Full text : Unser Schönes Samland

Winter an der Ostsee mit aufgetürmten Eis und Schnee Archiv Rauschen

Abschließend eine Geschichte, die fast ein
Weihnachtsmärchen ist. Sie hat sich wohl
im Winter 1946/47 ereignet und wurde
mir von Anneliese Zintl, geh. Heise aus
St. Lorenz zugesandt.

Wahre Begebenheit
Unsere Mutter war mit 7 Kindern allein
in St. Lorenz zurückgeblieben. Unser Haus
war abgebrannt und unser Vater zum
Militär eingezogen. Wir lebten im Nachbarort
 Nortycken in der Wohnung von
Familie Huhnholz und hatten so gut wie
nichts zu essen. Einige von uns hatten
Typhus. Es war Winter und wir beteten
abends vor der Ofenbank zu Gott: „Bitte
hilf uns doch lieber Gott - wir haben
Hunger. “
An einem Morgen gingen meine Midier
 und ich nach St. Lorenz zur Kommandantur.
 Ein älterer Nachbar, Herr Möhrke,
kam uns entgegen. Wir unterhielten uns
kurz und meine Mutter sagte ihm: „Ich
muss zur Kommandantur, die müssen uns
helfen - ich kann doch nicht zusehen wie

meine Kinder nacheinander
 sterben “ (zwei
meiner Brüder waren
bereits verhungert).
Meine Mutter weinte
und wir gingen weiter.
Es hatte geschneit. Ich
schaute auf die Fußspuren,
 die unser Nachbar
hinterlassen hatte. Da
erblickte ich Roggenkörner
 und sagte zu meiner
Mutter: „Schau, dort wo
Herr Möhrke hergekommen
 ist, sind lauter Körner
 zu sehen. “ Wir waren
 vor Freude wie erstarrt
 und gingen seinen
Fußspuren nach bis hin zum Ort. Dort
verliefen sich die Spuren.
Wir kamen zur ehemaligen Gaststätte
Dagott. Hier hatte meine Mutter mit anderen
 Frauen bei den Russen auf dem
Speicher Korn umschaufeln müssen. Wir
gingen in dem leeren Haus zum Boden
hinauf. Der große Raum war leer wie geleckt.
 Die Sonne schien und meine Mutter
 sah, dass einzelne Bodenbretter etwas
 hochgebogen waren. Wir hoben sie
mit aller Kraft an und waren hoch erfreut
 über das, was wir da sahen. Durch
die Zwischenräume der Bretter waren
sehr viele Körner gefallen und lagen nun
dort verdeckt unter den Dielen. Wirstopften
 uns die Taschen voll. Einige Male
gingen wir noch dort hin und hoben ein
Brett nach dem anderen hoch. Dann sagten
 wir es auch den Nachbarn weiter. Alles
 musste natürlich heimlich getan werden.Wir
 haben die Körner zu Hause mit
der Kaffeemühle gemahlen und dann
Suppe gekocht. Seitdem weiß ich, es gibt I

einen Gott und ich glaube fest an ihn!

Soweit dieser Bericht aus einer sehr
schweren Zeit.

Alle, die in den vielen Jahren eine
freundschaftliche Verbindung zu Familie
 Billjött hatten, soll ich herzlich grüßen.
 Dorle Billjött bittet um Verständnis,
 dass sie bei ihren nachlassenden Kräften
 sich nicht mehr in der Lage sieht,
Ihnen allen Geburtstagsgrüße zu senden.
Sicherlich werden das viele bedauern,
aber es war immer eine Menge Arbeit,
die Dorle da in 40 Jahren geleistet hat.
Sie hat damit Fritz sehr unterstützt und
ich danke ihr an dieser Stelle im Namen
aller ganz herzlich dafür.
Leider ist es mir nicht möglich - so
sehr ich es bedauere - diese Arbeit zu
übernehmen und Ihnen allen selbst diese
Glückwünsche zu übermitteln. Sie erhalten
 aber weiterhin Ihre Geburtstags-190

 Jahre Seebad Cranz

A ls gebürtige Hamburgerin mit
xVostpeußischen Wurzeln in Rossitten
zieht es mich immer wieder in die Nachbarschaft
 der Nehrung, nach Cranz. Und
inzwischen kenne ich auch einige Cranzer
etwas näher, da freut man sich besonders,
bekannte Gesichter wieder zu sehen. Als
Klaus Lunau nun diese Reise anlässlich
des 190. Jubiläums der Begründung von
Cranz zum Seebad plante, musste ich
nicht lange über meine Teilnahme nachdenken.


Hier ein kleiner geschichtlicher Exkurs:
 Bereits um 1800 herum wurden

gratulation von der Kreisgemeinschaft
Fischhausen aus Pinneberg.
Sollte aus den einzelnen Orten unseres
Bezirks jemand bereit sein, diesen immer
sehr dankbar aufgenommenen Kontakt
zu seinen Landsleuten fortzusetzen, würden
 sich gewiss alle freuen. Und ganz
besonders freut sich Dorle, wenn Sie sie
nicht vergessen.

Ich wünsche Ihnen allen noch eine gesegnete
 Adventszeit und ein gesundes
Weihnachtsfest. Das Jahr 2007 möge uns
allen Gutes bringen und Zufriedenheit
schenken.
Mit heimatlichen Grüßen verbleiben
Euer
Hans-Georg Klemm und Frau Greta
Sudetenstr. 11
91080 Uttenreuth
Tel.: 09131-58489

und Eure Billjötts aus Frankfurt

erstmalig Pläne der Regierung erörtert,
an der Samlandküste eine „Badeanstalt“
zu errichten. Im Gespräch waren damals
viele Orte von Neuhäuser bis Eissein;
Cranz jedoch bekam den Zuschlag - zum
einen wegen seiner Nähe zu Königsberg,
aber auch wegen der besonderen Bedingungen
 in der Cranzer Bucht, hier gibt
es den stärksten Wellenschlag. 1816 wurde
 dann das vom Staat gegründete Seebad
 Cranz der Öffentlichkeit übergeben,
der maßgebliche Planer war Dr. Kessel,
nach dem später die Kesselstraße benannt
wurde.

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