polnischen Ostseestrand
 eine Abschiedsparty, während
der alle bestätigten, eine wunderbare
Fahrt in die alte Heimat erlebt zu haben.
Ich habe unseren Kindern ans Herz gelegt,
 den Kontakt zu allen Leuten in und
um Königsberg, welche wir auf dieser
Reise kennen gelernt hatten, zu pflegen
und zu erhalten. Wir, die Alten, die noch
Erinnerungen an unsere Heimat haben,
werden bald nicht mehr da sein, und
dann?

Günter Kardoff
Albert-Schweizer-Str. 1B
23611 Bad Schwartau

Fortsetzung des Reiseberichtes in Folge
164 u. 165 von Gert Utschakowski:

| r\|Tn 19. August war eine Fahrt auf
II die Kurische Nehrung geplant, an
•Vvder sich alle Mitreisenden beteiligten.
 Das sommerliche Wetter bereits am
frühen Morgen versprach ein gutes Gelingen.
 Begleitet wurden wir an diesem
Tage von der russischen Reiseführerin
Irina, die uns in gutem Deutsch die notwendigen
 Erläuterungen gab. Von Rauschen
 ging es über Pobethen und Nautzau
auf Cranz zu und von dort weiter auf der
guten Nehrungsstraße nach Sarkau, wo
wegen der zu entrichtenden Straßengebühr
 - wir haben es scherzhaft „Ökologiesteuer“
 genannt, die Nehrung ist Naturschutzgebiet
 - ein kurzer Stopp eingelegt
 wurde. Die Weiterfahrt auf der
alten Poststraße ging durch die beiderseits
der Straße bewaldeten Nehrungsflächen
bis zur Vogelwarte, die anders als vor dem
Krieg außerhalb von Rossitten liegt. Da
andere Besucher das gleiche Ziel hatten
und einige Busse bereits auf den Einlass
in die Vogelwarte warteten, entschlossen
wir uns zur Weiterfahrt Richtung Wanderdüne,
 nicht ohne uns vorher in dem
lettischen Gartenrestaurant INSEL unser
Mittagessen bestellt zu haben. Danach
erreichten wir die Wanderdüne, die auf
der Seite zum Kurischen Haff liegt. Der
Aufstieg war etwas beschwerlich, daher
machten nicht alle mit, sondern einige
entschlossen sich zu einem Gang an den
Ostseestrand auf der Westseite. Dort erwartete
 sie Sonne, Wasser und viel Sand
an einem fast menschenleeren Strand,
wovon wir uns nach Rückkehr von der
Düne auch überzeugen konnten. Der
Ausblick von der Aussichts-Plattform auf
der Düne, die 62 m hoch ist, bot ein einzigartiges

 Naturschauspiel mit dem Kurischen
 Haff auf der einen und der unendlichen
 Weite der Ostsee auf der anderen
 Seite, sowie der Sicht auf Pillkoppen
 und den Leuchtturm von Nidden.
Der leichte Wind fächelte uns den vertrauten
 Geruch der Ostsee zu, es war ein
grandioses Erlebnis, und das bei sommerlichen
 Temperaturen von 22 Grad.

Nach einem reichhaltigen und äußerst
preiswerten Essen fuhren wir zur Vogelwarte,
 wo uns interessante Einblicke in
die Arbeit der dort tätigen Wissenschaftler
 gewährt wurden. Die Vogelwarte liegt
auf der bewaldeten Nehrung; große Fangnetze,
 die sich nach und nach verjüngen,
dienen zum Fang vieler Vogelarten, um
diese zu beringen, zu messen und zu wiegen
 und sie danach wieder in die Freiheit
 zu entlassen.
Nach einem Kurzvortrag des dort tätigen
 Ornithologen von der Universität St.
Petersburg wurde das an einem Bluthänfling
 demonstriert, der in einer kurzen
Gefangenschaft darauf warten musste,
ehe er wieder die Freiheit zurückerhielt.
Erwähnenswert ist noch, dass die Tafeln
mit den am häufigsten sowie ganz selten
eingefangenen Vögeln mit russischen,
englischen und deutschen Erklärungen
versehen sind. Bei der Rückkehr zum Bus
erwarteten uns wieder die „Bemsteinhändler“,
 die an allen Orten anzutreffen
waren, wo Touristen entlang kommen.
Von dem Kaufangebot wurde reger Gebrauch
 gemacht, wovon ich mich nicht
ausgeschloss.
Auf der Rückfahrt wurde ein Stopp
in Cranz eingelegt. Die zur Verfügung
stehende Zeit ließ einen Gang zur Strandpromenade
 zu, die nicht allzu weit vom
Busparkplatz entfernt war. Nach einem

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