— Die Kirche von Qroß Ottenhagen
Groß
Ottenhagen ist eine Gründung
des Deutschen Ordens, wahrscheinlich
aus den Jahren um 1330. Die Ordensgründung
ist an ihrer zweistraßigen Anlage
erkennbar. Aus Gräberfunden am
Nordende des Dorfes durch Herbert
Jankuhn in den Jahren 1928 bis 1930 geht
jedoch hervor, dass bereits im zweiten
Jahrhundert eine Siedlung bestanden hat.
Neueste Ausgrabungen durch Archäologen
der Universität Kiel: Über die Stammeszugehörigkeit
der Urbewohner lässt
sich nichts Bestimmtes sagen. Wahrscheinlich
handelt es sich um Germanen,
späterhin werden hier, wie überall in die-Die
Kirche in Groß Ottenhagen, wie man sie bis
ser Gegend, Pruzzen gesessen haben.
Neueste Ausgrabungen: Nach Dr. Reinhard
Glang ist das Dorf „Ottinhayn“
erstmals urkundlich erwähnt im Großen
Zinsbuch des Deutschen Ritterordens. Im
Zins- und Dienstverzeichnis der Komturei
Brandenburg von 1437 ist es als zinspflichtig
aufgeführt worden. Hier werden
die Dörfer Lyndenow mit 54 Hufen
(später Groß Lindenau) und Ottinhayn
mit 45 Hufen als im Waldamt Brandenburg
gelegen bezeichnet. Der Name
Mottenhagen kommt erst später vor. Und
zwar in der Beschreibung einer Kirchenvisitation
aus dem Jahre 1543. Nach der
Handschrift in diesem Dokument kann
man das „a“ in Mottenhagen auch für ein
„e“ halten. Es soll soviel heißen wie „im
Wald gelegen“. Nach Glang geht die
Mettenhagener Theorie wahrscheinlich
auf das genannte Dokument zurück; denn
Caspar Henneberger, Pfarrer am fürstlichen
Hospital in Löbenicht und Kartograph,
bezeichnet
das Dorf
ebenfalls als
„Mottenhagen“.
Ende des 17.
Jahrhunderts
führt es dann
wieder den ursprünglichen
Namen Ottenhagen
(= Ottenhayn).
Glang
hält es für möglich,
dass „Mottenhagen“’
eine
Verballhornung
des Dorfhamens
in Anspielung
1945 kannte. Foto: priv. auf dessen lehmige
Bodenbeschaffenheit
ist; „Mott“ war im Plattdeutschen
nämlich für Lehm gebräuchlich.
Das Dorf hat bei Kriegsende und vor
allem nach dem Krieg schwer gelitten.
Seinen unteren Teil an der Straße Königsberg
- Tapiau gibt es bis auf einige wenige
Häuser nicht mehr. Vom Oberdorf
ist fast nur der Straßenabschnitt von der
Kirche nach Süden zum Teil erhalten.
Die Kirche ist im Jahre I34l fertig
gestellt worden. Zu Anfang war sie nur
ein Feldsteinbau mit Ziegelecken und einem
vorgelegten Westturm. Das Langhaus
wurde Mitte des 18. Jahrhunderts
durch Querarme erweitert, eingewölbt
und erhielt eine Empore. Die Innenausstattung
stammt aus den Jahren zwischen
1715 und 1720. Eine Besonderheit für
Ostpreußen war die glückliche Lösung
der Fensterfrage. Während die Fenster
gewöhnlich ohne Rücksicht auf die Empore
aus einem Stück bestanden, waren
sie in Groß Ottenhagen dort, wo sich die
Empore befand, unterbrochen. Ob die
Fenster allerdings von Anfang an in dieser
Art bestanden haben, ist sehr fraglich.
Wahrscheinlich verdankten sie diese
Gestaltung einem späteren Umbau. Die
Kirche hatte drei, nach anderer Meinung
nur zwei Glocken. Die große Glocke,
noch aus vorreformatorischer Zeit, trug
die Inschrift „Hilf got maria“ usw., die
mittlere Glocke stammte aus dem Jahre
1606, die kleine Glocke hatte keine Inschrift.
Eine Glocke wurde von Heinrich
van Svicholdt 1877 gegossen. Der vermutliche
Schnitzer des schönen Kanzelaltars
ist Johann Christoph Döbel. Ob der
Altar zwischen 1740 und 1750 entstanden
ist oder schon zwischen 1695 und
1700 ist nicht geklärt. Bemerkenswert ist
jedoch, dass der Altar nicht immer
Kanzelaltar gewesen ist. Als die Kirche
lediglich aus dem Längsschiff bestand,
befand sich die Kanzel an der Südwand
des Längsschiffes. Altar und Kanzel wurden
erst um 1740 vereinigt. Die Stelle,
die bis zum Ende durch die Kanzel ausgefüllt
war, ist früher ausgefüllt worden
durch das Bild, das später neben dem
Beichtstuhl hing (Kreuzigung Christi).
Letzterer ist wohl nach 1695 entstanden.
Das erklärt sich aus dem spitzzackigen
Blätterwerk und aus den gewundenen
Säulen. Man hat es hier also mit einem
evangelischen Beichtstuhl zu tun; denn
auch in der evangelischen Kirche hat man
zu dieser Zeit noch die Ohrenbeichte gehabt.
1877 wurde die Kirche in erheblichem
Umfang restauriert. Die Kirchturmspitze,
die bis dahin mit Holzschindeln
gedeckt war, wurde niedriger
und erhielt eine mit Blech gedeckte sogenannte
welsche Haube. Der Turm war
32 Meter hoch.
Das Pfarrhaus, gegenüber der Kirche
gelegen, war im sogenannten „unglücklichen
Krieg“ im Jahre 1807 von den
Franzosen abgebrannt worden, damit
waren auch alle Urkunden vernichtet, da
diese nicht mehr wie früher in der Oberratsstube
in Königsberg aufbewahrt wurden,
sondern in den Pfarrhäusern. Das
Pfarrhaus wurde gleich nach dem genannten
Kriege wieder aufgebaut und
Oer TfimmeLiiai den JlOensc/ien als d/ec/enyewic/it
zu den uielen JlCühseiigheiten des ßeSens drei Dinge yegeOen:
'Die Jfoffnung, den Schfafiunddas Sachen.
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