nicht erwünscht, sie war politisch nicht
korrekt. Lediglich eine herabsetzende
Darstellung oder wie man heute sagt, eine
kritische Darstellung der preußischen
Geschichte wurde akzeptiert.
Nach dem schrecklichsten, verlustreichsten
und über sechs Jahre dauernden
Krieg kapitulierte das Deutsche Reich
im Mai 1945. Die Niederlage war total.
Das Land lag in Trümmern. Die Sieger
zerteilten das Deutsche Reich in vier
Zonen und damit zertrennten sie auch das
einheitlich deutsche Wirtschaftsgebiet.
Sie beschlossen die Abtretung der ostdeutschen
Gebiete, es waren die preußischen
Kemprovinzen, und ordneten gleichzeitig
die Austreibung der dortigen Bevölkerung
an. Die Deutschen wurden zusätzlich
einer mehrjährigen Nahrungsmittelbeschränkung
unterworfen, die
Forschungsergebnisse und Patente deutscher
privater Firmen und Personen geraubt
sowie Wissenschaftler zur Ausbeutung
ihrer Kenntnisse in die Länder der
Siegermächte gebracht. Diese geistige
Beute ersparte der amerikanischen und
russischen Forschung milliardenschwere
Investitionen und jahrzehntelange Forschungsarbeit.
Neben der Demontage aller
Fabriken und der Wegnahme privater
und staatlicher Vermögenswerte hatten
sich die westlichen Siegermächte noch
auf eine besondere Demütigung geeinigt,
indem sie den Deutschen eine Art Ge--hirnwäsche
verordneten, die als Reeducation
oder Umerziehung in die Nachkriegsgeschichte
eingegangen ist. Diese
Umerziehung richtete sich in erster Linie
nicht, wie es nahe gelegen hätte, gegen
die Ideen des Nationalsozialismus,
sondern sie hatte eine klare antipreußische
Tendenz. Demokratische Gesinnung
wurde und wird mit antipreußischer
Haltung gleichgesetzt. Auch die Umerziehung
dürfte als ein besonders schwerwiegender
Rückfall in die Zeit der Glaubenskriege
angesehen werden.
Ein weiterer Verstoß gegen das Völkerrecht,
besonders seiner humanen Bedingungen,
war die von England schon
1940, also vor dem Angriff der deutschen
Wehrmacht auf Russland, den anderen
Alliierten vorgeschlagene Austreibung
von 13 Millionen Deutschen aus ihren
angestammten preußischen Siedlungsgebieten.
Diese Austreibung stellte ein
schweres Menschheitsverbrechen dar, das
nicht nur gegen die Regeln des damali- I
gen, sondern auch des heute noch gülti- I
gen Völkerrechts verstößt. Rund 2,5 Mil-1
lionen Menschen kamen dabei ums Le-1
ben. Die Anwendung von Terror bei der
Austreibung der bäuerlich geprägten ostdeutschen
Bevölkerung wurde im engli-1
sehen Außenministerium als notwendig |
angesehen. Der britische Unterstaatssek-1
retär Sargent schlug sogar vor, die Deutschen
aus Ostpreußen und Schlesien nach
Sibirien zu deportieren. Nicht der Nati- j
onalsozialismus, sondern Preußen als
Kern Deutschlands sollte mit dieser Vertreibung
niedergeworfen werden. Werdie
Hauptschuld unter den Alliierten ander
Vertreibung und seiner Durchführung
trägt, ist ohne Belang, denn alle haben
diese Unmenschlichkeit akzeptiert und
zugesehen, wie Millionen von Frauen.
Kindern und alten Leuten erfroren, verhungerten
oder zum Teil bestialisch umgebracht
wurden. Mit dem Hinweis auf
Hitler lässt sich die Vertreibung weder
rechtfertigen noch entschuldigen, es bleibt
ein internationales Menschheitsverbrechen.
