Pillauer Straße machen eine Orientierung
schwierig.
Die Wohngebäude der im heutigen
Primorsk lebenden russischen Einwohner,
etwa 2.000, befinden sich außerhalb
des früheren inneren Stadtbereichs. Um
dennoch einige bekannte Stellen unserer
alten Stadt wiederfinden zu können, bedienten
wir uns der Hilfe des an der dortigen
Mittelschule tätigen Deutschlehrers
Viktor Bolutschewski, mit dem ich seit
einiger Zeit korrespondiere und der,
nachdem ich ihm meine Bitte vorgetragen
hatte, ohne Zögern bereit war, uns
als Führer durch das ehemalige Fischhausen
zu dienen. Wir fuhren zunächst
zu dem deutschen Soldatenfriedhof, der
sich in einem bemerkenswert guten, äußerst
gepflegten Zustand befindet. Die
Inschrift auf dem Kriegerdenkmal, das
früher vor der Volksschule stand, ist gut
lesbar. Der Stein hat auf dem Friedhof
einen würdigen Platz gefunden. Dieses
und die restaurierte Brücke am Hafen,
die wir anschließend aufsuchten, sind der
I •
großen Initiative von Fritz Berger zu
verdanken, der sich damit um seine Heimatstadt
verdient gemacht hat. Der Blick
von der Brücke zum einstigen Hafen und
zum Frischen Haff wird durch einen breiten
Schilfgürtel, dem sich ein hoher Bretterzaun
(!?) anschließt, verwahrt. Von
dort aus gelangten wir auf einem schmalen
Pfad zu der Friedenseiche, die früher
den Platz vor der altehrwürdigen
Ordenskirche zierte und vor der meine
Schwester Anneliese und ich als Kinder
während der Zeit, als wir in der Kirchenstraße
wohnten, gespielt haben.
In der früheren Freiheitstraße, die nur
noch andeutungsweise vorhanden ist, und
in der ich von 1935 - 1945 gewohnt habe,
entdeckte ich das Holzhaus, in dem Familie
Fadder gewohnt hat und das als
einziges Bombardement und Artilleriebeschuss
am Ende des Krieges überstanden
hat. Danach ging es zum Bahnübergang
Richtung Pillau und von dort in die
Bahnhofstraße vorbei am Bahnhof zum
Haus des ehemaligen Justiz- und Rechnungsrats
Hamann,
auch bekannt
durch seine im
Sommer im Hafen
liegende große Segelyacht
mit ca. 90
qm Segelfläche.
In diesem Gebäude
ist u. a. das
Heimatmuseum
der Russen untergebracht,
das zu
einem Teil auch
Bilder vom alten
Fischhausen enthält.
Nachdem wir
uns dort etwas umgesehen
hatten,
tiihren wir mit dem Bus wieder zum Ortsausgang
Richtung Pillau und von dort
weiter vorbei an der ehemaligen Villa
Porr, die heute ein Sanatorium für russische
Offiziere beherbergt. Wir mussten
eine beträchtliche Strecke an der nicht
mehr vorhandenen Villa Rosenthal vorbeifahren,
bis wir eine Wendemöglichkeit
für den Bus fanden
In Fischhausen haben wir uns dann von
unserem russischen Begleiter, der uns
eine wertvolle Hilfe war, verabschiedet
und die Rückfahrt über Gaffken, Germau,
Palmnicken - wo es ohne Voranmeldung
keine Möglichkeit gab, das
Bemsteinwerk zu besichtigen - und weiter
über Groß Dirschkeim auf einer offenbar
wenig befahrenen Straße, die sich
in einem erbärmlichen Zustand befand,
nach Brüsterort und von dort über Klein
fuhren, Groß Kuhren und Georgenswalde
zurück nach Rauschen angetreten.
Am Mittwoch, dem 18. August sollte
programmgemäß die Fahrt nach Pillau
unternommen werden, wozu eine besondere
Genehmigung erforderlich war, da
Pillau und der davor liegende Ort Neuhäuser
immer noch Sperrgebiet sind.
Diese Genehmigung hatte unser Reiseleiter
rechtzeitig vorher beantragt, so dass
wir am Kontrollpunkt in der Nähe des
früheren Lochstädt nach Entrichtung einer
Gebühr und Aufnahme einer Reiseiuhrerin,
die uns auf der gesamten Fahrt
nach und in Pillau begleitete, weiterfahren
konnten. Unsere Fahrt dahin ging von
Rauschen über Germau, Polennen und
fallen bei Caspershöfen auf die Straße
fönigsberg - Pillau an Fischhausen
vorbei. Wir wurden darüber informiert,
dass Pillau/Baltisk 55.000 Einwohner
hat, davon 18.000 Zivilisten. Wir pasDas
Landratsamt in Fischhausen um 1900 Sammlung Klemm
sierten Neuhäuser und fuhren dann in
Pillau an den noch aus der Kaiserzeit
stammenden Kasernen vorbei in die Innenstadt.
Dabei kamen wir an der allen
ehemaligen Pillauem und auch mir, der
ln Pillau: Leuchturm und Denkmal Zar Peters
des I. Foto: priv.
ich in Pillau zur Schule gegangen bin,
bekannten Zitadelle vorbei. Wir passierten
dann auch meine ehemalige Schule,
die heute wieder Gymnasium ist und sich
in einem guten baulichen Zustand befindet,
was auch auf die Kasemengebäude
und die Gebäude des Stabes der baltischen
Seekriegsflotte zutrifft. Auf unserem
Gang durch die Stadt kamen wir am
Leuchtturm vorbei, vor dem an der Stelle,
an der früher das Denkmal des Gro-