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Meine lieben Cranzerinnen und liebe Cranzer,
liebe Landsleute aus den Nachbarorten und Freunde von Cranz!
w :
Tenn Sie dieses Heft
erhalten, dann sind
wir schon fast in der -
hoffentlich - schönen, warmen
Sommerzeit angekommen
und Sie können
bei herrlichem Sonnenschein meine Berichte
aus der „kalten“ Jahreszeit gelassen
entgegennehmen. Einige von Ihnen
werden sich so ganz allmählich auf unsere
Reise in die Heimat vorbereiten und
sind sicher schon gespannt, welche neuen
Eindrücke dort auf sie einstürmen werden.
Ja, es hat sich in Cranz wieder allerhand
verändert. Zum Glück überwiegen
die positiven Veränderungen bei weitem
die negativen, doch davon wieder in meinem
Report aus Cranz/Selenogradsk
weiter hinten in diesem Heft.
In diesem Jahr gibt es für uns
„Cranzer“ allerhand gedenkwürdige Termine.
So können wir auf ein 570-jähriges
Bestehen von Cranz als „Ansiedlung“
sowie die Verleihung des Titels „Königliches
Bad“ vor 190 Jahren zurück blicken.
Damals kamen die ersten „Kurgäste“
nach Cranz und machten sich in der
See „nass“, denn von „Baden“ konnte
wohl noch keine Rede sein. Selbst Ärzte
warnten vor einem zu langen Aufenthalt
im Wasser, wegen möglicher gesundheitlicher
Schäden! Das galt natürlich auch
für den „unbekleideten“ Aufenthalt in der
Sonne. Beides geht aus den „Badevorschriften“
jener Zeit hervor. Wie es der
„Anstand“ erforderte, gingen natürlich
Männlein und Weiblein weit voneinander
getrennt und in den „Badekarren“ in die
See. Erst viel später, als dann auch an
anderen Stellen der Samlandküste neue
Badeorte eingerichtet wurden, entwickelte
sich das Baden und auch das Sonnenbaden
zum Volkssport. Es dauerte aber
noch viele Jahre, bis man sich am Strand
auch weniger bekleidet aufhalten durfte
aber noch lange „mit Geschlechtertrennung“
(ich erinnere an das
Damenbad im Osten und das Herrenund
Familienbad
im Westen). Dazu
die .Ansicht“ vom
damaligen Strandleben.
Beim Lesen
der alten Badeordnungen,
die
wirklich fast alles
genau reglementierten,
kann man
sich zumindest
ein „Schmunzeln“
nicht verkneifen
und sicher
wird es Ihnen auch ähnlich ergehen,
wenn Sie die Bilder vom damaligen
Badestrand betrachten.
Dass unsere Vorfahren und die damaligen
Kurgäste nicht gerade Bewegungsmuffel
waren, kann man daran erkennen,
dass so viele schöne und lange Wanderwege
angelegt und auch benutzt wurden
(u. a. Verlobungsweg, Birkenallee,
Oberförsterdamm, Elchallee nach
Fichtenhain etc.). Man flanierte eben
nicht nur auf der Promenade, in den
schönen Parkanlagen im Kurgarten oder
in der Plantage um den Storchenteich.
Im Laufe der Jahre hatte sich dann in
Cranz eine „Unterhaltungsindustrie“ entwickelt,
die manchen Großstädten „im
Reich“ in nichts nachstand. Angefangen
von Pferde- und Hunderennen, Tanz- und
Tennisturnieren über Konzerte, Theater
und vielen weiteren kulturellen Veranstaltungen
bot Cranz seinen Gästen jegliche
Art von Erholung und Amüsement. Ich
frage Sie ehrlich, wo gibt es heute noch
Kurorte mit diesem exklusiven Flair?
Wollen wir hoffen, dass die für das
heutige „Staatsbad“ Selenogradsk/Cranz
geplanten Verschönerungs-
und
Erhaltungsmaßnahmen
auch bis
zum Ende durchgeführt
werden
und so wieder den
Platz 1 unter den
Badeorten zurück
erobert.
Erfreulicherweise
wurde mir eine
Schüler-Monatsfahrkarte
für März 1938 Cranz - Königsberg
- Annelise Schober - zugeschickt
(s. Abbildung). Der Spender hatte sie
wohl auf dem Flohmarkt erworben und
sich dann doch dazu entschlossen, sie mir
für das Museum zu überlassen. Wenn
auch Sie Erinnerungsstücke aus der Heimat
haben, von denen Sie der Meinung
sind, dass sie besser ins Museum passen,
dann schicken Sie diese doch bitte mir -
vor allem, bevor später Ihre Erben sie
eventuell fortwerfen! Dazu gehören
auch private Fotos aus Cranz. Also nicht
vergessen! Ich warte auch noch auf Ihre
„Notizen“ über die letzten Tage/Monate/
Jahre - besonders nach dem Einmarsch
der sowjetischen Truppen in Cranz sowie
Deportation und Aufenthalte in Gefangenschaft
etc. Wer noch Informationen/Bilder/
Druckerzeugnisse von Cranz 15