Full text : Unser Schönes Samland

— Meine lieben Cranzerinnen und liebe Cranzer,

liebe Landsleute aus den Nachbarorten und Freunde von Cranz!

w;'enn

Sie diese Zeilen
 lesen, dann haben
 wir das große Ostpreußentreffen
 in Berlin
bereits hinter uns und bereiten
 uns auf das Jahreshaupttreffen
 in Pinneberg vor. Selbstverständlich
 werden Sie im nächsten
Heimatbrief noch ausführlich über das
Programm in Kenntnis gesetzt. Wir werden
 uns bemühen, das Treffen für Sie
interessanter und auch abwechslungsreicher
 zu machen damit Sie anschließend
sagen können: „Es hat sich wirklich gelohnt
 nach Pinneberg zu fahren!“
Buchen Sie also rechtzeitig Ihre Unterkunft,
 damit Sie das volle Programm
am Samstag und Sonntag miterleben können.
 Wir freuen uns schon jetzt auf ein
Wiedersehen und ein „Schabberchen“!
Wir hoffen natürlich auch auf eine rege
Beteiligung beim Treffen in Berlin. In
Pinneberg treffen sich die Cranzer und
Landsleute aus den
Nachbarorten wieder in
dem mit unserem Wappen
 gekennzeichneten
Clubraum.
Ich würde mich sehr
freuen, wenn ich auch
jene Landsleute kennen
lernen könnte, die bisher
 noch nicht zu unseren
 Heimattreffen gekommen
 sind. Bringen
Sie bitte auch Ihre Nachfahren
 mit, denn es gibt
sicher auch für sie manches
 Interessantes zu sehen
 und zu hören.
Für uns Cranzer gibt es

in diesem Jahr eigentlich mehrere beachtenswerte
 „Erinnerungsdaten“. Nicht nur
den 60. Jahrestag der Vertreibung. Vor
185 Jahren wurde in Cranz mit der
Anlage der Plantage begonnen und somit
 die ersten Bäume für den Cranzer
Wald Forst Fritzen gepflanzt. Vor 170
Jahren (1 835) wurde das L Große
Logier haus (1821 errichtet) ein Raub der
Flammen. Vor 155 Jahren (1850) wurde
das neue Warmbad eröffnet (und 1870
erweitert) sowie mit dem Bau der
Kirchenstraße begonnen. Die Pflasterung
der Königsberger Straße mit schwedischem
 Granit, die Anlage der Kanalisation
 und Straßenbeleuchtung wurden
fertiggestellt sowie der Schlachthof errichtet.
 Vor 130 Jahren (1875) entstand
das Herrenbad, einreihige Pfahlbuhnen
wurden angelegt. Vor 120 Jahren (1885)
nahm die Königsberg-Cranzer Eisenbahngesellschaft
 ihren Betrieb auf und die
Badeanlagen wurden von der Gemeinde

Olympia 1936 In Garmisch-Partenkirchen, erstes alpines Gold: Christel Cranz
kämpft auf der Slalom-Piste und holt 19 Sekunden auf foto: uustbn

Christel Cranz bei Olympia 1936 in Qarmisch-Partenkirchen

Cranz käuflich erworben. Vor 70 Jahren
(1935) erhielt das Ostseebad Cranz sein
Wappen (Elchgeweih und Flunder). Soweit
 eine kleine geschichtliche Rückblende.
 Wenn Sie der Meinung sind, dass ich
auch in Zukunft jährlich die wichtigsten
Jahrestage aufzeigen soll, dann lassen Sie
mich das bitte wissen.

Wie ich erst jetzt erfuhr, verstarb am
29.09.20 04 in ihrem Heimatort Steibis/
Bayern die zwölffache Weltmeisterin in
der alpinen Kombination (erstes olympisches
 Gold 1936), unsere Cranzer
Ehrenbürgerin Christel Cranz, im Alter
von 90 Jahren. Die Älteren unter uns
werden sich sicher noch an ihren Besuch
in Cranz erinnern, ich glaube, es war im
Jahr 1937). Stolz meldete die Kurische
Zeitung: „Christel Cranz kommt nach
Cranz“. Groß war die Aufregung nicht
nur unter uns Kindern, als es darum ging
ein Autogram zu erhaschen. Schließlich
war die Namensträgerin unseres Heimatortes
 in den dreißiger Jahren die erfolgreichste
 Athletin in der Geschichte des
deutschen Skisports!
Frau Else Fiedrich, unsere älteste
„Cranznerin“ (da sie eigentlich in Königsberg
 wohnte und in der Bergstr.
Westende nur zeitweilig im Sommer, im
Krieg jedoch ständig in Cranz lebte),
konnte am 8. November ihren 101. Geburtstag
 feiern. Wir hoffen, dass sie noch
länger die „Altersspitze“ bei uns anführt!
Dazu wünschen wir ihr Glück und Gesundheit.

Unser aktiver Heimatfreund Hermann
Reese, der bei jedem Jahrestreffen
immer dabei war, ist kurz vor dem Erreichen
 seines 91. Geburtstages verstorben.
 Wir werden sicher Hermann Reese

mit seinem trockenen Humor und seine
wohlschmeckenden „Flundern“ bei unseren
 Treffen vermissen.

Erkennen Sie das Gebäude auf dem
Foto auf der folgenden Seite? Ja, es ist
der Kindergarten von „Tante Käthe“, der
durch die Gaube ein etwas anderes Aussehen
 erhalten hat. Vor dem Bezug des
Schulneubaus am Bahnhof war hier die
Grundschule untergebracht. Zur Königsberger
 Straße hin lag der Eingang zur
Gendarmeriewache. Heute ist es ein reines
 Wohnhaus.
Ich habe hier noch eine ganz große Bitte:
Immer wieder muss ich feststellen, dass
unsere Ortskartei große Lücken aufweist.
So besuchen z. T. ehemalige Cranzer unseren
 Heimatort, die bei uns in der Kartei
jedoch nicht erfasst sind. Wenn Sie, liebe
Heimatfreunde, mit ehemaligen Cranzem
Zusammentreffen, dann fragen Sie doch
bitte, ob sie unseren Heimatbrief beziehen.
 Wenn nicht, dann teilen Sie mir bitte
 Namen und Anschriften mit. Ich wäre
allen sehr dankbar, wenn Sie für unsere
Übersicht auch alle Angaben von Ihren
Angehörigen und von Bekannten schicken
 würden, die in der Heimat nach Januar
 1945 oder auf der Flucht den Tod
gefunden haben. Auch die Namen von
Verschleppten brauchen wir mit dem Hinweis,
 ob verstorben oder wo sie heute leben.
 Auch wenn Sie außer Namen und
Vornamen nichts weiter wissen, geben Sie
bitte dennoch diese Angaben an mich
weiter, eventuell kennen Sie ja noch die
Wohnstraße in Cranz? Für eine Dokumentation
 über Cranz suche ich noch Tagebücher
 und Aufzeichnungen über die Zeit
ab 1945. Ganz gleich in welcher Form
und wie auch immer verfasst! Für unsere 17