Preußen sollte auch mit dem britischen
Luftangriff auf Potsdam am 15. April
1945, nur wenige Tage vor Ende des
Krieges, getroffen werden. Die Zerstörung
Potsdams war ohne die geringste
militärische Bedeutung. Sie sollte den
kulturellen Kern Preußens zerstören.
Potsdam war die preußischste Stadt der
preußischen Könige, die Stadt entsprach
im Tiefsten ihres Wesens dem preußischen
Staat. Holland, Italien, Frankreich
und England, die Antike, Renaissance
aber auch Russland und selbst der Islam
waren in der Stadtarchitektur mit Bauten
und Nachbauten vertreten. Aus dieser
kulturellen und geistigen. Fülle ist in
Preußen eine Einheit geworden. Das
Fremde zu integrieren und es der Entwicklung
Preußens dienlich zu machen,
hat keine Stadt so repräsentiert wie
Potsdam. Das wusste die britische Führungsschicht,
deshalb musste Potsdam nur wenige
Tage vor Ende des Krieges als Kulturdenkmal
zerstört werden. Der Angriff
auf Potsdam, es war ein Akt kultureller
Barbarei, bewies die gleiche militärische
Unsinnigkeit wie der Angriff auf Dresden
im Februar 1945. Wie glücklich kann
sich die Welt heute schätzen, dass sich
deutsche Offiziere eingedenk ihrer preußischen
Tradition trotz gegenteiliger
Befehle bemüht haben, Rom und Paris
vor der Zerstörung zu bewahren.
Aus der Tatsache, dass die deutsche
Zivilbevölkerung, von einer oder vielleicht
von zwei Ausnahmen abgesehen,
im Angesicht ihrer brennenden und ausgebombten
Häuser, vielleicht sogar im
Angesicht ihrer durch Bomben getöteten
Kinder oder Familienangehörigen
sich nicht an abgesprungenen feindlichen
Bomberpiloten vergriffen und keine
Lynchjustiz verübt hat, lässt mehr über
die Deutschen erkennen, als aus den von
einer aufgehetzten SS-Minderheit auf
Befehl verübten Grausamkeiten an jüdischen
Menschen.
Der höchstdekorierte amerikanische
Jagdflieger, der spätere General Chuck
Yeager, berichtete in seinen Kriegserinnerungen,
dass den amerikanischen
Jagdfliegern im Herbst 1944 der Befehl
erteilt wurde, auf alle sich bewegenden
Zivilisten zu schießen und zwar mit der
Begründung, mit der Terrorisierung der
Zivilbevölkerung sollte ihr Widerstandswille
gebrochen werden. Der General
schreibt, dieser Befehl war grausam, und
doch gehorchten wir alle und schossen
auf wehrlose Menschen.
„Vae Victis“ - Wehe den Besiegten.
Die Abtretung von Gebieten, die Zahlung
von Kontributionen und die Befriedigung
von Schadensersatzansprüchen
gehörten auch unter dem neuen Völkerrecht
zu den Folgen einer erlittenen
Kriegsniederlage. Gebietsabtretungen
allerdings nicht in dem Umfang, wie man
sie Deutschland auferlegte. Das „Vae
Victis“ nach den beiden Weltkriegen bestand
in der Gnadenlosigkeit und der
Missachtung des Rechts durch die Sieger,
bestand vor allen Dingen in ihrem
abstoßenden Überlegenheitsdünkel und
in der Demütigung aller Deutschen. Diese
Demütigung wurde nach dem Zweiten
Weltkrieg durch den Befehl zur Umerziehung
der Deutschen verschärft. Wir
Deutsche verloren unsere Geschichte, die
auf zwölf Jahre des Nationalsozialismus
reduziert wurde. Mit einer überdimensionierten
politischen Bildungsarbeit in
Universitäten, Schulen, Stiftungen,
Parteieinrichtungen, Gewerkschaftsinstituten
und Medien wird nicht nur das
verfälschte Geschichtsbild, sondern auch
die Existenz der Parteien, ihrer Funktionäre
und der ungebührliche Zugriff auf