Tannenbäumen ausgewachsen. Nach dem
Kinderspielplatz im Garten zu urteilen,
wohnten jetzt Kinder dort. Wir setzten
uns auf eine Bank unter eine Buche und
hatten das Gefühl zu Hause angekommen
zu sein. Wie sehr hätte sich unsere Großmutter
gefreut, wenn sie gewusst hätte,
dass jetzt Kinder in ihrem Haus wohnen!
Uns ging es genauso wie so vielen anderen
„Vertriebenen“ - die Schönheit der
Landschaft und das Heimatgefühl ließen
uns nicht los, wir fuhren immer wieder
dorthin.
Erst bei unserem nächsten Besuch in
Rauschen wagten wir, mit einer Dolmetscherin
an die Tür zu klopfen. Wir
wurden von den Betreuerinnen herzlich
empfangen. Sie kochten Tee und erzählten
uns, dass hier ein Kinderheim für
TBC-gefährdete Kinder untergebracht
sei. Sie erzählten uns auch von ihrem
schweren Leben, dem geringen Verdienst
und ihrem kleinen Garten, von dem sie
sich ernährten. Sie schwärmten von der
wunderschönen Natur, die ihnen immer
wieder Kraft gibt. Sie zeigten uns das
ganze Haus. Es war ein unwirkliches
Gefühl, nach so vielen Jahren auf der
Treppe zu stehen und den kleinen Verschlag
wiederzufmden, in dem unsere
Großmutter ihre Besen aufbewahrte und
der uns oft als Versteck gedient hatte (was
eigentlich verboten war). In allen Zimmern
standen dicht gedrängt Etagenbetten
für die Kinder.
2004 zur Kant-Kulturwoche waren wir
wieder in Rauschen und besuchten „unser
Haus“. Wir wurden wieder herzlich
empfangen und bekamen Tee angeboten.
Diesmal konnten wir unsere kleinen Geschenke
schon in Rauschen einkaufen:
Obst, Kugelschreiber, Buntstifte, Zeichenpapier
und für die Betreuerinnen
Kaffee, Tee und Gebäck. Einige Kinder
fingen sofort an zu zeichnen und Buchstaben
zu malen. Andere Kinder, so hatten
wir den Eindruck, konnten nichts mit
den Stiften anfangen. Wir durften bleiben
und mit den Kindern malen.
Dank der russischen Sprachkenntnisse
meiner Schwester Ina Ranson erfuhren
wir von dem einen oder anderen Schicksal.
Die Kinder sind zwischen drei und
sieben Jahre alt. Sie stammen aus Familien,
in denen mindestens ein Eltemteil,
wenn nicht alle beide an TBC erkrankt
sind. Alkohol spielt eine große Rolle.
Auch kranke alleinerziehende Mütter
müssen ihre Kinder ins Heim geben, weil
sie nicht für sie sorgen können. Wir
trennten uns nur sehr schwer von den
reizenden, unendlich dankbaren, wissbegierigen
Kindern und den netten
Betreuerinnen und versprachen wiederzukommen.
Wir hatten Gelegenheit mit Herrn Weber,
der anlässlich der „Kulturwoche“
einen Vortrag über die sozial-ökonomische
Situation im Samland hielt, über das
Kinderheim zu sprechen. Herr Weber
arbeitet für den Verein „Hilfe für Kaliningrad“,
und für den „Club Russisch-Deutscher
Freundschaft“ in Rauschen.
Beide Vereine arbeiten eng zusammen.
In einer Sozialstation werden bedürftige
Familien mit dem Nötigsten versorgt.
Dieser Verein kümmert sich auch
besonders um das TBC-Sanatorium.
Unsere ehemalige „Villa Halali“ wurde
komplett renoviert und mit Duschen und
Toiletten ausgestattet. Ein größeres Gelände,
zu dem auch andere Häuser der
Nachbarschaft gehören, wurde mit einem
hohen Zaun umgeben. Der Verein springt
auch ein, wenn der russische Staat nicht
genügend Geld gibt, mit Medikamenten,
Kleidung und oft auch Nahrung. Der
Verein wird durch Spenden finanziert.
Durch die EU Außengrenze ist es leider
jetzt nicht mehr möglich, Waren in das
Kaliningrader Gebiet zu schicken, aber
inzwischen kann man dort sehr viel einkaufen.
Über die Kantwoche in Rauschen ist
an dieser Stelle schon ausführlich berichtet
worden. Auch für uns war diese Woche
randvoll mit unvergesslichen Erlebnissen,
vielen Begegnungen und Anregungen
- und dem Gefühl wieder einmal
in der Heimat gewesen zu sein.
Wer mehr über den Verein „Hilfe für
Kaliningrad“ erfahren möchte, kann sich
schriftlich oder telefonisch wenden an:
Postfach 21 06 22,47029 Duisburg, Tel.:
0203/6692617.
Helga von Grabe, geb. Schmidt
Buchhierlstr. 15
81479 München
Notizen aus dem Samland
dhebe cdLayicLsleuie,
gerade aus der Heimat zurückgekehrt,
will ich versuchen meine Eindrücke aus
dem Samland zu schildern und Ihnen
neueste Nachrichten von - so meine ich
-Allgemeininteresse zur Kenntnis zu
bringen.
Ihr „Berichterstatter“
u .
Allgemeines
Ich habe wieder den Kontakt des Vorstandes
zu den russischen Behörden durch
Besuche bei Bürgermeistern und anderen
Repräsentanten weiter vertiefen können
und durfte feststellen, dass das Interesse
an einer engen und freundschaftlichen
Zusammenarbeit sehr groß ist.
Durch Übergabe von Bildern und Dokumenten
für die im Aufbau befindlichen
örtlichen Museen konnten wir in einigen
Orten bereits gute Unterstützung leisten,
worüber die russischen Partner sehr erfreut
sind. Neben dem bereits in Cranz/
Selenogradsk bestehenden Museum ist
beabsichtigt, in Pillau/Baltijsk und Rauschen/Swetlogorsk
jeweils neue Museen
über die deutsche Zeit zu eröffnen. Sehr
erfreut war auch der russisch-orthodoxe
Geistliche in Rauschen über die Unterlagen
für ein kleines Kirchenmuseum im
Glockenturm, die der Ortsvertreter von
Rauschen und Vorstandsmitglied Hans-Georg
Klemm zur Übergabe bereitstellte.Exemplare
unseres Heimatbriefes finden
bei meinen Besuchen immer reißenden
Absatz und dienen dort auch als
Unterrichtsmaterial für den Deutschunterricht.
Zurzeit finden in fast jedem Ort im
Samland Feiern zur Erinnerung an die
Eroberung 1945 statt. Dabei werden die
Veteranen besonders geehrt und z. T. sind
sogar die Gefechtsereignisse nachgestellt
worden.
An der Chaussee zwischen Königsberg
und Cranz (SO Trutenau) wird an einem