Heinrich von Schwichel -
ein ostpreußischer Qlockengießer und Urahn einer
samländischen Familie
Herbst 1514 betritt Heinrich von
^TSchwichell vermutlich das erste ^ CScl
lal preußischen Boden. Er kommt
per Schiff aus dem Baltikum. Der livländische
Ordensmeister Wolter von
Plettenberg hat dem Hochmeister Albrecht
von Brandenburg-Ansbach (aus
dem Hause Hohenzollem) über einen ordentlichen
Gießer mit Namen Heinrich
nach Königsberg berichtet. Der Hochmeister
hat jenen auch sogleich angefordert.
Und so kommt Heinrich nach Königsberg.
Der seit 1511 regierende neue Hochmeister
Albrecht hat kühne Pläne. Er will
auf jeden Fall den anstehenden Lehenseid,
die hoheitliche Unterwerfung unter
die polnische Krone vermeiden. Bisher
hat er die angesetzten Termine durch
plausible Ausreden verschieben können.
Sein Onkel, der König von Polen, wird
sich aber trotz der Familienbande nicht
auf ewig vertrösten lassen
Albrechts Mutter ist eine
Schwester des polnischen
Königs Si-gismund. Dieser
verwandtschaftliche Bezug
war auch ein triftiger
Grund für Albrechts Berufung
auf den Hochmeisterstuhl.
Hinter den Kulissen
werden nach allen Richtungen
diplomatische
Bündnisverhand-lungen
intensiviert, um für eine
anstehende Auseinandersetzung
gut gerüstet zu
sein. Ein guter Gießer, der portrajt des Herzogs Albrecht
gelegen. Haltbare Geschütze, die nicht
gleich nach den ersten Schüssen zerbersten,
können kriegsentscheidend sein.
Heinrich von Schwichell wird vom
Hochmeister in Dienst auf Lebenszeit genommen.
Zum Krieg mit Polen kommt
es erst 1520/21. Bis dahin bleibt Zeit,
etliche Glocken zu gießen.
Der Glockenguss unterscheidet sich,
rein technisch betrachtet, nur wenig von
der Geschützherstellung. Das Mischungsverhältnis
der Metalle Kupfer und Zinn
ist ein geringfügig anderes. Traditionell
haben Glockengießer immer auch Geschütze,
oder wie man damals sagte,
„Büchsen“ gegossen, je nach dem, wie
die kriegerischen oder friedlichen Zeiten
es erfordert haben. Glocken werden
in Kriegszeiten geraubt und zu Kanonen
gegossen und nach Friedensschluss hat
man aus dem Metall erbeuteter
Kanonen wieder die
fehlenden Glocken ersetzt.
So geschieht es auch nach
dem so genannten Reiterkrieg
gegen Polen 1520/
21, der letztlich für beide
Teile nur hohe Verluste gebracht
und die Machtfrage
nicht entschieden hat.
Man vereinbart einen
vorläufigen Frieden auf
vier Jahre, ln diesen Jahren
reist der Hochmeister
von viel umher, um für seine
sein Handwerk versteht, Preußen von Lucas Cranach dem Angelegenheit zu werben,
kommt da natürlich sehr Älteren aus dem Jahre 1528 Mun interessiert sich je-Foto:
Internet
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doch nicht sonderlich für das ferne Preußen.
Luthers Ideen sorgen für Unruhe im
Reich. Der Hochmeister trifft sich heimlich
mit diesem. Die Verhandlungen mit
dem polnischen König in Krakau nehmen
eine überraschende Wendung: 1525
kommt es zu einem Staatsstreich. Der
Hochmeister macht aus dem ihm unterstellten
Ordensland ein erbliches Herzogtum.
Er leistet dem polnischen König den
Lehenseid. Der König lässt offiziell aus
Krakau verlauten, der Orden habe sein
Recht auf das Land verwirkt, da dieser
es seit 1511 nicht für nötig gehalten habe,
das Lehen zu erneuern. So habe er von
seinem Recht auf Neuvergabe Gebrauch
gemacht. Preußen wird protestantisch,
auch um sich vom Orden und vom Papst
als ehemaligen obersten Herrn zu distanzieren.
- Das mag hier als historischer
Hintergrund zur Entstehungszeit von
Heinrichs Glocken genügen.
Der ostpreußische Provinzialkonservator
Prof. Dr. Richard Dethlefsen findet
1917 noch fünf Glocken aus der Hand
von Heinrich von Schwichel(l/t) (oder
niederdeutsch auch Hinnerik van Swichel/t)
im Lande vor. Sie werden allesamt
als historisch und musikalisch wertvoll
klassifiziert und entgehen dadurch
der Verwertung in der Rüstungsindustrie
des 1. Weltkriegs: 1515 Böttchersdorf,
Kreis Bartenstein\ 1518Marienthal, Kreis
Rastenburg; 1521 zwei Glocken in
Medenau, Kreis Fischhausen; 1522
Thierenberg, Kreis Fischhausen. Über
400 Jahre lang klangen Heinrichs Glocken
in Ostpreußen und im Samland. Sie
haben den 2. Weltkrieg wohl nicht mehr
überstanden.
Es gab aber noch weit mehr Glocken
von diesem Gießer, die jedoch im Laufe
der Jahrhunderte umgegossen wurden
und daher in der Neuzeit in Vergessenheit
geraten sind. Durch Zufallsfunde in
Stadt- und Kirchenchroniken oder in
zeitgenössischen Briefen (im Staatsarchiv
Berlin) habe ich noch folgende Nachweise
finden können: 1515 Gr. Ottenhagen,
Kreis Königsberg; 1515 Heiligenwalde,
Kreis Königsberg; 1517 Danzig, St. Johannis;
1521 Schippenbeil, Kreis Bartenstein
und möglicherweise noch eine Glocke
in Fleming, Kreis Rößel.
Zurück zu Heinrich: Aufgrund der
leeren Kassen nach dem Reiterkrieg bekommt'
Heinrich das Dorf Seeben bei
Kreutzburg als Entgelt für seine Dienste
zur Nutzung überlassen. Nach 1522 sind,
soweit bisher bekannt, keine Glocken
mehr von Heinrich entstanden. Offenbar
kümmerte er sich seitdem um die Bewirtschaftung
seines Landbesitzes.
Erst 1535 geben Archivdokumente
wieder Kunde von Heinrich: Im Oktober
erhält er den Zulass, sich in Königsberg
niederzulassen. 1536 bittet Heinrich
seinen Herzog, das Dorf Seeben verkaufen
zu dürfen, beklagt sich über ungetreues
Gesinde, das harte Landleben und
berichtet von einem Hauskauf in Königsberg.
1542 tauscht Heinrich das Königsberger
Stadthaus gegen ein Landgut
in Kalkeim. Der herzogliche Rentmeister
Georg Ogelin (heute würde man
Finanzminister sagen) bekam jenes Landgut
eigentlich für seine Dienste zugesprochen.
Er übernahm den Besitz erst gar
nicht, sondern tauschte ihn sogleich gegen
Heinrichs bequemes Stadthaus. Das
Kalkeimer Gut, gelegen in den Pregelniederungen
im südöstlichen Samland
(Kirchspiel Heiligenwalde), blieb für
über 300 Jahre in Familienbesitz. Um- 35