Bernstein und einem Video der Kurischen
Nehrung ist es bald geschafft. Am Haff
werden tote Fische entsorgt, die Hitze war
wohl zu groß. Es wird 20 Uhr, endlich
kommt der Bus mit neuen Gästen und
holt uns ab. Die Fähre hatte Verspätung.
Hier fahren viele Audis und Mercedes.
Zwischen Nidden und Schwarzort überholt
uns einer, fährt rechts ran und reißt
plötzlich links rum! Der Busfahrer reißt
den Bus auch links rum und wieder zurück,
wir fahren auf zwei Rädern! Der
Fahrer ist ganz blass geworden und wir
sind stumm, sollten wir etwa überfallen
werden? Unser deutscher Shuttlebus rast
über die holperige Poststraße zur Fähre
nach Memel, die Angst im Nacken!
Um 22.30 Uhr sind wir wieder an
Bord und die Küche ist schon geschlossen,
wir haben seit 10 Stunden nichts
mehr gegessen! Wir gehen in die Bar, es
gibt nur noch vertrocknete Sandwichs,
wir spülen zwei Stück mit einem Bier
runter. Im Fernseher läuft „Rommel, der
Wüstenfuchs“ und ein Barduo macht seinlaute
Musik, an eine Unterhaltung ist
nicht zu denken. Als ein Fahrgast die
Schuhe auszieht und die Füße auf einen
Stuhl legt, reißen wir aus! Es wird 23.55
Uhr und die große Fähre läuft aus. Memel
bei Nacht ist wie im Königsberger Seekanal,
dann Leuchtturm und Nordermole
wie in Pillau, das Auge wird feucht. Ein
Tag auf See, querab zwei große Ölbohrinseln
mit Tanker. Der Bordlautsprecher
ruft in vier Sprachen zum Frühstück, wir
essen für das entgangene Abendbrot mit!
Schiffsrundgang, der Blick von der Brücke
auf den breiten Bug ist imposant, das
Schiff fährt automatisch. Im Maschinenraum
treiben vier Motoren aus Rostock
a 3.500 PS, auf zwei Wellen die Verstellpropeller
an, Hitze und Höllenlärm! Auf
den Ladedecks stehen etwa 14 Trucks ,
mit Ketten vertäut. Über der Pommerschen
Küste steht eine große Zyklone,
jene riesige Wolke in Form eines
Amboss. Um 17 Uhr liegt Bornholm
steuerbord querab, die Perle der Ostsee!
Man sitzt an Deck in den Plastestühlen
und die 14.000 PS bullern in den blauen
Himmel und lullen so schön ein. Zwei
Möwen segeln im Aufwind der Kommandobrücke
und die See wird bewegter.
Beiderseits ziehen ferne Schiffe ihre
Bahnen. Um 21 Uhr liegt im letzten Abendlicht
unsere schöne Insel Rügen backbord
querab und in den drei Gaststätten
feiert man noch lange Abschied bei „König
Alkohol“!
Morgens kommt die Kieler Förde in
Sicht und am Marine-Ehrenmal Laboe
liegt noch immer das U-Boot 995 vom
Typ 7 C 41 (letzter Kommandant: Oberleutnant
zur See H. G. Hess ) Unser
25.000-Tonner dreht auf der Stelle und
läuft rückwärts in das Hafenbecken ein.
Die Passausteilung mit deutschen Namen,
aber auf litauisch, ist wie ein Lotteriespiel!
BGS und Zoll sind freundlich,
selbst der Polizeihund. Alles verabschiedet
sich. -
Aus dem Heck der Fähre quellen die
langen Trucks aus aller Welt. Viele Taxifahrer
stürmen auf uns los, wir sind
wieder zu Hause! Noch heute künden drei
Bernsteinketten von jener zweiten Reise
nach Litauen, 53 Jahre nach der ersten.
Heinz Bleeck
Erich-Weinert-Straße 37
18059 Rostock
62
Eine Reise in die Vergangenheit
2 $Mh
mein Bruder Gerhard (79 Jahre)
und ich, Günter (80 Jahre),
''wollten unseren Kindern zeigen,
wo wir geboren und aufgewachsen sind.
Wir hatten geplant, eine Fahrt nach
Gutenfeld im Landkreis Königsberg zu
unternehmen. Nachbarn und Freunde, sie
stammen aus Rosenau/Königsberg,
schlossen sich uns an. Pfingsten 2004
wurde unser Plan in die Tat umgesetzt.
Am 30. Mai ging es also um 6 Uhr von
Bad Schwartau Richtung Osten zur ersten
Zwischenstation in Schneidemühl
(Polen). Am nächsten Morgen fuhren wir
Günter und Qerhard Kardoff vor ihrem ehemaligen
Haus mit der russischen Qastgeberin und
deren Bruder Foto: priv.
in Richtung Grenzübergang Heiligenbeil.
Die Abfertigung dauerte nur eine
% Stunde und wir nahmen hier auch
gleich die Dolmetscherin an „Bord“.
Schon bei der ersten Fahrt durch die
Stadt am frühen Nachmittag konnten wir
unseren Kindern zeigen, wo wir zur Schule
gegangen waren („Nasser Garten“).
Der erste Anlaufpunkt war aber Gutenfeld.
Die jetzigen Besitzer unseres Hauses
in der „neuen Siedlung“ (die ganze
Siedlung ist noch vorhanden) hatte ich
schon bei einem voraus gegangenen Besuch
davon unterrichtet, dass wir mit
unserer ganzen Familie kommen würden.
Der nächste Tag sollte ein deutsch-russisches
Freundschaftstreffen werden.
Zunächst jedoch fuhren wir in unser Hotel
„BALTICA“ in Lauth am Mühlenteich,
nicht weit von der im Krieg halbseitig
gesprengten Pregelbrücke.
Am nächsten Morgen starteten wir zu
einer kurzen Stadtrundfahrt. Da ich von
Januar 1945 bis zur Kapitulation Soldat
in Königsberg war, konnte ich unseren
Kindern zeigen, an welchen Stellen und
Plätzen ich die Stadt verteidigt hatte: Das
Fort an der Ringstraße kurz vor der Auffahrt
zur Autobahn nach Elbing Nähe
Ludwigswalde, der Schlachthof Rosenau,
der Bahnhof „Holländer Baum“ und auch
das Schloss, wo ich in Gefangenschaft
geriet. Auch der große Getreidespeicher
am Hafenbecken IV war vom Pregel aus
weit sichtbar und für mich mit Erinnerungen
verbunden, von denen ich erzählen
konnte, denn hier verbrachte ich die
erste Nacht als Kriegsgefangener. Etwas
30.000 Gefangene sollen hier untergekommen
sein.
Anschließend führen wir nach Gutenfeld.
Wir hatten noch Zeit genug, um zu
Fuß durchs Dorf und nach Dalheim zu
gehen. Von den Häusern steht noch die
Reichssiedlung, das Haus vom Schlachter
Bressem, ein Insthaus von Käber, ein
Teil vom Haus Behrens, der querstehende
Block von der alten Siedlung und die
Eisenbahnerwohnungen. Das Wohnhaus 63