ich mit nach Hause nehmen sollte. Ich
war so überwältigt, dass ich diese junge
Frau ganz spontan in die Arme nehmen
und mich beherrschen musste, dass mir
nicht die Tränen kamen. Bei unserer Unterhaltung
habe ich dann erfahren, dass
ihr Mann als Offizier nicht viel Geld bekommt
und dass sie zwei Kinder haben,
darum geht sie arbeiten.
Um all das Erlebte zu verarbeiten,
brauchte ich schon eine längere Zeit. Und
ich bin ganz sicher, wenn es meine Gesundheit
erlaubt, werde ich im nächsten
Jahr wieder in die Heimat fahren. Schön
wäre es, wenn dann wieder ein Zug bis
Königsberg durchfahren würde.
Somit kann ich den Bericht von Herrn
Schwarz nur bestätigen: Wir werden von
den Menschen dort erwartet.
Gertrud Ahrens
Stemberg 31
32805 H.B. Meinberg
Tel.: 05234- 51 61
Aus meiner „l<aUen"-Zeit (1942 - 1945)
Ein Qutsrendant erzählt.........
Ich
sollte am 01. April 1942 vereinbarungsgemäß
meine Tätigkeit als Gutsrendant
bei Oskar Freiherr v.d. Goltz in
Kallen beginnen. Da ich bereits am Sonntag,
den 29. März 1942 angereist war,
machte ich am Montag meiner Vorgängerin,
Fräulein Herta Trunz, einen Höflichkeitsbesuch,
ehe ich am Dienstagnachmittag,
dem 31. März 1942 zur abgesprochenen
Zeit in Gegenwart von
Annemarie Freifrau v.d. Goltz - da der
Chef, Oskar v.d. Goltz wegen des Krieges
zurzeit nicht in Kallen war - von
Fräulein Trunz die Gutskasse und die
Büroschlüssel übernahm, nachdem Rechnungslegung
erfolgt war.
Es sollte für mich eine sehr schöne Zeit
werden - leider war sie nicht von langer
Dauer -, doch das steht auf einem anderen
Blatt und war keinesfalls absehbar
zu jener Zeit. Die Tätigkeit als Gutsrendant
sagte mir zu, da ich nun wieder auf
dem Lande lebte, wo ich auch aufgewachsen
bin. Die „Königsberger Zeit“ bei der
Buchführungsgenossenschaft hatte mir
gezeigt, dass ich kein Stadtmensch bin.
Hier in Kallen hatte ich eine vielfältige
Arbeit, die auch noch termingebunden
war. Im Gegensatz zu meiner Vorgängerin,
die nur eine reine Bürokraft gewesen
ist, war mein Aufgabengebiet wesentlich
umfangreicher, gehörte doch zu
meiner Tätigkeit auch die „Hof- und
Speicheraufsicht“. Dadurch war ich praktisch
„rund um die Uhr“ beschäftigt.
Es begann frühmorgens mit der Futtermittelausgabe
und nach Feierabend -
der eigentlichen Bürozeit - kamen die
Arbeitnehmer mit vielerlei Anliegen in
das Gutsbüro.
Da infolge des Krieges der ständige
„Speichermann“ eingezogen war, musste
ich die benötigten Schrotmischungen
mit „Fremdarbeitern“ (ehemalige polnische
Kriegsgefangene, die ins Zivilverhältnis
überführt waren) hersteilen, indem
ich sie unterrichtete, wie die Mischungen
herzustellen sind und in der
Schrotmühle gemahlen werden.
Die eigentliche Büroarbeit umfasste
Lohnabrechnung,Deputatausgabe, Lohnauszahlung,
darüber hinaus Buchführungsaufzeichnungen
mit Belegerfassung,
Regelung des Kassenverkehrs, Erstellung
von Natural- und Viehberichten wie auch
Führung von Zuchtbüchern. Da es in Kallen
drei verschiedene Arten von Herdbuchzuchten
gab, war die Führung der
Zuchtbücher auf drei Köpfe verteilt: Die
Zuchtbücher der Trakehner-Pferdezucht
führte der Chef selber, die Zuchtbücher
des Milchviehes (Schwarzbunte) wurden
vom Oberinspektor F. Beitat geführt und
in meinen Händen lag die Zuchtbücher-Führung
der Schafzucht. Da hatte Kallen
zu meiner Zeit inzwischen zwei verschiedene
Rassen-Herden. Zu der alten
Herde der Schwarzkopf/Schwarznasen-Schafe
gab es die Merino-Herde und damit
auch vier(!) Lammzeiten. Das brachte
viel Schreibarbeit mit sich, sollte die
Übersicht nicht verloren gehen. Beim
Verkauf von jungen Zuchtschafen war
stets die Abstammung mitzuliefem.
Die Molkerei, wohin Kallen die Milch
lieferte, befand sich in Caspershöfen. Das
war auch gleichzeitig unsere Bahnstation,
der Bahnlinie Fischhausen - Königsberg/
Pr. Das monatliche Milchgeld war die
Grundlage für die Lohnzahlungen, die
auf monatlicher Basis erfolgten und war
in der Regel auch ausreichend.
In Königsberg/Pr. befand sich die
Getreidegroßhandelsfirma Ebhardt &
Co., mit der Kallen rege Geschäftsbeziehungen
unterhielt. Bei ihr konnte ich
Geld erheben, wenn ich’s in Kallen gebrauchen
würde, sei es zu Lohn- wie auch
anderen wirtschaftlichen Zwecken. So
hatte es der Chef vereinbart, ich benötigte
dazu nicht die Unterschrift der Baronin!
Allerdings war ein Limit festgesetzt.
Bei meinen Geschäftsreisen nach
Königsberg/Pr. bin ich öfter persönlich
dort gewesen und hatte zu den leitenden
Angestellten ein sehr gutes Verhältnis.
Werner Nagel
Berliner Ring 10
24594 Hohenweststedt
Tel: 04871 - 25 58
Siörche
Der &Öeif>sforch isi ein Dogel im Glück,
denn er flieg! fort und - l?oFirt zurückschon
seit ewigen Reifen
fliegt er durch die ÖDeiten,
kennt weder Grenzen noch Grrest,
kommt freiwillig heim zu seinem Nest.
Ssf es Keimweh, das ihn treibt?
Sch frage ernsthaft: ÜtWum bleibt
er nicht im fremden, fernen £and
und gründet hier den Shestand?
Das eine steht vor allem fest:
Der ÜÖeißsforch ist ein Dogel im Glück;
denn er fliegt fort und kehrt zurück-Gisela
Grätsch