Peyse, das Haus der Holsteins am Haff im Juli 2005 Foto:priv.
dann namentlich abholen, unsere Augen
wurden immer größer.
Natürlich hatte der Weihnachtsmann
auch eine ziemlich große Rute dabei, aber
wir waren ja alle artig gewesen. In der
Tüte waren die weißen Pfeffernüsse, Walund
Haselnüsse, Äpfel und viele harte
bunte Bonbons drin. Aber keine Schokolade,
die war damals noch sehr rar.
Was waren wir glücklich über diese leckeren
Sachen zu jener Zeit.
Mit „Stille Nacht, heilige Nacht“ ging
unsere Feier zu Ende, dann begann der
gemütliche Teil des
Abends. Zum abendlichen
Essen gab es den
schmackhaften Kartoffelsalat
mit heißen Würstchen,
wir Kinder bekamen
etwas „Kaukau“ dazu
oder dunkles Bier, welch
ein Genuss. Die Erwachsenen
tranken heißen
Grog mit Tee oder etwas
Rum dazu. Nach dem
Festessen spielten dann
auch zwei Musiker, die
Stühle wurden fortgeräumt,
so kamen die Tänzer auch auf ihre
Kosten und wir Kinder tummelten uns
ebenfalls auf der Fläche herum, es machte
uns riesigen Spaß, dass wir das durften.
Wir waren auch mit unseren neuesten
selbstgenähten Kleidern feierlich herausgeputzt
und ganz stolz darauf.
So vergingen auch diese schönen
Stunden und bei sternenklarer Nacht
fuhren wir dann wieder nach Hause, und
haben kein bisschen gefroren. Jetzt war
die Vorfreude auf Heiligabend noch größer.
Wie feierlich war doch das Schmücken
des Weihnachtsbaues, Lametta kam
auf jeden Ast, all die Kugeln, wenn sie
vom Kerzenschein erfasst! Die Ostsee
rauschte fern und leise. Wir blickten auf
zur Stemenpracht und sangen die vertraute
Weise in tiefer Andacht: Stille
Nacht, heilige Nacht.
Mit Fischhausen verbindet mich auch
meine Konfirmation, zum Unterricht
fuhren wir den Weg über Geidau am
Kallener Kauster und Karlshof vorbei
und schon waren wir im Städtchen bei
unserer Kirche. Im Sommer 1938 war
ich dann im Grommeckschen Textilladen
in der Langgasse teils im Haushalt und
im Laden tätig. Auch eine Verkäuferin
Ob
bei Kreistreffen des Landkreises
Königsberg Pr. oder bei den
Deutschlandtreffen der Ostpreußen in
Düsseldorf, Leipzig oder Berlin, immer
schaute ich die ausliegenden Anwesenheitslisten
durch, um vielleicht doch jemanden
aus meinem Heimatort König-Ilich
Sudau zu treffen. Doch leider wurde
ich Jahr um Jahr enttäuscht, denn
niemals fand ich die Ortsbezeichnung
Kgl. Sudau unter den zahllosen Ortsnamen.
Am 21. und 22. Mai 2005 waren wir
auf Einladung der Kulturabteilung der
Landsmannschaft Ostpreußen auch bei
dem ersten Deutschlandtreffen dabei,
welches in Berlin stattfand. Als ideeller
Aussteller hatten wir natürlich bei dem
Besucherandrang wenig Zeit uns einmal
umzuschauen. Trotzdem ließ es sich mein
gab es. Im Laden standen hauptsächlich
größere Stoffballen zum Verkauf, dort
kauften wir auch Stoffe für unsere Kleider.
Fertigware fanden wir im größeren
Geschäft „Motulski“, dessen Inhaber eines
Tages überraschend verschwunden
war. Wer danach kam, weiß ich nicht
mehr, da ich ja nach Peyse zu den Eltern
übersiedelte. Und in Königsberg machte
ich dann meinen Steno- und Schreibmaschinenkursus
mit gutem Abschlusszeugnis,
um danach im Ostpreußenwerk
zu arbeiten. Bis zur Flucht war das meine
letzte Station in unserem schönen
Samland, die einfach unvergesslich
bleibt.
Hedwig Biomeyer
Mann nicht nehmen, in die Halle der
Kreisgemeinschaften zu gehen, um am
Informationsstand des Landkreises
Königsberg Pr. mit Herrn Mückenberger,
dem zweiten Kreisvorsitzenden, zu sprechen.
Zu unserer Überraschung erzählte
dieser, dort sei eine ältere Dame gewesen,
die sich unter „Kgl. Sudau“ in die
Anwesenheitsliste eingetragen habe.
Mein Mann schaute nach - und tatsächlich,
schwarz auf weiß stand dort: Edith
Schufft geb. Neumann, Wohnort Born
bei Haldensleben. Aufgeregt kam er zurück
und erzählte mir davon und schon
war ich unterwegs zum Infostand Landkreis
Königsberg. Aber niemand wusste,
wo meine damalige Schulkameradin und
Freundin Edith geblieben war. Ich ließ
sie über den Lautsprecher ausrufen, aber
auch hier Fehlanzeige.
Wiedergefunden in Berlin nach 60 Jahren